EUGH: Auf dem atlantischen Auge blind

von | 27.02.2015

(lm) – Bei Kriegsverbrechen sollen Soldaten mitmachen statt zu desertieren, so lautet die Botschaft, die der Europäische Gerichtshof in Luxemburg mit seinem jüngsten Urteil aussendet. Mitmachen, zumindest, wenn es sich bei der kriegsführenden Partei um einen Staat handelt, der Kriegsverbrechen ahndet und über dessen Einsatz es einen internationalen Konsens gibt. Das sind nämlich die Kriterien, an denen das Gericht in diesem Fall den Einsatz der USA im Irak misst und damit der deutschen Justiz, die das Verfahren angeregt hatte, eine rechtliche Handhabe gibt, dem Deserteur André Shepherd das politische Asyl zu verweigern. Die Enttäuschung bei dem Betroffenen und den ihn unterstützenden Menschenrechtsorganisationen ist groß, denn noch im vergangenen November ließ das Plaidoyer der Generalanwältin ein anderes Urteil erwarten (woxx 1293). Diese hatte die zweifelhaften Argumente der Prozessgegnern widerlegt, Shepherd sei „nur“ Hubschraubermechaniker gewesen und habe  nicht sicher sein können, ob er künftig an Kriegsverbrechen beteiligt sein werde. Man müsse aber durchaus prüfen, ob Shepherd nicht andere Auswege als die Desertion zur Verfügung gestanden hätten. In dem am Donnerstag gefällten Urteil übernimmt das Gericht grundsätzlich die Idee, dass eine indirekte Beteiligung an Kriegsverbrechen und deren Eventualität durchaus ausreichen, um eine Asylgewährung zu rechtfertigen. Allerdings verweist es in seinem Urteil darauf, dass es bei Militärinterventionen unter UN-Mandat oder auf Basis eines „internationalen Konsens“ eine grundsätzliche Garantie gebe, dass es nicht zu Kriegsverbrechen kommt. Außerdem mache die effiziente Bekämpfung von Kriegsverbrechen durch „diese Staaten“ ihr Vorkommen unplausibel. Zusätzlich zu dieser realitätsfernen Einschätzung von westlichen Interventionen wie jener im Irak hat das Gericht auch das Kriterium eines „anderen Auswegs“ zurechtgebogen: Wenn Shepherd nicht den Kriegsdienst verweigert habe – er hatte sich ursprünglich freiwillig zur Armee gemeldet – dann habe er den Anspruch auf Asyl verwirkt. Wichtig war dieser Prozess, weil erstmalig eine in der EU-Kriegsverbrechens-Direktive enthaltene besondere Schutzklausel für Deserteure zur Anwendung kam. „Der Fall könnte Schule machen“, schrieben wir im November. Denn hätte er andere Soldaten aus westlichen Ländern zur Desertion ermutigt, wäre der Druck auf diese Staaten, Kriegsverbrechen zu vermeiden, stärker geworden. So aber ermutigt das Urteil Kriegsparteien, die den zweifelhaften Kriterien des EUGH genügen, weniger Rücksichten zu nehmen, da sie sozusagen über ein „Mein Krieg ist sauber“-Label verfügen. Und es zeigt ein weiteres Mal, wie in der EU hehre Prinzipien durch eine – politisch gewollte – tendenziöse Auslegung ausgehöhlt werden.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

WHO erinnert an Notlage im Sudan

In einem Statement vom vergangenen Samstag erinnert der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, an die aktuelle Notlage im Sudan. „Der Sudan steht vor einer der schwersten humanitären und gesundheitlichen Notlagen der Welt. Mehr als 33,7 Millionen Menschen – über die Hälfte der Bevölkerung des Landes...

NEWS

Carburants : Trump plus fort que Poutine

Lorsqu’en 2022 la Russie avait envahi l’Ukraine, les prix des carburants avaient bondi de 11,8 % en un mois au Luxembourg. Avec l’attaque américano-israélienne contre l’Iran et le blocage du détroit d’Ormuz, le choc est encore plus violent, la hausse atteignant 15,3 % en mars. Il s’agit de « la plus forte augmentation mensuelle jamais observée...

NEWS

« Recul historique » des droits des réfugié·es

Dans un avis publié le 7 avril, le Collectif réfugiés Luxembourg (LFR) dénonce « avec la plus grande fermeté » un nouveau projet de loi, déposé à la mi-janvier. Le texte transpose en loi nationale plusieurs règlements de l’UE englobant le Pacte européen sur la migration et l’asile, un accord vivement condamné à maintes fois par les ONG de...

NEWS

Impôts : D’abord une affaire de ménage

En 2027, le gouvernement prévoit une nouvelle réduction du taux d’imposition des entreprises. Selon Luc Frieden, cela va doper la compétitivité de l’économie luxembourgeoise. Mais rien ne prouve que ce retour sur investissement fonctionnera, rétorque la Chambre des salariés, qui plaide pour un rééquilibrage fiscal entre ménages et entreprises.