eVel’oh: Mit der App geht es einfacher

Bei unserer ersten Testfahrt mit einem neuen Vel’oh war die offizielle App noch nicht verfügbar. Jetzt ist sie es – und wir haben sie getestet.

„Die Radentnahme direkt an der Ladesäule ist derzeit noch nicht möglich. Eine Plakette am Radrahmen verspricht zwar, dass dies demnächst der Fall sein wird. Doch wann und wie, bleibt vorerst ein Geheimnis.“ Diese Feststellung in unserem früheren Beitrag ist nicht ganz falsch aber auch nicht ganz richtig.

Die erwähnte Plakette weist nicht auf eine spätere Direktentnahme der Vel’ohs aus der Ladesäule hin, sondern verspricht eine nicht genau erläuterte „neue Funktionalität“ für Anfang des nächsten Jahres. Dabei handelt es sich, wie wir von kundiger Seite erfahren konnten, um eine elektronische Verriegelung, die es erlaubt, das angemietete Vel’oh kurzzeitig abzustellen und abzusperren, um es dann nach einem Einkauf oder einem kurzen Umtrunk weiter benutzen zu können.

Die Direktentnahme an der Ladesäule ist aber dank der gratis verfügbaren App „Vel’OH! officiel“ (iOS und Android) seit ein paar Tagen tatsächlich möglich. Die App zeigt die neuen und die noch nicht umgebauten Vel’oh-Stationen auf einer Karte an. Per Schiebeschalter lassen sich entweder die verfügbaren Vel’ohs oder die freien Stellplätze anzeigen. Durch Antippen einer bestimmten Station erfährt man sogar Details über den Zustand der dort abgestellten Räder, mit Kommentaren von vorherigen Benutzer*innen über klappernde Anbauteile oder schlecht funktionierende Bremsen und Schaltungen – sofern die vorigen Benutzer*innen sich die Zeit genommen haben, ihren Kommentar in die App einzutippen.

Per Smartphone direkt zum Rad

Mit einem Wisch lässt sich ein bestimmtes Fahrrad direkt entriegeln – sofern die Station nicht weiter als 50 Meter entfernt ist. Es reicht dann sich direkt zum Fahrrad mit der passenden Nummer zu begeben und mit einem Knopfdruck an der Ladesäule springt die Entriegelung auf, und das Rad kann entnommen werden.

Vorne am Lenker jedes Vel’ohs ist auch ein Feld zu erkennen mit dem die Räder ebenfalls per Karte direkt aus der Ladesäule entnommen werden können. Das scheint aber mit den alten Abo-Karten (noch) nicht zu funktionieren und wird auch nicht weiter erläutert. Überhaupt ist die online-Bedienungsanleitung nicht einfach zu verstehen. Vielleicht liegt das ja an der deutschen Übersetzung. Wer sich allerdings mit seiner Kunden-E-Mail und seinem alten Passcode (vier Ziffern ergänzt durch zwei Nullen am Schluss) einmal in einer anderen Sprache auf der Vel’oh-Homepage eingeloggt hat, kann leider nicht mehr zum französischen Original zurückwechseln.

Glücklich also, wer ein Smartphone mit Datenflatrate hat, da so alle wesentlichen Manipulationen recht einfach vonstatten gehen. Dennoch ist die Nutzung der elektrisch unterstützten Vel’ohs derzeit nicht ganz frei von Frust. Das liegt einerseits an den vielen noch nicht umgebauten Stationen, die im Netz fehlen. Hinzu kommt, dass es an den alten und den im Umbau befindlichen Stationen leider nicht möglich ist, sein eVel’oh abzustellen.

Weil das neue System aber recht intensiv genutzt wird, kommt es öfter als sonst vor, dass bestimmte Stationen mit eVel’ohs voll besetzt sind und man sein Rad nicht abstellen kann. Zwar gibt es dann 15 extra Freiminuten, um eine andere Station mit freien Plätzen anzusteuern – aber die kann, wie bereits erläutert, richtig weit weg sein. Der Weg zurück muss dann auch noch zu Fuß bewältigt werden.

Umgekehrt sind manche Stationen in den Vororten oder am Bahnhof morgens ab 8 oder 9 Uhr wie leer gefegt, weil es ja jetzt ganz bequem ist, per Vel’oh ins Zentrum zu gelangen. Vielleicht wird nach dem fertigen Umbau aller Stationen das Phänomen der vollen und leeren Stationen etwas nachlassen, doch dürfte die bessere Nutzbarkeit der neuen Bikes dem Betreiber mehr Umverteilung abverlangen. Wenn den ganzen Tag lang Räder mit womöglich dieselbetriebenen Lieferwagen herumgekarrt werden, dürfte die Ökobilanz des Systems allerdings nicht mehr ganz so gut ausfallen.

Wenn eine Station voll ist, heißt es laufen

Das Problem zu voller Stationen ließe sich auch anders lösen: Konkurrenzsysteme, zum Beispiel nextbike, das in 60 deutschen Städten anzutreffen ist, erlauben es, nicht mehr benötigte Bikes in unmittelbarer Nähe einer Station abzustellen, auch wenn alle Ladeständer besetzt sind. Diese Möglichkeit sollten auch die neuen Vel’oh-Stationen bieten, allerdings scheint die Implementierung dieser Funktion noch nicht ausgereift zu sein. Tatsächlich ist Luxemburg die erste Stadt in Europa, wo die Firma JCDecaux ein Verleih-System mit elektrischen Rädern einrichtet. Eigentlich sollte es ja Paris sein, doch hatte sich dort im vergangenen Jahr ein Konkurrenz-System durchgesetzt. Dass noch nicht alles ausgereift ist, hat ja auch die mehrfach verschobene Inbetriebnahme der neuen Vel’ohs gezeigt. Bleibt also zu hoffen, dass die erwähnten Schwachpunkte bis zur Radfahrsaison im Frühling behoben sind.

Bis dahin gilt allerdings: Wer kein Bike an seiner gewohnten Station vorfindet, muss zur Not auf den öffentlichen Verkehr ausweichen. Wer aber sein Rad am Zielort nicht los wird und weiterziehen muss, kommt unter Umständen zu spät zu einem Termin oder muss das Rad gar zum Büro oder nach Hause mitnehmen. Das ist zwar bis zu 24 Stunden erlaubt und kostet maximal 5 Euro, aber ein solches Rad steht die ganze Zeit dem System und den anderen Nutzer*innen nicht mehr zur Verfügung. Und so war es ja eigentlich nicht gedacht.

Hinsichtlich Fahreigenschaften der neuen Vel’ohs siehe unseren vorigen Beitrag.


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