Café Théatre: Schlaflos in Trier

Im Februar vergangenen Jahres öffnete das „Café Théatre“ in Trier seine Pforten. Der Inhaber Rudi Rübel, der sich selber als Entertainer bezeichnet, hat ein unkonventionelles gastronomisches Projekt entwickelt.

Die Innenstadt von Trier an einem kalten Winterabend. Die Straßen sind verwaist, die Menschen suchen Schutz in den geheizten Innenräumen. In der Brückenstraße auf Hausnummer sieben leuchtet das Schild mit dem „Café Theâtre“ verführerisch in die Nacht. Wer auf ein wärmendes Getränk einkehrt, wird sicherlich gerne etwas länger verweilen. Und wenn man Glück hat, ist der Patron selbst anwesend und nimmt sich Zeit für ein Schwätzchen.

Rudi Rübel ist sicherlich nicht der erste Luxemburger, der sich im Schatten der Porta Nigra niedergelassen hat. Doch das Konzept, das nunmehr seit Februar 2002 zahlreiche Gäste seines „Café Théâtre“ begeistert, ist in der Stadt einzigartig. Dabei gehörte der Beruf „Gastwirt“ eigentlich überhaupt nicht zu Rübels Lebensplanung. „Ich bin im Grunde ein Entertainer“, so sagt er über sich selbst. Die Bühne sei sein Leben. Bereits im zarten Alter von neun Jahren schrieb er sein erstes Theaterstück, wie er sich lachend erinnert. „Miss Plumpudding und der geheimnisvolle Mörder“ hieß das damals, und der kleine Rudi war nicht wenig stolz, als das Stück im Rahmen einer Klassenarbeit von ihm und seinen Klassenkameraden aufgeführt wurde. Die Freude daran, Menschen zu unterhalten, war damals bereits erkennbar.

„Spannung- Spaass- a Spillshow“

Im Alter von 18 Jahren entwickelte er das Konzept der „Spannung- Spaass- a Spillshow“, die 1988 Premiere feierte. Im Mittelpunkt stand jeweils ein Prominenter aus den Bereichen Politik, Kultur oder Sport, mit dem man zur Freude des Publikums allerhand Schabernack trieb. „Jacques Santer musste damals bei uns offen legen, welche Sorte Unterhosen er trägt“, so Rübel. Das Team der Show bestand damals aus zehn Leuten und tingelte über die Dörfer. Später entstand die „Rudi Rübel Show“, eine Familienshow, die im städtischen Theater aufgeführt wurde. „Rudi Rübel war damals ein Markenname“, so der Künstler, dem Starallüren immer fremd waren. Auch als Radiomoderator arbeitete er zeitweise, und dass er sogar mal eine „Epicerie“ in Luxemburg-Stadt betrieb, belegt die Tatsache, dass er neuen Ideen immer aufgeschlossen gegenüber stand.

So kam er dann auch nach Trier. Im vergangenen Jahr wurden ihm die Räumlichkeiten des Cafés zu günstigen Konditionen angeboten. „Ich hatte drei Tage Zeit, um mich zu entscheiden“, erzählt der 32-jährige, der schließlich das Wagnis einging. Um gegen die Konkurrenz bestehen zu können, entwickelte er einige originelle Ideen. So gibt es in dem Café eine Kleinkunstbühne, auf der die unterschiedlichsten Veranstaltungen stattfinden. Zwei Mal pro Monat wird ein von Rübel verfasstes Theaterstück aufgeführt. „Ich habe bis jetzt immerhin schon 25 Stücke geschrieben“, sagt der Patron, und dabei soll es nicht bleiben. Als Schauspieler fungieren seine sechs Angestellten, Rübel hält sich bewusst im Hintergrund. „Ich stand lange genug in der ersten Reihe.“ Nun genießt er es, seine Jungs zu produzieren und sie auf der Bühne zu sehen, obwohl sie meistens keine Bühnenerfahrung haben. „Das ist für die ein tolles Erlebnis“, meint der Chef. Aber auch an die Mitwirkung von Stammgästen ist gedacht, denn, so Rübel, wer zwei oder drei Mal in seinem Café zu Gast gewesen ist, wird als Familienmitglied angesehen.

Multisexueller Szenetreff

Dienstags ist Karaoke, und am Wochenende gibt sich die schwul-lesbische Szene der Region im „Café Théâtre“ ein Stelldichein. Rudi Rübel glaubt in diesem Bereich eine Marktlücke entdeckt zu haben, gibt es doch in Trier und Umgebung wenige Ausgehmöglichkeiten für Schwule und Lesben. Das Einzugsgebiet seiner Gäste reicht so weit über die Stadtgrenzen hinaus. Rübel organisiert Partys gemeinsam mit dem Trierer Schwulenzentrum „Schmitz“ und der Aidshilfe in Trier. Außer für Benefizzwecke wird kein Eintritt verlangt. „Auch viele Luxemburger sind unter den Gästen“, erzählt er. Doch von einer Ghettoatmosphäre kann keine Rede sein. Rübel freut sich, dass Schwule, Lesben und Heteros einträchtig miteinander feiern, und weder für die Einen noch für die Anderen ist das offenbar ein Problem. In Luxemburg, gibt er sich überzeugt, wäre das so nicht möglich.

Seit der Eröffnung wurden Rübels Erwartungen bei weitem übertroffen, viele Stammgäste hat er mittlerweile gewonnen. Die Arbeit hinterm Tresen, das verheimlicht Rübel nicht, ist aber nicht so seine Welt. Er hat einen Geschäftsführer eingestellt, damit er Zeit hat über neue Ideen für das „Café Théâtre“ nachzudenken. Denn auch wenn die Gäste das bisherige Konzept dankbar aufgenommen haben, weiß er doch, dass es gefährlich ist, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. „In der Gastronomie muss man die Leute unterhalten.“ Und so ist Rübel ständig auf der Suche nach neuen Attraktionsmöglichkeiten. Viel Zeit verbringt er im Büro, beugt sich über den Papierkram und arbeitet an der Werbung. Und wenn es ihm erlaubt sei zu träumen, sagt Rübel, dann würde er gerne daran glauben, dass er das erfolgreiche Konzept auch in anderen Städten der Region umsetzen könnte.

Und dann kommt er auf den für die Belebung des Nachtlebens unschätzbaren Vorteil von Trier zu sprechen. Im Gegensatz zum Großherzogtum gibt es jenseits der Mosel nämlich keine Sperrstunde. Rudi Rübel muss lachen, wenn er daran denkt, dass er um 3.00 oder gar um 1.00 Uhr zusperren müsste. „Wir haben oft bis 5.00 Uhr morgens, manchmal sogar bis 6.00 Uhr geöffnet.“ Und von Samstag auf Sonntag, da wird erst gar nicht zugesperrt. Da treffen sich dann die letzten Gäste vom Vorabend mit den ersten, die zum Frühstück vorbeikommen.

Claude Kohnen


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