China: Politischer Smog verhüllt die Wahrheit

von | 12.03.2015

(lm) – Wer in China über administrative Missstände oder Umweltprobleme klagt, kann auf eine gewisse Toleranz von Seiten des Regimes zählen. Wer allerdings offene Kritik am System übt, muss damit rechnen, ziemlich schnell vom Überwachungsapparat erfasst, zensiert und zur Rechenschaft gezogen zu werden. Doch wie weit legitime Kritik geht und wo Systemkritik anfängt, ist nicht immer klar. So dürfte es auch bei „Under the Dome“, einem Dokumentarfilm über Smog und Luftverschmutzung, gewesen sein. Ende Februar online gestellt, erreichte das 144-Minuten-Video binnen kürzester Zeit über 200 Millionen Hits. Der Titel ist eine Anspielung auf eine US-Serie – und auf das Gefühl, das die Einwohner von Chinas Millionenstädten an hunderten von Tagen im Jahr überkommt. Die Zensurbehörden griffen anfangs nicht ein und Umweltminister Chen Jining bedankte sich gar bei der Filmautorin Chai Jing. Doch dann begannen die Staatsmedien, ihre Berichterstattung zurückzufahren und eine geleakte entsprechende Anweisung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Gewiss, die chinesische Regierung ist sich des Problems der Luftverschmutzung bewusst und will dagegen vorgehen, wie Ministerpräsident Li Keqiang vor dem dieser Tage versammelten Volkskongress versicherte. Doch wie und wo über das Thema diskutiert wird, das will die Regierung wohl selber entscheiden.

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