BELVAL-OUEST: Spagat in vier Dimensionen

von | 04.01.2002

In dem Maße wie sich das Projekt Belval-Ouest konkretisiert, treten die Widersprüche zu Tage. Tram oder Auto, Wohnen oder Wirtschaften, Stadt oder Stadtteil, diese Fragen müssen beantwortet werden. Und: Welches ist die Hauptfunktion der „Cité des Sciences“?

Jo Koenen &Co, Maastricht / agora

Mit fiebrigem Eifer arbeiten derzeit in Darmstadt, Maastricht und Paris drei Architektenbüros an Plänen für die Neugestaltung der Industriebrache von Belval-Ouest. Nach der ersten Etappe wurden Ende November die vorläufigen Preisträger des von „Agora“, der Entwicklungsgesellschaft für die Arbed-Industriebrachen, ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerbs ausgesucht. Sie sollen ihre Vorschläge bis Ende Januar überarbeiten. Dann wird der endgültige Gewinner des Wettbewerbs ausgewählt.

Dass sich Architektenbüros aus ganz Europa beworben haben, liegt weniger an dem Geldpreis als am Prestige. Es gibt derzeit kaum Planungsprojekte in einer vergleichbaren Größenordnung: 120 Hektar Freifläche. Doch nachdem die ersten konkreten Pläne vorliegen, werden auch die Widersprüche in den Anforderungen klar ersichtlich.

BHb statt BTB

Die Neugestaltung der Brache Belval-Ouest solle einen Attraktivitätspol für den Süden schaffen, hieß es während der Debatten in der Chamber im vergangenen Juli. Attraktivität zieht Verkehrsflüsse an. Der neue Siedlungsraum sollte im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen, den öffentlichen Verkehrsmitteln also eine wichtige Rolle zukommen. Doch schon bei der Pressekonferenz am 18. Juli (siehe woxx Nummer 598) fiel auf, dass zwar die Pläne für die Straßenführung weitgehend gediehen waren, in puncto öffentlicher Verkehr dagegen wenig Konkretes vorlag. Bemerkenswert die Präzision, mit der die Parkraumbedürfnisse chiffriert waren: sechs von 33 Hektar der sowieso knappen Gesamtfläche der „Cité des Sciences“! Dass Parkflächen ganz direkt als Landverbrauch zu Buche schlagen, liegt daran, dass der Bau von Tiefgaragen nicht in Frage kommt – der Großteil der Brache ist durch Altlasten kontaminiert und darf nicht umgegraben werden.

Hinzu kommt: Die Brache soll schnellstmöglich bebaubar und für die Ansiedlung von Unternehmen attraktiv werden. Da Konzepte für den öffentlichen Verkehr aber viel langsamer umzusetzen sind als das Bauen von Straßen, besteht die Gefahr, dass wieder einmal autofreundliche Fakten geschaffen werden und dabei die Entwicklung des öffentlichen Transportes auf der Strecke bleibt. Immerhin scheint es, als ob innerhalb der Jury der Wille bestehe, ein Tram- oder ein Bahnhybrid-Netz in die Planung zu integrieren.

Anziehen oder Logieren?

Mit der neu entflammten 700.000-Einwohner-Debatte richtete sich die Aufmerksamkeit auch auf das Wohnraum-Potenzial der Brachenflächen. Der Masterplan für ganz Belval-Ouest sieht nur 4.000 EinwohnerInnen vor, davon zwei Drittel in dem an die Ortschaft Belval anschließenden westlichen Teil. Zum einen soll im Rest der Brache die Kontaminierung nicht entfernt, sondern nur abgedeckt werden. Zum anderen setzt das 700.000-Einwohner-Szenario voraus, dass der Wirtschaftsstandort Luxemburg weiter wächst – die 700.000 wollen erst einmal angezogen werden, bevor sich das Problem des Unterbringens stellt. Wahr ist allerdings auch, dass schon jetzt die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt ist, und frei werdende Flächen auch zur Lösung dieses Problems genutzt werden könnten.

Insbesondere für die zentrale „Square Mile“ lauten die Pläne anders: Die Auslobung spricht von einem gemischt genutzten, städtischen Quartier, erwähnt dabei die Wohnfunktion aber als letzten Punkt. Für ein Gebiet, das größer ist als die Luxemburger Oberstadt, sind knapp 700 Wohnungen vorgesehen. Der Architekt Georges Servais gegenüber der woxx: „Wichtig für ein lebendiges urbanes Viertel ist die Frage: Was passiert nach 18 Uhr 30?“ Er befürchtet, dass die „Square Mile“ zonenweise bebaut wird, statt dass es zu einer vertikalen Durchmischung kommt. „Man könnte verlangen, dass in den unteren Stockwerken Geschäfte und Büros entstehen, darüber aber Wohnungen angelegt werden. Das würde es vielleicht schwieriger machen, Investoren zu finden, aber man schafft eine Durchmischung, die der Komplexität einer funktionierenden Stadt entspricht“, meint Georges Servais.

Kirchberg bis?

Könnte statt dessen hier ein „zweiter Kirchberg“ entstehen? Chantal Zeyen, Beraterin der Gemeinde Sanem für das Belval-Projekt, ist optimistisch: „Diese Gefahr wurde stark thematisiert. Viele Fehler der Vergangenheit wie die Isolierung des Viertels, die Durchschneidung durch Autobahnen, die fehlende Durchmischung, wurden vermieden.“ Aber das ist keine Garantie für den Erfolg. „Die Frage, wer wie organisieren soll, dass Leben in das Ganze kommt, bleibt offen“, so Chantal Zeyen.

Ein weiterer Widerspruch ergibt sich auch aus dem Wunsch, Belval-Ouest sowohl an das bestehende Belval im Nordwesten als auch an Esch im Osten anzubinden. Denn gleichzeitig fordert die Auslobung, die städtebauliche Vision solle stark genug sein, um dem neuen Stadtteil ein dauerhaftes und unverwechselbares Gesicht zu geben. Die Eigenständigkeit von Belval-Ouest stößt sich aber an der natürlichen Trennlinie des zwischen Belval und der „Square Mile“ liegenden Parkviertels.

1000 Projekte auf 33 Hektar

Schließlich stellen die Anforderungen an die östlich gelegene, prioritär zu entwickelnde „Cité des Sciences“ und das „Central Gate“ eine Art gordischen Knoten dar. Erst einmal sollen die geschützten Denkmäler erhalten und integriert werden. Dann soll das Ganze so aufgeputzt werden, dass es als Visitenkarte für ganz Belval-Ouest steht. Drittens die Funktion: Eine Uni. Daneben sollen aber auch Betriebe und Verwaltungen angesiedelt werden, ein großes Kulturareal entstehen und Forschung betrieben werden. Schließlich soll dort geparkt und gewohnt werden – und kurz vor Einsendeschluss hat auch Utopia s.a. darauf bestanden, den geplanten Kinokomplex dort einzuzwängen. Das alles auf weniger als 40 Hektar. Die jetzt vorliegenden Projekte bringen zwar alle Ideen mit, wie dieses Viertel aussehen soll, wie die Erinnerung an den Stahlstandort integriert werden soll und so weiter. Die Frage, was wirklich aus der Cité wird, und was weggelassen wird, ist eine politische – und wird durch diesen Wettbewerb nicht beantwortet werden.

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