ZWISCHEN DEN KULTUREN: Das unerbittliche Auge
Moacyr Scliar gilt als einer der wichtigsten Autoren Brasiliens des 20. Jahrhunderts. Bücher wie "Die Götter der Raquel" handeln von den Identitätskonflikten der jüdischen Einwanderer.
Moacyr Scliar gilt als einer der wichtigsten Autoren Brasiliens des 20. Jahrhunderts. Bücher wie "Die Götter der Raquel" handeln von den Identitätskonflikten der jüdischen Einwanderer.
Es hätte so viel aus ihr werden können: Doch dann kam die politische Journalistin Ulrike Meinhof auf den bewaffneten Kampf. Steve Sem-Sandberg veranstaltet einmal mehr ein Tribunal über eine Frau, die ihre Klasse verraten hat.
Anja Röhl und Ulrike Edschmid haben sehr persönliche Erinnerungen an die "bleierne Zeit" in Deutschland vorgelegt und an Menschen, die als "Staatsfeinde" in die Geschichte eingegangen sind.
Wieder einmal setzt sich Antonio Lobo Antunes mit der Geschichte Portugals und den Folgen der Salazar-Diktatur auseinander. Daraus wird ein obsessiver Sprachrausch.
Der Komponist Claus-Steffen Mahnkopf hat seiner frühver-storbenen Frau ein Gedenkbuch gewidmet. Doch was als Dialog der Seelenverwandten gedacht ist, gerät zum Monolog, der mit tastend-suchender Annäherung nichts zu schaffen hat.
Zum Jubiläum der "Gruppe 47" hat der Literaturkritiker Helmut Böttiger eine Geschichte dieser Vereinigung deutscher Nachkriegsliteraten auf den Markt geworfen. Das Buch ist vom selben Ungeist durchzogen, von dem auch sein Gegenstand beseelt war. Eine zwiefache Erledigung.
In einer schmalen Sammlung von Prosastücken tastet der polnische Autor Andrzej Stasiuk nach Worten für den Verlust, der sprachlos macht.
Ronald M. Schernikaus szenische Erzählung "so schön" ist der Utopie einer anderen Form von Subjektivität gewidmet - ohne Angst, Eifersucht und Neid. Ein Frühlingsreigen in 48 Episoden.
Robert Seethaler hat mit "Der Trafikant" einen Bildungsroman geschrieben, dessen Handlung sich vor dem Hintergrund des österreichischen Anschlusses an Nazi-Deutschland entspinnt. Er erzählt auch von der widerständigen Kraft des Denkens.
Aus der Perspektive eines jüdischen Re-Emigranten beschreibt Ursula Krechels preisgekrönter Roman "Landgericht" eindringlich die vergiftete Atmosphäre im bundesrepublikanischen "Wirtschaftswunder" nach der militärischen Niederwerfung der deutschen Volksgemeinschaft.
Wer von Afrika nach Europa flüchtet, wird zwar nicht freundlich begrüßt, dafür aber mit Klischees beladen. Der neuseeländische Autor Lloyd Jones versucht mit seinem neuen Roman, gängige Bilder zu irritieren.
Mario Desiati erzählt die Geschichte der italienischen Arbeitsmigration aus der Perspektive der Nachkommen. Sie handelt von skrupelloser Ausbeutung - und ist trotz des historisierenden Blicks erschütternd aktuell. Ein Treffen mit dem Autor.
Paul Auster zeichnet in seinem neuen Roman "Sunset Park" ein düsteres Bild von den USA - mit einem Körnchen Hoffnung und einem neuen Schreibstil.
Mit "Montedidio" wurde nun ein früher Roman des italienischen Autors Erri De Luca wieder auf Deutsch zugänglich gemacht. Der Übersetzerin ist es gelungen, die berückende Sinnlichkeit von Sprache und Erzählstil des Ausgangstextes zu bewahren.
In seinem neuen Erzählband "Kolja" widerlegt Chaim Noll das Stereotyp vom einheitlichen Judenstaat.
Peter Kurzeck kultiviert ein literarisches Genre: den mündlichen Roman. Auch in dem eben erschienenen Mitschnitt "Unerwartet Marseille" weckt er die Sehnsüchte seiner Zuhörer.