Das Blut zweier Politiker*innen ist mit PFAS belastet. Sie sind nicht die einzigen: Ein Blick nach Frankreich zeigt, wie schnell die Verschmutzung uns alle betreffen kann.

Umwelt und Mensch sind belastet: Auch im Blut reichern sich die Ewigkeitschemikalien an. Angesichts des Ausmaßes der Verschmutzung lässt sich die Regierung bei der Entscheidung von Maßnahmen jedoch Zeit. (Copyright: Agência Brasília, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)
Unweit der luxemburgischen Grenze in den nordöstlichen Gemeinden Frankreichs sorgen sich Landwirt*innen und andere Bewohner*innen. Wie eine Recherche von „Disclose“ und „France 3“ offenbart, sind Millionen Hektar Böden des Hexagons mit Rekordwerten von Per- und polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) verseucht. Die Belastung mit den zunehmend als gesundheitsgefährdenden eingestuften Chemikalien hat dazu geführt, dass das Trinken von Leitungswasser in den betreffenden Gemeinden der Ardennen und Meuse verboten wurde. Doch auch das Blut der Einwohner*innen ist belastet. Sie sind damit nicht die einzigen.
In Luxemburg kündigten die Déi Gréng-Abgeordneten Djuna Bernard und Joëlle Welfring am vergangenen Montag auf einer Pressekonferenz an, ihr Blut sei auf vier beziehungsweise fünf von insgesamt dreizehn analysierten PFAS positiv getestet worden. Wer fleißig die woxx liest, wird bei diesen Ergebnissen kaum mit der Wimper zucken: Ob in Gewässern, in Getreideprodukten oder eben im Blut, die Akkumulation dieser Chemikalien ist bekannt („Auf immer und ewig“, woxx 1845). Gerade bei älteren Personen, die einen Teil der Chemikalien nicht durch Menstruation oder Muttermilch ausscheiden, sind der EU-Chemiebehörde Echa zufolge höhere Konzentrationen aufzufinden. So ließen sich bereits vergangenen Sommer nach einem Aufruf des dänischen Umweltministers 24 europäische Spitzenpolitiker*innen testen: Bei allen waren die Ergebnisse positiv. Der Luxemburger Umweltminister Serge Wilmes (CSV) lehnte die Einladung ab. Warum, wollte sein Ministerium der woxx nicht verraten („Verschleierte Risiken“, woxx 1856).
Die PFAS-Belastung der Abgeordneten entspricht dem Durchschnitt europäischer Bürger*innen. Alle aufgefundenen Substanzen sind in der EU reguliert, zwei davon – PFOS und PFOA – gar verboten. Nicht umsonst sind die Stoffe als Ewigkeitschemikalien bekannt: Die Belastung bleibt bestehen, Regulierung hin oder her.
Gerade wegen der Beständigkeit der PFAS müssten Regierungen das Vorsorgeprinzip anwenden.
Die Risiken dieser Konzentrationen für Mensch und Umwelt sind noch reichlich unerforscht. Regierungen sind größtenteils auf Studien der Industrie angewiesen. Doch bereits heute ist sicher: Manche dieser Substanzen, so etwa PFOA, können krebserregend sein. Andere können zu Organschäden führen. Weitere stehen im Verdacht, nervengefährdend oder reproduktionstoxisch zu sein und das Immunsystem zu beeinträchtigen („Drum prüfe was sich hält“, woxx 1847).
Gerade wegen der Beständigkeit der Stoffe müssten Regierungen das Vorsorgeprinzip anwenden und sowohl die Herstellung von PFAS als auch deren Nutzung auf das Minimum einschränken. Denn Fakt ist: Produzieren und nutzen wir die Ewigkeits-chemikalien weiterhin wie bisher, könnte eine schwerwiegende Kontaminierung, wie sie nun in Frankreich entdeckt wurde, auch in Luxemburg geschehen. Im Nachbarland wurden Warnungen über die Verschmutzung in den Wind geschlagen, so Disclose.
Ob die Dringlichkeit der Situation bei der Regierung angekommen ist? Allein das Entfernen der PFAS aus der Umwelt könnte in den nächsten 20 Jahren über zwei Billionen Euro kosten. EU-weit wird die Behandlung der gesundheitlichen Schäden aufgrund der PFAS auf bis zu 84 Milliarden Euro geschätzt. Das Umweltministerium sei sich dessen bewusst, versicherte es im vergangenen Sommer gegenüber der woxx. Man wolle „so viel wie möglich im Vorfeld handeln“, um nicht nur Kosten sondern auch womögliche Engpässe in der Trinkwasserversorgung zu verhindern („Kampf gegen PFAS-Windmühlen“, woxx 1848). Ab diesem Jahr wird die Veterinär- und Lebensmittelverwaltung Fisch- und Fleischproben auf PFAS analysieren.
Ansonsten lässt die Regierung sich jedoch Zeit: Seit Herbst 2024 treffen sich Vertreter*innen verschiedener Ministerien in einer Arbeitsgruppe zu Ewigkeitschemikalien. Auf deren Schlussfolgerungen warten wir aber immer noch vergebens. Gab Wilmes anfangs an, ein Aktionsplan könnte bereits im Dezember 2024 vorliegen, hieß es vergangenes Jahr auf Nachfrage der woxx, die Arbeiten würden vor den Sommerferien 2025 oder „kurz danach“ abgeschlossen. Wie Joëlle Welfring der woxx nun verriet, ist es auch Anfang 2026 noch nicht so weit. Was ewig währt, ist in diesem Fall leider überhaupt nicht gut.

