Jugend: Nicht in Ausbildung, ohne Job

von | 19.06.2017

Das Bildungsministerium plant Maßnahmen zur Unterstützung inaktiver junger Menschen und zur Misserfolgs-Prävention. Dabei will man sich an den Ergebnissen einer kürzlich publizierten Studie orientieren.

(Foto: Ministère de l‘Éducation nationale)

In Luxemburg sind zurzeit zwischen 3.000 und 3.500 junge Menschen weder ins Bildungssystem noch in die Arbeitswelt integriert – eine Sachlage, der das Bildungsministerium nicht länger tatenlos zusehen will. Eine vom Service national de la Jeunesse (Snj), von der Inspection générale de la sécurité sociale (Igss) und vom Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (Liser) im Jahr 2013 in Auftrag gegebene Studie gibt nun Einblicke in die komplexe Lebenssituation der sogenannten NEETs (not in employment, education or training). „Es ist uns wichtig, uns bei der Ausarbeitung von Maßnahmen auf konkrete Forschungsergebnisse beziehen zu können. Nur so kann vermieden werden, dass wir an einem Teil der Zielgruppe vorbeiarbeiten“, erklärte Claude Meisch am vergangenen Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Eine erste Erkenntnis ist, dass sich nicht jeder dieser jungen Menschen in einer schwierigen Lage befindet und der Unterstützung bedarf. Den Kriterien eines NEET entspricht nämlich auch zum Beispiel jemand, der nach dem Studium ein halbes Jahr um die Welt reist. Die tatsächlich verletzlichen NEETs sind die 16-24-Jährigen, die längerfristig (mehr als zwei Jahre), oder immer wieder, inaktiv sind. Hierzulande trifft dies auf 36 Prozent der NEETs zu.

Vielfältige Ursachen

Zunächst war es wichtig, die charakteristischen Merkmale dieser Gruppe zu ermitteln. Hier stand die Frage im Zentrum, ob es bei Aspekten wie finanzieller Prekarität, auffälligem Verhalten oder familiärer Belastung Überschneidungen gibt. Dabei konnten sechs verschiedene Profile herausgearbeitet werden. So haben beispielsweise sieben Prozent einen niedrigen Bildungsabschluss und zugleich gesundheitliche Probleme. Fünf Prozent sind junge Mütter mit geringem Humankapital usw. 43 Prozent der untersuchten NEETS konnten nicht auf diese Weise in einer Kategorie zusammengefasst werden. Mit ihrer Situation will man sich in einer Folgestudie befassen.

In einem anderen Teil der Studie standen auffällige Risikofaktoren im Fokus. Es wurde festgestellt, dass 70 Prozent der NEETs die Schule frühzeitig abgebrochen haben. Das Risiko, NEET zu werden, multipliziert sich nach einem Schulabbruch um das Dreifache: 37 Prozent der SchulabbrecherInnen werden NEETs. Bei niedrigen kognitiven Fähigkeiten, einem ungünstigen familiären Umfeld und einem Schulklima, das als schlecht empfunden wird, kommt es besonders häufig zu einem Abbruch.

In einem letzten Teil der Studie wurden Maßnahmen der Prävention entworfen. So gelte es unter anderem, vom Kindesalter an die kognitive Fähigkeiten, das autonome Lernen und den Sprachenerwerb intensiv zu fördern. Maßnahmen zur Verbesserung des Schulklimas sowie ein Angebot an außerschulischen Weiterbildungsmöglichkeiten werden ebenfalls empfohlen. Außerdem sei wichtig, SchülerInnen frühzeitig über die Anforderungen des Arbeitsmarkts zu informieren.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse sollen nun politische Maßnahmen geplant werden. Dies betrifft, Meisch zufolge, aber nicht nur das Bildungsministerium: „Die Ergebnisse sind auch zum Beispiel für die Arbeits- und Gesundheitsministerien relevant. Ein übergreifendes und vernetztes Denken ist nun also gefordert.“

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