GENTECHNIK: USA als Negativ-Beispiel

von | 08.11.2012

Europa hat heute noch die Möglichkeit, zugunsten von Biodiversität und Gesundheit gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft zu verbieten. Wie bedenklich diese sind und in welche Abhängigkeiten sie führen, zeigt die Entwicklung in den USA.

Zurzeit befinden sich 26 gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im EU-Beglaubigungsprozess. Neunzehn von ihnen sind resistent gegen Herbizide. „Sehr bedenklich ist, dass die Zulassungsanträge, die im Moment auf EU-Niveau behandelt werden, auf kurzzeitigen Studien und größtenteils auf Daten basieren, die aus der GVO-Industrie selbst stammen“, kritisiert Maurice Losch von Greenpeace. Es gebe keine wirkliche Analyse der Risiken. Seit 2008 fordern die Umweltminister der EU eine Reform des „Risk Assessments“, die Langzeiteffekte des Einsatzes dieser Organismen auf Gesundheit und Umwelt berücksichtigt und seine sozio-ökonomischen Auswirkungen in die Bewertung einbezieht.

Um erneut auf die Gefahren dieser Techniken hinzuweisen, hatte Greenpeace Luxemburg diese Woche Landwirte aus den USA eingeladen, die über ihre Erfahrungen mit modifiziertem Getreide berichteten. Denn in den USA sind mittlerweile 73 Prozent des Mais so verändert, dass er herbizidresistent ist. In Argentinien haben 99 Prozent des Soja diese Eigenschaft.

Greenpeace hatte den Forscher Charles Benbrook vom „Center für Sustaining Agriculture and Natural Resources“ beauftragt, die Auswirkungen des GVO-Anbaus in den USA in einer Zukunftsprojektion auf die europäische Landwirtschaft zu übertragen. Auch stellte die Organisation ihren 20-minütigen Film „Growing doubt“ über die Machenschaften von Monsanto in den USA und Argentinien vor. „Die meisten amerikanischen Farmer glaubten der Werbung von Monsanto. Doch weder beim Soja noch beim Mais gab es die versprochenen Ertragssteigerungen“, berichtet Wendel Lutz, Landwirt in Illinois. Dagegen gab es vor der Gentechnik steigende Erträge. „Warum sollte ich besonders teures Saatgut kaufen, wenn es den Erwartungen nicht gerecht wird?“ Seit die US-Farmer die herbizid-resistenten Nutzpflanzen anbauen, müssten sie in erheblich größerem Umfang Pestizide einsetzen, da mittlerweile zwei Dutzend „Unkrautpflanzen“ Resistenzen gegenüber den Pestiziden und Herbiziden entwickelt haben.

In den ländlichen Schulen in Argentinien, um die herum transgener und mit Glyphosat gesprühter Soja und Mais angebaut werden, entwickelten die Kinder zunehmend Hauterkrankungen. Unbekannt seien zudem die Langzeitfolgen von Glyphosat im Boden und im Wasser.

„Wir können uns nun nicht mehr gegen die Gentechnik entscheiden. Denn wir haben die Macht, die wir einst selbst besaßen, einigen Konzernen überlassen“, gesteht Wes Shoemyer, Landwirt aus Missouri, ein. Er bedauert zudem, dass es in den letzten 20 Jahren in den USA kaum noch eine staatliche Förderung der Forschung gegeben habe, sodass die Universitäten gezwungen waren, Gelder von Unternehmen zu akzeptieren. Mittlerweile hätten sich in vielen Provinzen die Anbaumethoden drastisch verändert und passten sich ganz der agroindustriellen Produktion von Gen-Soja an. Die wirtschaftliche Abhängigkeit habe sich durch die Patentvergabe auf Pflanzen und Saatgut verschärft. Und ebenso habe die Biodiversität der betreffenden Gebiete drastisch abgenommen. „Wir brauchen den Wettbewerb. Es ist beängstigend, dass einige Firmen bestimmen können, wie die ganze Welt zukünftig an ihr Saatgut kommt“, so Shoemyer. Die EU müsse ihre Integrität in dieser Sache bewahren: GVO-Kulturen seien ein Desaster für die Umwelt und für die Landwirte. Deshalb dürfe die EU diese nicht zulassen – gäbe sie hier nach, entstünde für die Landwirtschaft und die Biodiversität nicht wiedergutzumachender Schaden. Die zuständigen Minister seien in diesem Sinne zu verstärktem Einsatz aufgerufen, so der Beschluss der Anwesenden.

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