Andy Bausch: Senioren in 
Aufbruchstimmung


von | 02.02.2017

Sieben Jahre nach „Trouble no More“ bringt Andy Bausch mit „Rusty Boys“ eine Seniorenkomödie ins Kino – einen Film, der unterhält und zugleich auch ein Plädoyer für mehr Solidarität und Hilfsbereitschaft sein will.

Die vier Helden in „Rusty Boys“ lassen sich nicht so leicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Auch wenn das Subgenre der Alterskomödie in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat – „About Schmidt“, „Best Exotic Marigold Hotel“ und „Quartett“ kommen einem in den Sinn -, so werden das dritte Alter und die mit ihm einhergehenden Probleme auf der großen Leinwand dennoch eher selten thematisiert. Andy Bausch ist nun mit „Rusty Boys“ in diese Marktlücke gestoßen.

In dem Film geht es um die vier älteren Herren Lull (Pol Greisch) und Fons (Marco Lorenzini), beide Insassen eines Altersheims, sowie Nuckes (André Jung), der im selbigen als Sicherheitskraft arbeitet, und den alleine lebenden Jängi (Fernand Fox). Aus dem Wunsch heraus, im Alter noch eine gewisse Selbstständigkeit zu bewahren bzw. wiederzuerlangen, beschließen die vier, gemeinsam eine autonom verwaltete Wohngemeinschaft zu gründen. Diese neue Aufgabe bringt frischen Wind in das von einengender Routine bestimmte Leben der Männer.

Wie in Seniorenkomödien nicht unüblich, geht es im Film also um eine 60-plus-Gang mit einer Mission. Zahlreiche Hindernisse müssen die Protagonisten überwinden und skurrile Situationen bestehen, bevor der Neuanfang möglich wird. Im Zentrum steht dabei die – im Grunde für Menschen jeder Generation – relevante Frage, wie wir zusammenleben wollen und welche Alternativen den institutionellen Strukturen, die die Freiheit einschränken, gegenübergestellt werden können. Spezifischer geht es aber auch um den gesellschaftlichen Umgang mit Senioren.

Daher ist es bedauerlich, dass Aspekte wie Krankheit, Sexualität und Einsamkeit im Alter zwar immer wieder angesprochen, jedoch meist auf der Ebene platter Witze abgehandelt werden. Auch die Kritik am Pflegesystem geht leider nicht über müde Klischees und oberflächliche Karikaturen hinaus. Zu viele Themen wollte Bausch in seinen Film packen – eine tiefergreifende Auseinandersetzung hat er offenbar nicht angestrebt.

Immerhin wird ansatzweise versucht, trotz allen Klamauks über eine oberflächliche Charakterzeichnung hinauszugehen. Der im Laufe der Filmhandlung von einer Reihe harter Schicksalsschläge getroffene Nuckes ist eine der wenigen nicht platt eindimensionalen Figuren des Films. Blass dagegen bleiben Jängi – auch wenn der mit ein paar gut gesetzten trockenen Pointen für sich einnehmen kann – sowie Fons, dessen sexistischer Sprüche und Impotenz-und Inkontinenzwitze man schnell überdrüssig wird.

Besonders enttäuschend sind jedoch der allgegenwärtige Sexismus und das gelegentliche fat shaming. Es wimmelt von abschätzigen und objektivierenden Kommentaren zu Frauen, und von der schrillen, eifersüchtigen Gattin bis zur auf ihren Körper reduzierten jungen Schönheit, werden alle gängigen Klischee-Figurentypen eingesetzt. Und so lässt sich denn zu Bauschs Film letztlich nur dies sagen: Der Drehbuchautor und Regisseur ist mit allen Klischees des Genres vertraut und weiß diese auf unterhaltsame Weise zu reproduzieren, wirklich Neues und Originelles hat „Rusty Boys“ jedoch nicht zu bieten.

In fast allen Sälen.

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