Jäger: Schweres Geschütz

(lm) – Die Wahlen vom 20. Oktober beförderten nicht nur die Grünen – erstmalig – in die Regierung und die CSV in die Opposition. In gewisser Weise ist auch der Mouvement écologique an der Regierung beteiligt – und die Jägerschaft in der Opposition. Am 4. Februar begrüßte der Mouvement per Kommuniqué mehrere Neuerungen im Jagdkalender 2014-15, wie die Begrenzung der Treibjagden auf acht Wochen im Herbst und die Abschaffung der „Selektionskriterien über das Geweih“ bei der Jagd auf den Hirsch. Wichtigster Kritikpunkt des Mouvement am Kalender: „Nicht ein einziger Monat im Jahr wäre jagdfrei!“ Die NGO schlug vor, ab März eine viermonatige vollständig jagdfreie Periode einzuführen. Tags darauf meldete sich der Staatssekretär für Nachhaltigkeit, Camille Gira, ein ehemaliger Mouvement-Aktivist, zu Wort: Der Jagdkalender stamme von seinem Amtsvorgänger, er habe aber immerhin die Begrenzung der Treibjagd durchgesetzt und die Jagd auf den Hirsch vereinfacht, um „die Trophäenjagd nicht zu begünstigen“. Eine der Prioritäten bei der Erstellung des nächsten Jagdkalenders sei die Einführung einer generell jagdfreien Ruheperiode für das Wild, so Gira. Auf die beiden in sachlichem Ton gehaltenen Kommuniqués folgte am 11. Februar eines der Jägerföderation mit dem Titel „Realitätsverleugnung, Unwahrheiten, Populismus, Widersprüche, Vetternwirtschaft: der neue Regierungsstil?“ Die FSHCL bestreitet, dass das Ministerium keine Zeit gehabt habe, den Jagdkalender anzupassen und unterstreicht, die Begrenzung der Treibjagden sei auf ihre Initiative erfolgt. Dass das Ministerium betont, es wolle die Trophäenjagd nicht begünstigen, diene dazu, „dem Bedürfnis der Demagogie Genüge zu tun“. Laut Jägerföderation ist es auch wildbiologisch sinnvoll, „alte und reife Hirsche“ heranwachsen zu lassen. Einen inhaltlichen Konflikt scheint es aber nur bei der Forderung nach einer Ruheperiode zu geben. Die FSHCL bemängelt, dass innerhalb des Conseil supérieur de la chasse diese Position nur vom Vertreter des Mouvement écologique vertreten werde – und vom zuständigen Staatssekretär. Dies sei ein Fall von „Vetternwirtschaft und Klientelismus“. Abschließend versichert die Föderation, sie sei einem „konstruktiven Dialog und einer positiven Zusammenarbeit keineswegs abgeneigt“. Dabei klingt das Kommuniqué eher wie eine Kriegserklärung. Doch weder die eventuellen Missdeutungen und Unterstellungen des Staatssekretärs, noch der Dissens in Sachen Ruheperiode lassen den agressiven Ton der FSHCL nachvollziehbar erscheinen. Die Jägerschaft hat wohl Schwierigkeiten, ähnlich wie die CSV, ihre jahrzehntelange Vormachtstellung aufzugeben und die Oppositionsrolle zu akzeptieren.


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