MOBILITÄT: Fahrrad und Tram in Bedrängnis

Trotz der Krise platzt nicht nur der innerstädtische Verkehr aus allen Nähten.

Die Seilbahn-Protagonisten sorgen sich um die Superreichen, die Luxemburg in Zukunft anziehen soll, und denen sie unschöne Tram-Baustellen ersparen wollen.

Aus dem Blickwinkel der Verkehrspolitik haben wir eine spannende Woche hinter uns. Am Montag fand – nach langer Pause – mal wieder eine Fahrraddemo statt. Diesmal aus aktuellem Anlass: Weder bei der runderneuerten „Nei Bréck“ noch bei der für die Zeit der Umbauarbeiten eingerichteten provisorischen Behelfsbrücke sind separate Pisten für den Fahrradverkehr vorgesehen.

Kurz vor Beginn der Arbeiten wollte die Lëtzebuerger Vëlos Initiativ (LVI) ihrem Unmut über diesen Zustand Luft machen. Und sie hatte gleich dreifachen Erfolg: Das Wetter war prächtig, die TeilnehmerInnenzahl gewaltig und der an der Demo teilnehmende Minister für Nachhaltigkeit versprach eine Lösung – die er im Detail allerdings erst am 17. März mit den LVI-Verantwortlichen erörtern will.

Schon jetzt sagte François Bausch aber zu, überprüfen zu lassen, ob die für die Trambahn vorgesehenen Trassen auf dem „Pont Adolphe“ eventuell etwas schmäler ausfallen können, so dass es möglich wäre, eine entsprechend breiter bemessene Piste für eine gemeinsame Nutzung von FußgängerInnen und RadfahrerInnen anzulegen. Allerdings müsste auch noch das Problem der zu niedrig angelegten Balustrade gelöst werden, die aus denkmalschützerischen Gründen nicht verändert werden soll.

Eine andere Lösung könnte eine ganz der „mobilité douce“ vorbehaltene neue Brücke zwischen Pont Adolphe und Viaduc darstellen. Sie würde für RadfahrerInnen, die die 200 Meter Luftlinie von der Place de Bruxelles zur Place de Metz zurückzulegen haben, allerdings immer noch einen enormen Umweg bedeuten. Auch bezüglich des Viaduc will François Bausch die bisherigen Pläne überarbeiten lassen, denn hier sollte die getrennt angelegte Radpiste einer 
neuen Busspur von der Stadt in Richtung Bahnhof weichen.

Es bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass das Prinzip, die sanfte Mobilität von Anfang an in die Planungsarbeiten einzubeziehen, immer noch nicht mehr als ein frommer Wunsch ist. Allein die
provisorische Verkehrsregelung im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten zum Umbau des Pont Adolphe zeigt, dass als erstes die Radspuren ersatzlos entfernt und so die Radfahrer/Innen dem motorisierten Verkehr – überdies an besonders chaotischen Punkten – vollends ausgeliefert werden.

Das Wunder aus der Luft

Am Mittwoch wurde dann aber ein ganz neues öffentliches Verkehrsmittel als Lösung für die Probleme des ÖPNV vorgestellt, nämlich eine Seilbahn: Georges Feltz, ehemaliger Direktor der hauptstädtischen Busdienste, und Mathias Foehr(*), Mathematiker und Finanzexperte, planen, Bahnhof und Kirchberg, entsprechend dem geometrischen Prinzip, wonach die kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten eine Gerade ist, mit einem „Airtram“ zu verbinden.

Fünf Masten, drei Stahlseile und 50 Gondeln sollen es ermöglichen, rund 5.000 Menschen pro Stunde von der CFL-Gare bis zu einem Platz gleich neben dem „Héichhaus“ zu transportieren. Und zwar in acht Minuten, während Busse fahrplanmäßig für diese Strecke mindestens 12 benötigen.

Auf etwa 40 Millionen Euro – das wäre ein Zehntel des für die erste Ausbaustrecke der Tram vorgesehenen Investitionssumme – werden die Baukosten einer solchen Seilbahn geschätzt. Sie könnte sowohl als Provisorium während der Bauarbeiten der Tram dienen als auch – falls sich erweisen sollte, dass sie die Probleme auf der Trasse Bahnhof-Kirchberg zu lösen imstande ist – als definitive Lösung installiert werden.

Mathias Foehr macht keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass die Tram einfach zu teuer ist. Der Finanzplatz sei einem Schrumpfungsprozess ausgesetzt und der Staat infolgedessen nicht mehr in der Lage, die hohen Kosten zu tragen. Er sieht in der Seilbahn eine typisch luxemburgische Lösung: Mit geringen Mitteln einen großen Effekt erzielen. Die Frage, ob eine Seilbahn tatsächlich alles das leisten könnte, wofür die Tram einmal gedacht war, kann das interessierte Publikum am heutigen Freitag um 19 Uhr im Forum Da Vinci, 6, Boulevard G.-D. Charlotte mit den Protagonisten diskutieren.

(*) Name in der Printausgabe irrtümlich als „Foehl“ angegeben.

Kriteschen an onofhängege Journalismus kascht Geld - och online. Ënnerstëtzt eis! Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld - auch online. Unterstützt uns! Le journalisme critique et indépendant coûte de l’argent - en ligne également. Soutenez-nous !
Tagged , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.