Forderungen der SNE-CGFP: Schulinklusion? Nicht um jeden Preis

von | 24.05.2019

Das „Syndicat national des enseignants“ (SNE-CGFP) spricht sich grundsätzlich für die schulische Inklusion aus. Die Gewerkschaft stellt für ihr Gelingen jedoch konkrete Forderungen: Mehr Personal und eine Überarbeitung der Elternbefugnis.

„Wir fordern das Bildungsministerium dazu auf zuzuhören, die aktuelle Situation nicht zu unterschätzen“, appellierte der Gewerkschaftspräsident Patrick Remakel (Zweiter v.r.) auf der Pressekonferenz der SNE-CGFP, „und die von uns vorgestellten Maßnahmen und Empfehlungen umzusetzen – im Sinne aller Kinder.“

„Inclusioun … awer op kee Fall mam Briecheisen“ lautete der Titel der Pressekonferenz der SNE-CGFP zur Schulinklusion. Der Gewerkschaftspräsident Patrick Remakel betonte, man sei nicht per se gegen Inklusion, nur dürfe diese den Lernprozess der Schüler*innen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf nicht behindern. Aktuell wachse die Zahl der Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten. Auch die Gewalt von Kindern nehme zu. Die Lehrkräfte seien dadurch nur noch selten in der Lage, sich den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schulkinder gleichermaßen zu widmen. Die Gewerkschaft spricht von Energiemangel und Frust seitens der Lehrkräfte – und von der an das Verhalten der Mitschüler*innen gebundenen Unlust der Schulkinder, am Unterricht teilzunehmen. Eine Situation, die die SNE-CGFP für inakzeptabel hält.

Sie fordert zur Entlastung des Lehrpersonals die Einrichtung schulinterner Präventions- und Interventionszentren, die in einer ersten Phase auf Kinder mit Verhaltensstörungen reagieren können. Dort sollten Krankenpfleger*innen, Sozialarbeiter*innen und Erzieher*innen tätig sein, die eingreifen, wenn es in einer Schulklasse „brennt“. Bei einer unzureichenden schulinternen Betreuung, müsse in einer zweiten Phase für die temporäre Unterbringung in einem Kompetenzzentrum oder einem „Centre de prise en charge socio-éducative intense“ optiert werden. Über die langen Bearbeitungszeiten entsprechender Dossiers und die überfüllten Strukturen zeigte sich Remakel besorgt.

Im Hinblick auf Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten verlangt die SNE-CGFP die interdisziplinäre Aufstockung der „Equipes de soutien d’élèves à besoins éducatifs spécialisés et différenciés“ (Eseb) und die Erhöhung der Anzahl der „Instituteurs spécialisés dans la scolarisation d’enfants à besoins particuliers ou spécifiques“. „Beißt sich die Katze damit nicht in den Schwanz?“, fragte eine Journalistin bei der Pressekonferenz. Immerhin erwähnte Remakel wiederholt das Ungleichgewicht zwischen den Ausschreibungen und den Bewerber*innen im Bildungsbereich. Er geht jedoch davon aus, dass die Signalisierung von Lösungsansätzen die Attraktivität des Berufsfeldes steigert. Neben den Personalveränderungen fordert die Gewerkschaft zudem die Vereinfachung administrativer Formalitäten, deren bürokratische Langsamkeit dem unmittelbaren Einsatz der Eseb und spezialisierter Lehrkräfte momentan oft im Weg stünden.

Ein weiteres Sorgenkind der SNE-CGFP: die Elternbefugnis. „Die Eltern haben bei Vielem das letzte Wort“, bedauert Remakel, „um ohne ihre Einwilligung weiterführende pädagogische Maßnahmen einzuleiten, sind uns oft die Hände gebunden. Das muss unbedingt zeitnah geändert werden!“ Insbesondere in Bezug auf Kinder mit Verhaltensstörungen solle es künftig in Extremfällen möglich sein, auf das Einverständnis der Eltern zu verzichten. Allgemein schwebt der Gewerkschaft eine unabhängige Kommission vor, bestehend aus teils fachexternen teils professionellen Instanzen, die in Zusammenarbeit mit den Eltern über die vom Lehrpersonal vorgeschlagenen pädagogischen Maßnahmen (zum Beispiel: Unterbringung in schulexternen Infrastrukturen) berät.

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