Wenn „ChatGPT“ parlamentarische Fragen beantwortet

von | 12.06.2026

Am vergangenen Montag veröffentlichte die Chamber die Antwort des Außenministers Xavier Bettel (DP) auf eine parlamentarische Frage der beiden LSAP-Abgeordneten Mars Di Bartolomeo und Yves Cruchten. Thema war der „Luxemburgplan“, den die saarländische Regierung Anfang Mai veröffentlichte. Die Antworten sind relativ nichtssagend und unkonkret – die Routine im politischen Spiel zwischen Opposition und Regierung, könnte man meinen. Doch ein Detail fällt auf: Der eingefügte Link zum Luxemburgplan funktioniert nicht, sondern führt auf eine 404-Fehlerseite. Ihm haftet jedoch ein Tracking-Anhängsel an, der seine Quelle verrät: Der falsche Link stammt vom LLM-Chatbot „ChatGPT“. Auf Nachfrage versicherte das Außenministerium der woxx, die Antwort sei trotzdem „autonom aufgearbeitet“ und „im Rahmen der dokumentarischen Recherche“ sei „unter anderem künstliche Intelligenz benutzt“ worden. Zur Frage, warum der Link nicht auf Korrektheit überprüft wurde, wollte das Außenministerium keine Auskunft geben. Die „Leitlinien für den verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz“ des Digitalisierungsministeriums geben klar vor, dass mittels LLM-Chatbots generierte Inhalte überprüft werden müssen. Der Luxemburgplan des Saarlands ist übrigens mittels simpler Web-Suche auffindbar – ein besonderer Grund, ein Werkzeug mit hohem Ressourcenverbrauch zu benutzen, bestand demnach nicht.

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