Elise Schmit: Stürze aus unterschiedlichen Fallhöhen

von | 29.10.2018

Lange musste sich das Publikum gedulden bevor es das erste Buch von Elise Schmit in den Händen halten konnte. Der Band mit Kurzgeschichten, der bei Hydre Editions publiziert wurde, kann durchaus überzeugen.

Elise Schmit ist in der luxemburgischen Literaturszene längst keine Unbekannte mehr: Bereits zwei Mal wurde sie beim Concours littéraire national ausgezeichnet – unter anderem wegen einem der in dem nun erschienenem Band veröffentlichten Texte. Der Titel „Stürze aus unterschiedlichen Fallhöhen“ ist denn auch Programm, denn in jedem der insgesamt sieben Texte geht es um einen Versager, einen Sturz oder einfach nur um ein Verlassen der üblichen Wege. Am besten illustriert dies „Im Zug“ wo ein vermeintlich verlassener Liebhaber sich auf eine Irrfahrt quer durch Deutschland begibt, um sich Stück für Stück selbst aufzulösen.

Sind die meisten Geschichten in einem ernsteren Ton gehalten, so blinkt doch ab und zu ein wenig absurder Humor zwischen den Textzeilen durch – so wie in „Aus dem Wald, Wind im Gesicht“, wo ein unbekannter ehemaliger Waldmensch den Protagonisten fast in den Wahnsinn treibt. Auch gelingt es der Autorin durchaus den*die Leser*in zu berühren, wie in „Wie neu“, einer Geschichte wie aus einer längst untergegangen Welt, in der die Beziehungen zwischen einem Vater und seiner Tochter im Mittelpunkt stehen.

Und auch die erste Geschichte „Letztes Haus vor dem Meer“ verbindet Tragik, Humor und eine gewisse Selbstverständlichkeit, die sich durch die gesamten Texte zieht. Was aber vor allem bei „Stürze aus unterschiedlichen Fallhöhen“ auffällt, ist die Abwesenheit Luxemburgs in den Geschichten. Zwar wird hier und da von einer Grenze geredet, die man überschreiten könnte, trotzdem ist klar, dass Schmit sich in den größeren Kontext der deutschen Literaturszene eingliedern will. Dank einem hervorragenden Lektorat und dem beständigen, soliden Stil der Autorin kann dies auch durchaus gelingen.

Dat kéint Iech och interesséieren

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #380 – Ungarn vor dem Systemwechsel?

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en Abléck an hir journalistesch Aarbecht. De Sonnde sinn an Ungarn Parlamentswale: No 16 Joer Fidesz-Herrschaft vum Viktor Orbán gëtt et eng reell Chance op e Regierungswiessel. De Géigekandidat Péter Magyar an seng Tisza-Partei leien a ville Ëmfroe vir. Mä och wann den Orbán verléiert: Säi System...

KULTURTIPP

Willis Tipps: April 2026

Seit 1999 veröffentlicht Lucas Santtana Platten. Jetzt hat der Gitarrist, Sänger, Flötenspieler und Komponist sein zehntes Album mit dem Titel Brasiliano herausgebracht. Auf jedem der elf Stücke kooperiert er mit einem*r anderen Sänger*in. So ist die in Paris lebende, am Pop orientierte Gesangskünstlerin Flávia Coelho genauso zu hören wie der mit brasilianischem Reggae bekannt gewordene Chico César oder der Superstar Gilberto Gil, der zu den Urgesteinen des Tropicália-Stils gehört.

KULTURTIPP

Eventtipp: Printemps des poètes

„Besagter Lenz ist da“, schrieb Erich Kästner – und mit dem Lenz hält auch die Lyrik wieder Einzug in Luxemburg. Während des diesjährigen „Printemps des poètes“ am 17., 18. und 19. April können sich Freund*innen der Poesie von den Texten hochkarätiger Dichter*innen aus ganz Europa begeistern lassen.