Fonds de compensation : Ausreden und Auswege

von | 08.08.2025

Der Fonds de compensation gibt sich nachhaltiger, gleichzeitig steigen seine Investitionen in fossile Energie – obschon Länder wie Norwegen zeigen, dass umweltfreundlichere Alternativen funktionieren. Wann wird der Fonds endlich seiner Verantwortung gerecht?

Greenwashing as usual: Greenpeace macht es dem FDC in einer Aktion vor den Hauptquartieren des Fonds nach. Die Luxemburger Zivilgesellschaft fordert seit Jahren eine nachhaltige und mit den Pariser Klimazielen konforme Investitionsstrategie – bisher ohne Erfolg. (Copyright: Sara Poza Alvarez/Greenpeace)

In der Diskussion um die Pensionsreform werden sie kaum erwähnt, nun lenkt eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Analyse der Firma „Nextra Consulting“ die Aufmerksamkeit erneut auf die klimaschädlichen Investitionen des Fonds de compensation (FDC). 2015 war das Pariser Klimaabkommen der erste Anlass für die Umwelt-NGO, sich mit den Anlagen zu befassen, zwischenzeitlich haben die Forderungen von NGOs wie Greenpeace und der ASTM nichts an ihrer Aktualität verloren. Der FDC gibt sich weiterhin als nachhaltiger, als er ist, und investiert sogar zunehmend in schwer kontaminierende Industrien. Zukunftsorientiert und nachhaltig ist das nicht.

2023 analysierte Greenpeace erstmals den Jahresbericht des FDC: Drei Milliarden Euro investierte der Fonds damals in umwelt- und klimaschädliche Industrien, nebenbei ließ man auch Geld in die Atomindustrie einfließen (woxx 1768). Seitdem hat sich trotz öffentlicher Debatte rund um die neue Investitionsstrategie vor zwei Jahren (woxx 1722) beschämend wenig verändert: Der Fonds gibt sich mit der Nachhaltigkeitsetikette „LuxFLAG“ einen grünen Anstrich, stellt aber gleichzeitig schwer nachvollziehbare Schätzungen, unklare Richtlinien und einen irreführenden Bericht für 2024 vor. Dennoch kann nichts davon vertuschen: Der jüngsten Analyse von „Nextra Consulting“ zufolge investierte der FDC im vergangenen Jahr über 1,3 Milliarden Euro in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen – ein Anstieg von über 46 Prozent verglichen mit dem Jahr 2022. Auch in den kontrovers diskutierten, Amazonas rodenden und weltweit größten Fleischverarbeitungsproduzenten „JBS“ wurde weiterhin investiert (woxx 1834). Damit ist das 30-Milliarden-schwere Portfolio des Fonds fernab von den Klimaverpflichtungen Luxemburgs und bleibt auf einem katastrophalen Kurs einer Erderwärmung von über 2 Grad.

Spätestens jetzt entlarvt die Nextra-Consulting-Analyse die Mär der Risikominimierung als Vorwand.

Gleichzeitig hat sich die Anzahl der von Investitionen ausgeschlossenen Firmen verringert: Waren 2023 noch 137 und 2024 gar 153 Firmennamen auf der Ausschlussliste zu lesen, sind es aktuell nur noch 123 Firmen. Lediglich sieben Firmen sind wegen ihrer umweltschädlichen Tätigkeiten ausgeschlossen, per se werden klimaschädliche Sektoren nicht aus dem FDC ausgenommen. Die Leier ist alt und wird oft wiederholt: Investitionen in fossile Unternehmen seien notwendig, um das finanzielle Risiko so breit wie möglich zu streuen. Dabei geht es der hiesigen Zivilgesellschaft nicht darum, anzuprangern, dass in verschiedene Sektoren investiert wird. Vielmehr muss der FDC von einem bestimmten, lebensbedrohlichen, Sektor die Finger lassen. Denn spätestens jetzt entlarvt die Nextra-Consulting-Analyse die Mär der Risikominimierung als Vorwand: Der norwegische Pensionsfonds GPFG, etwa, schließt hundert Firmen allein aus Umwelt- und Klimagründen aus. Die wirtschaftliche Katastrophe blieb im nordischen Staat aus, laut Analyse übertreffen die Einnahmen sogar die des FDC, und dies schon seit 2007.

Die Frage muss der Regierung also weiterhin und immer deutlicher gestellt werden: Handelt der öffentliche Pensionsfonds nun fürs Wohl der Allgemeinheit oder betreibt er lieber „Business as usual“ unter „nachhaltigem“ Deckmantel? Die Antwort sollte klarer sein, als der Jahresbericht des FDC. Als öffentlicher Fonds sollten die Bedarfe und Interessen der gesamten Bevölkerung uneingeschränkt über den kurzfristigen Profit einzelner Firmen und Individuen stehen. Fossile Energieunternehmen müssen endlich ausgeschlossen werden. Ansonsten wird der ach so nachhaltige Fonds im Namen zukünftiger Renten weiterhin eine Krise befeuern, die mittlerweile jährlich Schäden in Milliardenhöhe mit sich bringt und die lebenswerte Zukunft aller akut bedroht.

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