Trotz weltweiter Fluten und Dürren, die für Schlagzeilen sorgen, kam es zu kaum einem Beschluss auf der COP17 gegen Bodendegradation. Das könnte auch ein fatales Zeichen für kommende Klima- und Biodiversitätsgipfel sein.

Ins Wasser gefallen: 14 Tage lang verhandelten Delegierte in der mongolischen Hauptstaat Ulaanbaatar. Trotz einiger kleiner Beschlüsse blieb ein Abkommen zum Bedauern vieler aus. (Copyright: ENB-IISD/Anastasia Rodopoulou)
Eigentlich hatten sich Delegierte im Vorfeld der COP17 optimistisch gezeigt. Verglichen mit den UN-Klimagipfeln, finden die Konferenzen der „Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung“ (United Nations Convention to Combat Desertification, kurz: UNCCD) fernab vom Rampenlicht statt. In der internationalen Presse erlangen sie nur wenig Aufmerksamkeit. Dies liege vor allem auch an dem Namen, sagt Pam Chasek auf einer Pressekonferenz vor Beginn des Gipfels, der dieses Jahr in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar stattfand.
„Die Leute denken beim Namen an Wüste, doch eigentlich geht es bei diesen Gipfeln um Bodendegradation und Dürren, etwas was viele Länder betrifft“, so die Expertin in internationaler Umweltpolitik. Wenigstens fände auf diesen COPs – im Gegensatz zu den großen Klimagipfeln – kein medialer und politischer „Zirkus“ statt. Deshalb sei die Hoffnung auch groß, dass gerade bei einem solchen Treffen Delegierte in Ruhe über konkrete Lösungen zum Bodenschutz diskutieren können, so Chasek.
Ab 2050 könnten Dürren ganze drei Viertel der Weltbevölkerung betreffen.
Der Nachteil der mangelnden medialen und politischen Aufmerksamkeit ist, dass Delegierte weniger Druck verspüren. Vielleicht kam es auch auf diesem 17. Gipfel, der vom 17. bis zum 28. August stattfand, deshalb zu kaum einem Beschluss – etwas, was die 197 Vertragsstaaten schon auf der COP16 vor zwei Jahren in Saudi Arabien nicht schafften. Geeinigt hatte man sich damals darauf, dass alle Vertragsstaaten dazu „ermutigt“ werden, die Bodendegradation zu vermeiden und rückgängig zu machen. Zu einem verpflichtenden Abkommen kam es aber nicht – und nun auch nicht auf dem diesjährigen Gipfel.

Gegen die Bodendegradation helfen umweltschonende Agrarpraktiken frei von synthetischen Pestiziden, wie hier auf dem Bio-Betrieb „Regather Farm“ in der Nähe von Sheffield, in England. Um gegen die zunehmenden Dürren und Hitzetagen zu kämpfen braucht es aber vor allem auch eins: mehr Klimaschutz und eine konsequente Reduzierung der Emissionen. (Copyright: Alastair Johnstone/Climate Visuals, CC BY-NC-ND 4.0)
Dabei haben die vergangenen Monate erneut die volle Wucht der Klimakrise gezeigt: Sturzfluten in Südasien, Erdrutsche in Japan und Vietnam, Waldbrände in Indonesien. In Nepal und Tibet schätzt das Rote Kreuz die Todesopfer der Flut, die ein zusammenbrechender Gletscher ausgelöst hat, auf weit mehr als tausend Personen. Mehr als 93.000 Menschen seien betroffen. In Europa ging währenddessen der heißeste Sommer überhaupt mit sich wiederholenden Hitzewellen, Waldbränden, zehntausenden Hitzetoten und Dürren einher. Erst am vergangenen Freitag hob das Luxemburger Wasserwirtschaftsamt die Warnung wegen Trinkwassermangel auf. Bei den Oberflächengewässern ist die Lage wegen der niedrigen Wasserstände und den extrem hohen Temperaturen weiterhin kritisch, teilte die Behörde mit.
Ab 2050 könnten Dürren ganze drei Viertel der Weltbevölkerung betreffen. So stand in der Mongolei die Trockenheit an oberster Stelle der Tagesordnung der COP17. Nicht ohne Grund erhoffte sich das Land viel von den Verhandlungen, hängt doch rund ein Drittel der Wirtschaft von pastoraler Landwirtschaft ab. Vor allem in der Gobi-Wüste leiden landwirtschaftliche und nomadische Viehzüchter*innen unter der Bodendegradation. Weltweit befindet sich laut Angaben der FAO etwas mehr als ein Drittel des Agrarbodens in einem zunehmend schlechten Zustand. Auch Luxemburger Böden sind davon betroffen (woxx 1867, „Bodenschutz: Auf wackligem Grund“). Leiden die Böden, wirkt das sich negativ auf die Ernährungssicherheit, die Artenvielfalt und das Klima aus, denn ausgetrocknete Böden stoßen auch mehr Kohlenstoff aus.
Nomadische und indigene Bevölkerungsgruppen sowie NGOs hofften darauf, sich auf der COP17 endlich Gehör schaffen zu können. Sie forderten unter anderem, dass ihr Recht auf ihr Land respektiert und Minenbau in einigen Regionen verboten wird. Sie wurden jedoch enttäuscht, denn an den Verhandlungen konnte die Zivilgesellschaft nicht teilnehmen, wie das französische Online-Magazin „Reporterre“ berichtete.
Anders der private Sektor. Der wurde im Rahmen der Initiative „Business4Land“ miteingebunden. Das Ergebnis ist einer der wenigen Lichtblicke der Konferenz: 1,3 Milliarden Dollar, die teils aus privaten Fonds kommen, sollen in den nächsten Jahren in 45 Projekte zur Wiederherstellung von Böden fließen. Wie bei anderen Gipfeln liegt die versprochene Summe jedoch stark unter dem eigentlichen Bedarf: Die UNCCD schätzt, dass rund 355 Milliarden Dollar jährlich nötig sind, um Böden weltweit bis 2030 wiederherzustellen – also fast täglich 1 Milliarde.
Neben dem Geldversprechen kam es jedoch zu keinen weiteren großen Ankündigungen. Verantwortung für die schwierigen Verhandlungen und die Uneinigkeit trugen unter anderem Staaten wie die USA, die direkt zu Beginn bestimmte Diskussionen blockierten. So wurden die Punkte zu Geschlechtergerechtigkeit, der Teilnahme der Zivilgesellschaft und möglichen Synergien zwischen den verschiedenen COPs in Folge dieses Vetos von der Tagesordnung gestrichen, sehr zum Bedauern der anwesenden Aktivist*innen. Obschon viele Frauen Land arbeiten, sind nur die wenigsten auch Grundbesitzerinnen: „Man kann das Problem der Bodendegradation nicht angehen, ohne Frauen mit einzubeziehen“, sagt Pam Chasek. Und um die Klimakrise und den Verlust der Artenvielfalt zu lösen, müsse das Problem der Bodendegradation angegangen werden, so die Expertin. Ein Problem ist demnach auch, dass die USA nur noch an einer dieser Konferenzen teilnehmen, sie jedoch gemeinsam gedacht werden sollten.
1,3 Milliarden Dollar sollen zur Wiederherstellung von Böden fließen. Wie bei anderen Gipfeln liegt die versprochene Summe jedoch stark unter dem eigentlichen Bedarf.
Auch die EU zeigte sich beim Punkt Migration wenig kompromissbereit, obschon Landerosion und Dürren für Konflikte sorgen und Migrationsgründe sind. Das Thema wurde genau wie die anderen auf die Tagesordnung des nächsten UNCCD-Gipfels in zwei Jahren in Ägypten geschoben. Dann soll auch endlich ein verpflichtendes Abkommen für den Schutz der Böden geschlossen werden.
Der Kritik, dass die COPs – ob für Klima, Biodiversität oder eben gegen Wüstenbildung – zunehmend ineffektive Instrumente sind, um die Krisen zu lösen, kann die COP17 demnach nicht entkräften. Zwar versicherten Delegierte, bei den Verhandlungen Fortschritte gemacht zu haben, doch diese kommen viel zu langsam voran. Die Arbeiten zu einem Abkommen und strukturellen Zielsetzungen werden jedes Jahr schwieriger. Immerhin bestehe noch Dialogbereitschaft, so Delegierte, die Konvention arbeite weiter an Projekten. Dennoch steht die Sorge im Raum, wie die Stimmung wohl auf den nächsten Gipfeln sein wird. Die nächste Biodiversitäts-COP (verwirrenderweise auch eine „COP17“) findet Mitte Oktober in Armenien statt und der nächste Klimagipfel beginnt am 9. November in der türkischen Küstenstadt Antalya.

