Das Mobilitéit.lu-Revolutiönchen

Mit großem Trara wurde letzte Woche die neue App der Mobilitéitszentral vorgestellt. Nun ist auch die aktualisierte Website online – aber ist die neue Routenplanung wirklich so revolutionär wie angekündigt?

Eine „europaweite Revolution“ würde die neue Version der Mobilitéit.lu-App darstellen, hieß es in der Einladung zur Präsentation. Um das gebührend zu zelebrieren, reichte natürlich keine normale Pressekonferenz. Stattdessen wurden Presse und jede Menge „Stakeholder“ in ein Kino geladen und dort mit speziell bedruckten Süßigkeiten beschenkt. Nach der Vorstellung der App folgte selbstverständlich ein „Cocktail“.

Die Neuerungen bestehen hauptsächlich aus einem überarbeiteten Design und der Möglichkeit, mehr Verkehrsmittel in die Suche einzubeziehen. Neben Bus, Tram und Bahn können sich die Nutzer*innen nun zusätzlich (E-)Auto, (Leih-)Fahrrad und CoPilote-Mitfahrgelegenheit in ihren eigenen Verkehrsmix aufnehmen und sich jeweils die günstige und schnellste Route anzeigen lassen. Neben Fahrtkosten wird auch die Umweltfreundlichkeit der gewählten Verkehrsmittel bewertet. Dieses Feature ist jedoch sehr schlicht gehalten: Fahrradfahren und Zufußgehen erhalten drei grüne Blatt-Symbole, öffentliche Verkehrsmittel zwei, das E-Auto eins und Verbrenner keins.

Absurd: Statt der Fußgänger*innenbrücke über die Bahnhofsgleise schlägt die Website einen Bus vor.

Anders als bisher können nicht nur Adressen und Haltestellen als Start- oder Zielpunkt eingegeben werden, sondern zusätzlich wichtige Punkte wie Tourismusattraktionen, Ministerien, Verwaltungen und ähnliches. Wer mit Leihfahrradsystem oder Elektroautos unterwegs ist, bekommt die entsprechenden Stationen oder Ladesäulen angezeigt. Für Radfahrer*innen werden Höheprofile angezeigt, so dass es zu keinen steilen Überraschungen kommt. Laut Mobilitätsminister François Bausch ist es möglich, weitere Funktionen einzubauen. So könnten in Zukunft auch Taxi- oder Carsharingdienste eingebunden werden.

Die App zeigte nach knapp einer Woche im Alltagstest beim Autor dieses Textes keine Auffälligkeiten. Eine interessante Neuerung gibt es: Verspätet sich ein Zug oder Bus, wird die Zeit, zu der das Haus verlassen werden muss, automatisch angepasst (was allerdings dazu führen kann, dass man den Bus dennoch verpasst, wenn er ein paar Minuten Verspätung aufholt). Die App beharrt auch nicht mehr starr auf Umsteigeverbindungen, die aufgrund von Verspätungen ohnehin nicht eingehalten werden können, sondern zeigt Alternativen an. Kurz: Das Versprechen, endlich eine Echtzeitsituation der Mobilitätsdienste anzuzeigen, scheint zumindest grob eingehalten worden zu sein.

War die App bereits seit letzter Woche verfügbar, so sind die neuen Funktionen erst seit dieser Woche auf der Website mobiliteit.lu freigeschaltet. Die Möglichkeiten, die dort angezeigt werden, sind jedoch nicht immer sehr sinnvoll. Wer beispielsweise gegen Mittag von der Woxx-Redaktion in der Avenue de la Liberté in Luxemburg-Stadt nach Esch-Alzette will, bekommt als erstes drei verschiedene Möglichkeiten mit dem Auto angezeigt. Dann folgt der Vorschlag, das Rad zu nehmen – danach erst die halbstündige Zugfahrt.

Absurder Reisevorschlag: Mit dem Elektroauto nach Bonnevoie, von dort aus mit dem Bus zum Bahnhof Howald und dann nach Esch.

Als nächste Option wird angegeben, mit dem Elektroauto zu einer Ladesäule in Bonneweg zu fahren, dann einen Bus zum Bahnhof Howald zu nehmen, um dort in einen Zug Richtung Esch zu steigen. Wer sich also ohne zu überlegen auf die Angaben der App verlässt, könnte eine reichlich bizarre, dafür aber multimodale Irrfahrt erleben. Wer das schon absurd findet, sollte lieber nicht versuchen, eine Strecke mit dem Rad von Cents nach Kirchberg zu planen. Die Mobilitéit.lu-Website ist nämlich so futuristisch, dass sie die geplante Brücke über Neudorf bereits einprogrammiert hat, wie Twitter-Nutzer Guillaume Rischard herausgefunden hat:

Auch mit dem PKW sollte man der App nicht ohne weiteres vertrauen, denn manchmal versucht sie, einen über die Tramtrasse zu leiten:

Bei der Präsentation der App vergangene Woche wurde immer wieder betont, dass die App ständig weiterentwickelt und „lernen“ würde. Es bleibt zu hoffen, dass sie das schnell tut.


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