Cora besuchte ein Elitegymnasium und träumte von einem Studium in Oxford. Jetzt arbeitet sie an der Fleischtheke in einem Supermarkt. Wie es dazu gekommen ist, erfahren die Leser*innen von Franziska Gänslers drittem Roman „Orca“ erst allmählich. Cora ist einsam und bekommt zu spüren, dass sie als Stipendiatin nicht zu den anderen Schüler*innen passt. Als Cora auf Olympia trifft, ändert sich jedoch ihr Leben: Endlich hat sie wieder eine Freundin. Gemeinsam stoßen sie auf eine Gruppe von Klimaaktivist*innen, die auf einem großen Anwesen eine zukunftsfähige Insel aufbauen wollen. Doch in ihrem Kampf für die Umwelt unterscheiden sich die Klimaschützer*innen in ihrer Radikalität – vom friedlichen Sitzstreik bis hin zu teils gewaltbereiter „Direct Action“. Während sich die Ereignisse rasant zuspitzen, stellt die Autorin die Frage, wie radikal wir kämpfen müssen, um unsere Welt zu retten. Durch geschickt gesetzte Rückblenden und Auslassungen hält sie die Spannung aufrecht und erzeugt unterschwellig eine unheilvolle Atmosphäre, wodurch ein Sog entsteht, dem man sich kaum entziehen kann. Zugleich erzählt sie von Coras Sehnsucht nach Freundschaft, Zugehörigkeit und Anerkennung, die ihr Handeln zunehmend bestimmt und sie zu einer vielschichtigen, widersprüchlichen Figur macht. Auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und gesellschaftliche Klassenunterschiede verwebt Gänsler geschickt mit Coras persönlicher Geschichte, ohne dabei den Fokus zu verlieren. Ein wichtiger, bewegender Roman, dessen Bilder noch lange nachwirken.
Zwischenwahlen in den USA: „Niemand weiß, was Trump tun wird“
Am kommenden Dienstag finden in den USA die „midterms“ statt. Die woxx sprach mit dem Historiker Jeffrey Herf über Perspektiven für die Zeit danach, den Zustand der beiden politischen Lager und Trumps Bruch mit den Prinzipien US-amerikanischer Außenpolitik.


