Die Initiative „Attitude Music“: „Es lohnt sich, auf die Zähne zu beißen“

„Attitude Music“ will Luxemburger Bands eine Plattform bieten und internationale Kontakte erleichtern. Darüber hat sich die woxx mit Jeff Buchette unterhalten, der Mitveranstalter des „Hall O’ Metal II“ ist und als Gitarrist mit seiner Band „Scarlet Anger“ dort deren neues Album präsentieren wird.

woxx: Wer steckt hinter „Attitude Music“ und welche Ziele verfolgen Sie?

Ein wenig roh darf’s schon sein: Joe Block, der Sänger von „Scarlet Anger“. (Foto: Scarlet Anger)

Jeff Buchette: Wir sind ein Zusammenschluss von Musikern aus der Luxemburger Szene, mit dem Zweck, gemeinsam Konzerte zu organisieren. Hugo Centeno von „Praetor“ hat die Initiative aus der Taufe gehoben und ist Präsident des Vereins. Er wollte ein größeres Festival organisieren und hat dazu ein paar Leute zusammengetrommelt. Das war die Grundidee und daraus ist „Attitude Music“ entstanden. Die Beteiligten kommen aus unterschiedlichen Stilrichtungen, nicht nur aus dem Metal, sondern unter anderem auch aus dem Hiphop und Rock. Wir haben uns zusammengefunden, weil es bislang keine Organisation gab, die sich wirklich um Konzerte hier in der Region gekümmert hat. Jeder von uns hat schon Erfahrungen mit eigenen kleinen Festivals gemacht. Ich zum Beispiel habe immer das „Metal Festival Kopstal“ organisiert. Jacques Rasic, der bei „Freshdax“ singt, bringt ebenfalls eigene Erfahrungen mit ein. Unser Ziel ist es, Luxemburger Bands eine Plattform zu geben, aber trotzdem auch international Ausschau zu halten, welche Bands interessant sind, um diese dann für unsere Veranstaltungen mit Bands aus der Luxemburger Szene zu kombinieren. Wir wollen den Luxemburger Bands dadurch auch eine Chance geben, Kontakte zu knüpfen.

Die Qualität der Luxemburger Bands, die am kommenden Samstag auf dem „Hall O’ Metal“-Festival spielen werden, ist beeindruckend hoch. Wie schätzen Sie die hiesige Szene derzeit allgemein ein?

Die Luxemburger Szene ist sehr stark und ja auch bei den ganz großen Metal-Festivals wie in Wacken vertreten. Im Vergleich zu internationalen Bands brauchen wir uns definitiv nicht zu verstecken. Allerdings ist es schwer, aus Luxemburg herauszukommen und auch anderswo bekannt zu werden, deswegen sind viele Bands vielleicht nicht so groß geworden, wie es ihrem Niveau entspräche. Auch deshalb haben wir „Attitude Music“ gegründet. Dadurch soll es leichter werden, Kontakte zu knüpfen.

Immer mehr Veranstalter klagen über einen schlechten Vorverkauf, was die Planung von größeren Konzerten und Festivals schwieriger und risikoreicher mache. Wie sehen Ihre Erfahrungen hierzu aus?

Man merkt teilweise, dass der Vorverkauf zurückgeht, aber fürs „Hall O’ Metal“ können wir uns nicht beklagen. Wir versuchen unsere Konzerte aber auch nicht so zu organisieren, dass wir uns übernehmen, sondern dass wir es uns auch leisten können, wenn eine Veranstaltung mal nicht ausverkauft ist. Wenn es dieses Mal nicht klappt, dann müssen wir uns fürs nächste Jahr eben was anderes überlegen. Wir haben ja schon ein paar Events gemacht und ein wenig Rücklagen gebildet; das verschafft uns die Sicherheit, so etwas wie an diesem Wochenende machen zu können. Unsere Erfahrung hat uns aber gezeigt, dass man nicht vom Vorverkauf darauf schließen kann, dass ein Abend nicht so gut laufen wird. Es gibt viele Leute, die sich spontan entscheiden und erst an der Abendkasse ein Ticket kaufen. Es kann also ein Riesenfehler sein, als Veranstalter ein Event wegen mangelnden Vorverkaufs abzusagen. Es lohnt sich, auf die Zähne zu beißen und abzuwarten, wie es läuft.

Das „Hall O’ Metal II“ ist ja sehr Thrash-Metal-lastig – lediglich mit „ArsGoatia“ haben Sie eine Band aus dem Death-/Black-Metal-Bereich gebucht. War das Absicht?

Am Anfang war ein reiner Thrash-Metal-Abend geplant, aber manchmal kommen die Sachen halt anders als gedacht. Wir hatten schon seit Längerem über eine Black-Metal-Night diskutiert, und so kam dann der Gedanke auf, das ein bisschen zu mischen. Deswegen haben wir „ArsGoatia“ eingeladen und versuchen jetzt einfach mal, ein bisschen mehr Abwechslung ins Line-up zu bekommen. Das kann ja auch interessanter für die Leute sein.

Wie sehen Ihre nächsten Pläne aus, wenn das „Hall O’ Metal“ gelaufen ist?

Im April werden wir ein Festival in Petingen machen. Wir wollen, dass das Hall O’ Metal künftig immer auch internationale Bands beinhalten wird, während wir uns in Petingen auf Bands aus Luxemburg konzentrieren. Wir organisieren zudem auch regelmäßig kleinere Konzerte in Clubs und Bars. Das Gute ist, dass wir so viele sind, da kommen auch viele Ideen zusammen. Wir müssen dann halt immer einen Kompromiss finden, was wir am Ende auch wirklich durchziehen.

„Die Luxemburger Szene ist sehr stark und ja auch bei den ganz großen Metal-Festivals wie in Wacken vertreten.“

Lassen Sie uns noch ein wenig über die neue Platte von Scarlet Anger reden, wo Sie Gitarre spielen. Technisch ist das Album auf einem hohen Niveau – wie sind Sie mit dem Resultat insgesamt zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Wir haben alles in Eigenregie gemacht. Mit den Schlagzeugaufnahmen haben wir bereits vor zwei Jahren begonnen, danach hat sich aus privaten Gründen alles ein wenig hingezogen. Wir haben das Album sehr lange, vielleicht ein wenig zu lange bearbeitet, weil wir mit dem Ergebnis hundertprozentig zufrieden sein wollten.

Der Sound wirkt sehr kompakt, im Gegensatz zu etwas roheren Klangfarben. Woran haben Sie sich orientiert?

Wir sind große Fans des Produzenten Jens Bogren, der Alben von Kreator, Arch Enemy und ähnlichen Bands abgemischt hat. Auch wir haben unser voriges Album von ihm mastern lassen. Dieses Mal hat unser Gitarrist Fred Molitor, der auch unser Tontechniker ist, das übernommen. Er hat sich sehr intensiv eingearbeitet und sich als großer Fan von Bogren an dessen Arbeiten orientiert. Und das neue Album klingt nun definitiv nicht schlechter als das letzte.

Tatsächlich hat mich die eine oder andere Stelle ein wenig an spätere Kreator erinnert.

Das bekommen wir öfters zu hören. Kreator ist auch ein Einfluss von uns, eher die neueren Sachen. Fred Molitor steht halt sehr auf Metallica und Kreator, ich orientiere mich eher an der Heavy-Metal-Schiene wie Iron Maiden oder an Arch Enemy im Death-Metal-Bereich, also eher an melodischen Sachen. So kommen verschiedene Einflüsse in unserem Sound zusammen.

Wie gelingt es, neben den alltäglichen Verpflichtungen eine Band auf so hohem Niveau weiterzuführen, wenn man nicht mehr gerade im jugendlichen Alter ist?

Das ist die große Herausforderung. Wir sind ja alle so Anfang vierzig und machen das jetzt auch schon seit 2007. Jede freie Minute wird in die Band investiert, ansonsten muss man halt die Familie, den Job und alles andere irgendwie unter einen Hut bekommen. Ich habe deshalb auch höchsten Respekt vor unserem Sänger Joe Block und vor Fred Molitor, die Kinder haben, was alles noch schwieriger macht. Es war für sie immer klar, dass sie weiter Musik machen wollen. Wir haben uns da immer ausgesprochen und klargemacht, dass es kein Problem ist, wenn alles ein bisschen länger dauert. Im Vordergrund steht die gemeinsame Liebe zur Musik und die Lust, daran zu arbeiten. Es ist nämlich nicht selbstverständlich, Leute zu finden, mit denen man gut klarkommt und auf einer Wellenlänge ist. Wir haben uns gefunden und seit einigen Jahren das gleiche Line-up. Das hilft, das Ganze am Leben zu erhalten.

Siehe auch den Vorbericht zum „Hall O’ Metal II“: Der Abriss von Oberkorn

 


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