SCHUEBERFOUER: Bier und Spiele

von | 29.08.2014

Zum 674. Mal findet in diesem Jahr die Schobermesse statt. Ein traditionelles Großevent, dass sich für alle Beteiligten lohnen dürfte.

(© Ville de Luxembourg)

Vor einer Woche fiel der Startschuss zu Luxemburgs größtem Volksfest. Die städtischen Verantwortlichen scheuen keinen Aufwand, um Besucher aus dem ganzen Land und der Großregion anzulocken. So wurde die Internetseite www.fouer.lu neu gestaltet und eigens eine App (für iPhone und Android) entwickelt. Eine Strategie, die aufgeht: Nach dem ersten Fouer-Wochenende stand die App auf Platz 1 im luxemburgischen iTunes Store, verkündete Schöffe Patrick Goldschmidt auf der Fouer-Pressekonferenz erfreut. 184 Fahrgeschäfte und zwölf neue Attraktionen sollen rund zwei Millionen Feierwütige anziehen. Trotz eines verregneten Starts waren die Besucherzahlen hoch, gab Schaustellerverband-Präsident Roger Pelzer zufrieden bekannt. Zumindest an den Kinderkarrussellen und wenn die liefen, dann laufe auch der Rest. Dank gezielter Werbung in der Großregion zieht Luxemburg Menschenmassen an, Alt und Jung trifft sich so zum Stelldichein auf dem Rummel.

Den eigentlichen Kosten des Transports, des Auf- und Abbaus von tonnenschweren Bauteilen, kann nur ein Faktor entgegengesetzt werden: ein verlässlicher Umsatz, und der dürfte sich für die Schausteller rechnen. Wenngleich keiner genau weiß, wie viel diese nach Abzug sämtlicher Kosten letztlich wirklich verdienen. Mit einem Standgeld von ca. 50 Euro pro Meter bei 20 Rummeltagen liege man jedenfalls im Durchschnitt, meint der städtische Beauftragte für die Schobermesse Marc Weydert, der das Event seit rund 25 Jahren organisiert. Die Grundgebühr sei in Luxemburg nicht besonders hoch, doch fielen enorm hohe Kosten für Transport und Elektrizität sowie Abwasserabgabe, die die Stadt den Schaustellern verrechnet, an. Für diese bleibt die Schueberfouer freilich attraktiv; läuft es gut, so kann die Schobermesse 60 bis 70 Prozent ihres Jahresumsatzes ausmachen. Vom Schaustellerverband (AECF) kursieren zudem Schätzungen, nach denen auf der Fouer seit zehn Jahren rund 25 Millionen Euro Gesamtumsatz erwirtschaftet werden. Doch braucht es pro Jahr zwei bis drei Prozent mehr Besucher, um die nachlassende Kaufkraft wettzumachen. Das Platzgeld selbst sei kein ausschlaggebender Wert, sind sich die Veranstalter einig. Weydert zufolge sollte es nur einen symbolischen Euro betragen, denn die anfallenden Unkosten stiegen stetig. Oscar Bruch, Besitzer des Riesenrads, der seit 25 Jahren zur Schueberfouer anreist, kann das bestätigen. Die tatsächlichen Kosten bestünden in Transport, Montage und Personal. Das Platzgeld sei da der kleinere Posten, ausschlaggebend sei der Umsatz. Als traditionelle Veranstaltung sei die Schueberfouer ein Garant über 20 Tage, dass am Ende der Umsatz stimme. Über Jahre habe man die gleiche Besucherstruktur – ein durchmischtes Publikum, darunter auch viele Anzugträger.

Bändchen für den guten Zweck

Nicht fehlen dürfen natürlich die folkloristischen Traditionen. Neben einem Bürgermeister-Tag, einen Weinköniginnen-Tag und einen Low-Budget-Tag wird es erstmals in diesem Jahr auch einen „Tag der Solidarität“ geben. „Wir haben uns gedacht, wir machen noch irgendeine soziale Geschichte, da es ja der Welt nicht unbedingt immer besser geht“, erklärt Weydert das soziale Engagement. Am kommenden Dienstag werden so „Ärzte ohne Grenzen“ und „Ile aux clowns“ die BesucherInnen über ihre Arbeit informieren. Die AECF hat sich der Solidaritätsaktion angeschlossen. Schon im Vorfeld hat die AECF dafür Umhängebändchen gekauft und diese an die Schausteller der Schueberfouer weiterverkauft – diese verteilen die Bändchen dann kostenlos an die Besucher. Den Erlös aus dem Verkauf wird die AECF den beiden Hilfsorganisationen spenden. So bleibt die Fouer eines der wichtigsten Events für die Hauptstadt und nicht zuletzt den Inlandstourismus im ganzen Land. – Ein Happening mit einer langen Tradition, die bis 1340 zurückreicht. Auf der Schueberfouer zeigt sich einfach jeder. Sie ist nicht zuletzt ein Spaß-Event, das gerade in Krisenzeiten frequentiert und ausgekostet – und natürlich von PolitikerInnen aller Couleur durch ihre Präsenz immer auch populistisch ausgeschlachtet wird. Aber auch das hat Tradition. Schließlich galt schon im alten Rom: Gebt dem Volk Brot und Spiele!

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