eVel’oh: Erste Erfahrungen

Seit Freitag ist es möglich mit seinem alten Abo auch die neuen elektrisch unterstützten Vel’ohs in der Luxemburg-Stadt zu nutzen. Vorausgesetzt mensch findet eine mit Rädern bestückte Station. [Update zu diesem Beitrag]

Die für (manche) wichtigste Information vorweg: Die Sattelstütze des neuen Vel’ohs lassen sich erheblich weiter herausziehen als die der Modelle, die seit 2008 fast unverändert das Stadtbild prägten. Menschen mit etwas längeren Beinen können beim Treten jetzt richtig Kraft auf die Pedale abgeben. Da sich der Lenker wie gehabt nicht verstellen lässt, sitzen sie dann lediglich in einer etwas sportlichen Weise vornüber gebeugt.
Vorläufige Enttäuschung: Die Radentnahme direkt an der Ladesäule ist derzeit noch nicht möglich. Eine Plakette am Radrahmen verspricht zwar, dass dies demnächst der Fall sein wird. Doch wann und wie, bleibt vorerst ein Geheimnis. Erst gilt es wie gehabt, sich an der Hauptsäule einzuloggen, sein Rad zu wählen und dies binnen maximal 60 Sekunden zu finden und aus der Ladesäule herauszunehmen. Immerhin: Die Verankerungen, die jetzt auch den Ladestrom liefern, wurden modernisiert und dürften so nicht mehr zum Verklemmen neigen. Nach Drücken des Entriegelungsknopfes springt das Rad fast von selbst aus der Fixierung. Ähnlich elegant und unkompliziert die Rückgabe. Nur Achtung: Solange nicht alle Stationen umgebaut sind, gilt es möglichst genau den Plan der neuen Stationen zu studieren, denn nur dort lassen sich die neuen Bikes kostenfrei innerhalb der ersten 30 Minuten zurückgeben.

Die eigentliche Neuerung, die elektrische Unterstützung, wird routinierte Pedelec-User*innen womöglich enttäuschen. Die Unterstützung, die sich nicht regeln lässt, ist eher mit den unteren bis mittleren Stufen herkömmlicher Pedelecs zu vergleichen. Das ist zwar im Sinne eines sparsamen Stromverbrauchs – sprich einer längeren Nutzungsdauer bis zur nächsten Aufladung der Batterie – durchaus sinnvoll. Doch niemand unternimmt systembedingt mit den Vel’ohs eine lange Tagestour, bei der auch noch nach dutzenden von Kilometern Schub durch den Elektromotor erfolgen soll. Stattdessen wünschen sich gestresste Pendler*innen eher einen gelungenen Schnellstart an der roten Ampel hinlegen zu können, um so der drohenden Blechlawine im Rücken davoneilen zu können. Oder sie möchten in einer der berüchtigten strammen Steigungen in Richtung Oberstadt die anderen Verkehrsteilnehmer*innen durch ein flottes aber auch fröhliches „Dahinschweben“ verblüffen.

Bedingter Quantensprung

Auch die Dreigang-Nabenschaltung mag einfach zu bedienen und entsprechend robust sein, aber gerade wegen der elektrischen Unterstützung werden etwas höhere Geschwindigkeiten auf längeren geradlinigen Boulevards recht schnell erreicht. Wer dann etwas Zeit gewinnen und, jenseits der 25 km/h, aus eigener Kraft sein Ziel erreichen will, wird von dem viel zu kurz angelegten dritten Gang im Stich gelassen.
Für alle die noch nie mit einem Pedelec gefahren sind oder deren Radfahrerfahrungen sich gar auf die unheimlich schweren, alten Vel’ohs beschränken, dürfte das neue Fahrgefühl wie ein Quantensprung wirken. Auch wenn die neuen Räder – gerade wegen der Batterie – keine Leichtgewichte sind, so macht es doch richtig Spaß, von A nach B zu kommen. Auch der eine oder andere kleine Umweg zur Lieblingsbäckerei oder zum Aussichtspunkt, den mensch seit Jahren wegen des all zu strammen Anstiegs vermieden hat, fällt einem jetzt umso leichter. Doch dann droht der nächste Frust: Die 30 Minuten Freigrenze ist viel zu kurz bemessen, weil es ja jetzt viel öfter vorkommt, dass nicht nur ein Teil der (Pendler-)Strecke mit dem Vel’oh unternommen wird. Es geht zwar alles etwas schneller, aber mensch ermüdet auch weniger und wünscht, ohne Zusatzzahlung von Walferdingen nach Bonneweg oder vom Kirchberg nach Strassen zu gelangen. Ohne vierten und fünften Gang wird das in 30 Minuten aber kaum zu schaffen sein.


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