„Im Mittelmeer droht eine Tragödie“

von | 03.06.2020

Einmal mehr versucht mit „SOS Méditerranée“ eine NGO auf die tödlichen Folgen der ausbleibenden Seenotrettung im zentralen Mittelmeerraum aufmerksam zu machen. Mittlerweile sitzen mehr als 400 schutzsuchende Menschen vor Malta fest.

Täglich machen sich Schutz suchende Menschen von Libyen aus in Richtung Malta und Italien auf den Weg. (Foto: pixabay)

In ihrer aktuellen Nummer berichtet die woxx ausführlich über die Lage der Flüchtlinge vor Malta. Laut einer Pressemitteilung der NGO „SOS Méditerranée“ vom heutigen Tag spitzt sich deren Lage weiter zu. Über vierhundert gerettete Menschen sitzen demnach inzwischen auf vier privaten Kreuzfahrtschiffen auf See fest, die von der maltesischen Regierung zur Unterbringung der Flüchtlinge in internationalen Gewässern gechartert worden sind. Manche der Betroffenen sind schon seit einem Monat dort untergebracht, nachdem sie vor extremer Gewalt und Misshandlungen in Libyen über das zentrale Mittelmeer geflohen sind.

„Anstatt die Geretteten an einem sicheren Ort an Land zu bringen, wie es das Völkerrecht verlangt, werden sie für politische Verhandlungen unter den EU-Mitgliedstaaten benutzt“, so die NGO: „Die geretteten Menschen, die vor Malta gestrandet sind, müssen sofort an einem sicheren Ort an Land gehen dürfen. Die europäischen Staaten müssen umgehend die Aufnahme und Verteilung der im zentralen Mittelmeer geretteten Menschen umsetzen.“

Seenotrettungsprogramm der EU gefordert

„SOS Méditerranée“ fordert zudem, die EU-Staaten müssten endlich ein koordiniertes Seenotrettungsprogramm einführen, das sich an geltendes Recht hält. „Die Ausweitung der tödlichen Blackbox im Mittelmeer, in dem Menschen spurlos verschwinden, ist nicht hinnehmbar. Es besteht ein kollektiver Notstand, in dem die EU-Länder Solidarität praktizieren müssen“, sagt Sophie Beau, die Generaldirektorin der NGO: „Es droht eine Tragödie.“

Derzeit ist kein einziges Seenotrettungsschiff einer NGO im Mittelmeer auf See. Die Schiffe und Aufklärungsflugzeuge der EU-Mission „Irini“ sollen ausdrücklich nicht zur Seenotrettung eingesetzt werden, sondern vor allem die Einhaltung des von der UNO beschlossenen Waffenembargo gegenüber Libyen kontrollieren. Der Bürgerkrieg in dem nordafrikanischen Land war in den vergangenen Wochen weiter eskaliert. Auch die Abfahrten von Flüchtlingen von der dortigen Küste haben in den vergangenen Wochen zugenommen. Angesichts dessen plant „SOS Méditerranée“, die Seennotrettung mit dem Schiff „Ocean Viking“ wieder aufzunehmen.

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