Heinz Strunk: Das Teemännchen

Dass sich an Heinz Strunks Person und seinen Werken die Geister scheiden ist wohlbedachtes Kalkül. Doch der Hamburger hat mehr drauf – wer sich hinter den Vorhang der Provokation wagt, erlebt eine Welt von Menschlichkeit, Mitgefühl und … Misere.

 Nach seinen großen Romanerfolgen „Fleisch ist mein Gemüse“, „Der goldene Handschuh“ und „Jürgen“ meldet sich der Musiker, Komiker und Autor Heinz Strunk mit einer Sammlung von Kurzgeschichten zurück. „Das Teemännchen“ beinhaltet nicht weniger als 54 Prosatexte, manche kaum länger als eine halbe Seite – andere durchaus in Novellenlänge. Wie die Titelgeschichte zum Beispiel, in der ein eher erfolgloser Prokrastinator sich zusammenreißt und ein Teegeschäft öffnet, um der Bedeutungslosigkeit seiner Existenz zu entfliehen und auch um seiner Umgebung mal was Gutes zu tun. Dass das Ganze nach hinten losgeht, verwundert kaum, denn Strunk hätte sein Buch auch „54 Mal grandios scheitern“ nennen können.

Aber auch das wäre etwas zu kurz gegriffen. Denn scheitern bedeutet auch, dass man es wenigstens versucht hat, und nicht jede*r Protagonist*in in Strunks Buch versucht seiner Misere zu entfliehen – wie die schöne Susi aus dem Grilleck zum Beispiel, die mit Haut und Haar von ihrem Arbeitsplatz aufgefressen wird. Auch die Menschen in „Das Teemännchen“ sind alle irgendwie hässlich und trotzdem – fast alle – auch irgendwie liebenswert. Ja sogar mit Axl Rose kann man Empathie empfinden, wenn er in einer Hamburger Kneipe abstürzt. Wer also intelligente kurzweilige Lektüre sucht: Hier werden Sie fündig!


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