Historische Ausstellungen und mehr: Trierer Untergänge

Ab diesem Wochenende steht Trier im Zeichen des Untergangs von Rom: Drei klassische Ausstellungen, mehrere Kunstprojekte und ein umfassendes Begleitprogramm bieten Fortbildung und Unterhaltung für jeden Geschmack.

Büro Wilhelm, Amberg/Rheinisches Landesmuseum Trier (GDKE)

Ein großer Haufen Marmortrümmer und Kalkstaub markierte den Schluss der Ausstellung „Ein Traum von Rom“ vor acht Jahren im Trierer Landesmuseum – nach dem Zusammenbruch des Imperiums wurden Kunstwerke als Baustoff genutzt. „Fortsetzung folgt“, hätte das Museumsteam hinschreiben können, denn am Freitag, 25. Juni eröffnet eine neue Ausstellung, die eben diesem Ende des Traums, dem „Untergang des Römischen Reiches“, gewidmet ist. Fünf Monate lang wird nicht nur das Rheinische Landesmuseum sich mit dem Thema Untergang befassen, sondern auch andere Museen und Kulturinstitute in Trier – das Begleitprogramm reicht von wissenschaftlichen Konferenzen über moderne Kunst bis hin zu einem Mode-Apokalypse-Wochenende.

Geschichte, Religion, Kunst

Im Zentrum steht natürlich das auf Archäologie und Geschichtswissenschaft spezialisierte Landesmuseum. Wer die prächtige Dauerausstellung mit lokalen römischen Funden besichtigt hat, oder gar die spektakuläre Sonderausstellung von 2014, weiß, dass Trier lange Zeit die bedeutendste römische Stadt nördlich der Alpen war. „Wie stirbt ein Reich und wie verwaisen einstmals blühende Metropolen?“, wird das Thema der neuen Ausstellung auf der Website des Landesmuseums umschrieben. 1.000 Quadratmeter Museumsfläche werden der dunklen Zeit des Imperiums gewidmet: „Mit internationalen Spitzenexponaten wird die Geschichte des Römischen Reiches vom 3.-5. Jahrhundert n. Chr. lebendig und zeigt, welche historischen Ereignisse und Prozesse zum Niedergang des römischen Staates führten.“

Im Museum am Dom geht es unter dem Titel „Im Zeichen des Kreuzes – Eine Welt ordnet sich neu“ um den Untergang als Übergang von der römischen Epoche zum christlichen Mittelalter: Das durch den Zusammenbruch der imperialen Strukturen entstandene Machtvakuum wurde von der Kirche ausgefüllt, „mit dem Bischof, der zunehmend auch die weltliche Herrschaft übernahm“. Drittes Museum im Bunde ist das Stadtmuseum Simeonstift, das aus kunsthistorischer Perspektive die Ausstellung „Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst“ zusammengestellt hat. Als Besonderheit wird hier unter dem Titel „Hurra, wir gehen unter“ eine introspektive Schauspielführung „gegen jammervolle Untergänge“ angeboten.

Bereits seit dem 2. Juni kann man in der Kunsthalle Trier „Untergänge – von Dystopie bis Disruption“ besichtigen, eine internationale zeitgenössische Kunstausstellung, die den gesellschaftlichen, politischen und technologischen Umbrüchen der Gegenwart gewidmet ist. In der Galerie Palais Walderdorff werden ebenfalls Werke mit Aktualitätsbezug zum Thema „Der Untergang“ gezeigt, hier von Kunstschaffenden aus Trier und der Großregion. Die Tufa ihrerseits zeigt „Ein Appell an die Menschlichkeit. Impressionen zu Untergang und Hoffnung“, Bilder der Fotografin Alea Horst aus Bosnien, Lesbos und Afghanistan. Hier gibt es ein eigenständiges Begleitprogramm; die Ausstellung endet schon am 10. Juli. Bis in den November hinein sind dagegen Aufnahmen in der Trierer Fußgängerzone zu sehen, die unter dem Titel „Mediterraneo – Street Photography Open Air“ „den vielfältigen Kulturraum des untergegangenen Römischen Reiches im Heute mit starken visuellen Momentaufnahmen vor Augen führen“. Die Ausstellung „Frauen, zentrale Nebenfiguren des Römischen Reiches“ schließlich wird ab 1. Juli an wechselnden Orten in Trier zu sehen sein. Hier setzen sich junge Künstlerinnen mit der Position der Frau im Imperium „Romanorum“ und deren Verschlechterung in Krisenzeiten auseinander.

MapMaster/CC BY-SA 2.5

Am 9. Juli findet zum ersten Mal die szenische Führung „Spiele also verlangt ihr? Ein Augenzeuge berichtet“ im Museum am Dom statt. Am gleichen Wochenende organisieren die Studierenden der Fachrichtung Modedesign das Event „Rome is Burning – Road to Ruin?“. Dabei geht es in Symposien, Workshops, Ausstellungen und Präsentationen um den Klimawandel, die Grenzen unserer Zivilisation und ihr mögliches Ende. An den drei ersten Montagen im Juli finden ebenfalls ein Poetry-, ein Songwriter- und ein Science-Slam zu „Untergangsszenarien“ statt.

Komödien und Katharsis

Im August kann man sich die queere römische Komödie „Das ist das Ende!“ der Schmit-z Family ansehen und im September bringt die Tufa „Titanic, aber Luxusklasse“ auf die Bühne, eine kabarettistische Revue zu allen Pailletten des Untergangs. Last but not least läuft in der Pauluskirche bis Oktober dreimal wöchentlich die Erlebnisshow „Die letzte Schlacht um Rom“, ein Evergreen mit klarem Bezug zum Ausstellungsthema.

Infos zu weiteren Events und Ausstellungen, zum Teil später im Jahr, findet man als Broschüre bei trier-info.de oder als Liste auf der zentralen Website untergang-rom-ausstellung.de. Unsere Informationen und Links stammen von dort – wir empfehlen, sich zeitnah zu informieren, da möglicherweise nicht alles so stattfindet wie geplant. Wer mehr als nur die Hauptausstellung im Landesmuseum sehen will, kann eine Antikencard kaufen (mit freiem Eintritt in römische Bauwerke), oder ein Kombiticket für die drei Museen – bei beiden sind diverse zusätzliche Reduktionen einbegriffen.

Über den Bildungs- und Unterhaltungswert hinaus bietet die Beschäftigung mit dem Untergang von Rom auch Anknüpfungspunkte an aktuelle Problemstellungen. Für das umstrittene Ende der Globalisierung könnte zum Beispiel die Auflösung des Imperiums einen interessanten Präzedenzfall liefern. Auch die Parallele zur Bedrohung „unserer“ Zivilisation durch äußere Feind*innen ist ein heikles, aber unumgängliches Thema (zu Vorurteilen und Stammtischparolen gibt es gleich mehrere Workshops). Zur Vielfalt der Interpretationen des Untergangs liefert die Ausstellung im Simeonstift Impulse (siehe unser Coverbild). Andere Fragestellungen reichen vom Erhalt der Werte und des Friedens durch militärische Stärke bis zu einem möglichen konstruktiven Umgang mit individuellen Untergangsängsten und -erfahrungen. Ob Geopolitik oder Tiefenpsychologie, der Niedergang Roms regt zum Nachdenken an.


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