EU-Chemikalienverordnung: Farbverbot unter der Haut

Durch die EU-Chemikalienverordnung werden bald Pigmente in beliebten Tätowierfarben verboten. Die Szene ist in Aufruhr, obwohl an Alternativen gearbeitet wird.

Tätowierer*innen fürchten, dass sie wegen der EU-Chemikalienverordnung Reach bald keine farbigen Tattoos mehr anbieten werden können. An Alternativen wird gearbeitet. (Foto: Marcelo Bragion/Pixabay)

„Ab Januar wird es nur noch Schwarz-Weiß-Tattoos geben!“ Solche und ähnliche Meldungen sind aktuell viel auf sozialen Netzwerken, allen voran Instagram zu lesen. Auf den Accounts, mittels derer Tätowierer*innen sonst ihre neusten Werke präsentieren und Motive vorstellen, die sie gerne stechen würden, ist viel Kritik an der EU-Chemikalienverordnung Reach zu lesen. Ab dem 4. Januar 2022 werden durch diese verschiedene Pigmente verboten, die in Tätowierfarben benutzt werden. Bereits seit Monaten hagelt es Kritik dagegen und während manche die Situation als hoffnungslos einschätzen, sind andere im Hinblick auf Alternativen optimistischer.

Für besonders viel Aufregung sorgt das Verbot der beiden Pigmente „Blau 15:3“ und „Grün 7“. Dadurch seien nicht nur Blau- und Grüntöne, sondern die allermeisten bunten Tattoos in Gefahr, da diese Pigmente oft auch in Mischungen für andere Farbtöne vorkommen. Die EU hat mittlerweile reagiert und die Übergangsfrist um ein Jahr verlängert, sodass mehr Zeit bleibt, sich nach Alternativen umzusehen. Eine Analyse des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung hat ergeben, dass die beiden Pigmente zwar nur leicht toxisch sind, die vorhandenen Daten für eine umfassende Analyse allerdings nicht genügen. Zudem bestehe das Risiko, die Farbstoffe könnten durch gefährlichere Stoffe ersetzt werden.

Die Petition „Save the pigments“, die auf der Website des Europaparlaments unterzeichnet werden kann, argumentiert, durch die Verbote sei die Branche gefährdet. Auch bestehe die Gefahr, dass ihre Kund*innen zu nicht-zertifizierten „Hinterhoftätowierer*innen“ oder ins EU-Ausland abwanderten und somit noch weniger geschützt seien.

Foto: TeeFarm/Pixabay

Ein Tattoo mit Edding?

Die europäische Chemikalienbehörde Echa hat eine Website zum Thema eingerichtet, auf der sie darlegt, dass verschiedene Inhaltsstoffe in Tätowierfarben zu allergischen Reaktionen, Schädigungen der Reproduktionsorgane oder gar zu Krebs führen könnten. Über 4.000 Chemikalien werden deswegen nun verboten, außerdem müssen künftig die Inhaltsstoffe auf den Verpackungen der Tätowierfarben aufgelistet werden. Da die Kund*innen meistens nicht wissen, welche Farben genau benutzt wurden, ist die Rückverfolgung bei Nebenwirkungen oft schwierig.

Ganz so düster, wie es manche Tätowierer*innen sehen, ist die Lage allerdings nicht unbedingt. Der Hersteller „I am Ink“ bietet Reach-konforme Tätowierfarben an, mit denen allerdings lediglich Schwarz-Weiß-Tattoos möglich sind. Eine Firma, mit deren Produkten bereits viele Menschen nicht-permanente „Tattoos“ verpasst bekommen haben, wird möglicherweise von dem Verbot profitieren: Edding. Der Schreibwarenhersteller ist im August 2020 mit eigener Farbproduktion und einem Studio in Hamburg ins Tattoo-Geschäft eingestiegen. In der Szene hat das nicht nur für Begeisterung gesorgt: Einerseits werden die Farben noch nicht verkauft, andererseits wird die Firma als Eindringling in eine eingeschworene Gemeinschaft gesehen. Ziehen andere Hersteller nicht nach, wird man sich aber wohl oder übel mit den Produkten des Stiftherstellers zufriedengeben müssen.


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