Klimaanalyse: Rettungsboot für die Wärmeinsel

von | 18.04.2022

Eine Simulation zeigt, wie sehr Hitze die Bevölkerung Luxemburgs belastet. Der Bericht weist auch Maßnahmen auf, die im städtischen Raum für Abkühlung sorgen könnten.

Besonders in Luxemburg-Stadt ist die bioklimatische Situation oft ungünstig. (Grafik: GEO-NET & LIST)

Die Klimakrise kommt. Wer die letzten Berichte des Weltklimarates IPCC ernst nimmt, muss fest damit rechnen, dass die Temperaturen steigen werden. Damit wird auch immer deutlicher, dass wir unsere Umgebung anpassen müssen. Diese Woche wurde eine Klimaanalyse veröffentlicht, die zeigt, dass besonders in Luxemburg-Stadt Maßnahmen erforderlich sind.

Die Studie mit dem Titel „Klimaökologische Situation in Luxemburg“ wurde von der deutschen Umweltconsulting-Firma Geo-Net und dem Luxembourg Institute of Science and Technology (List) für die Umweltverwaltung erstellt. Obwohl sie auf Februar 2021 datiert ist, wurde sie erst am 12. April 2022 veröffentlicht. Dies auch nicht per Pressemitteilung oder auf der Website der Verwaltung, sondern auf dem staatlichen Open Data-Portal. Dafür ist dort nicht nur der Bericht hinterlegt, sondern auch die Modelldaten.

Untersucht wurde dabei das Regionalklima Luxemburgs an einem Sommertag, um feststellen zu können, in welchen Teilen des Landes die Hitze überdurchschnittlich stark zuschlägt. Ein besonderes Augenmerk galt dem sogenannten Wärmeinseleffekt. Städte sind im Vergleich zum Umland wärmer, was insbesondere in der Nacht stark spürbar ist. Das ist für die Bewohner*innen besonders belastend und kann gesundheitsschädlich sein.

Begrünung gegen Tropennächte

Dieser Wärmeinseleffekt wurde mithilfe des Modells vor allem in Luxemburg-Stadt und einigen umliegenden Ortschaften wie Bartringen oder Sandweiler festgestellt. Ungünstige bioklimatische Situationen gibt es jedoch auch in Esch-Alzette und bei größeren Industrie- und Gewerbeflächen wie in Monnerich und Differdingen. Dabei kommt Luxemburg zugute, dass einige größere Parks auf dem Stadtgebiet mittels sogenannter „Parkwinde“ kältere Luft in die Stadt eintragen. Diese müssten unbedingt erhalten werden, heißt es im Bericht.

Neben der Beschreibung der heutigen Situation – die Rechnung wurde also ohne die kommende Klimaveränderung gemacht – enthält die Analyse einen großen Maßnahmenkatalog, mit dem das Stadtklima verbessert und auf den Klimawandel vorbereitet werden kann. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, für mehr Pflanzen in den Städten zu sorgen, zum Beispiel durch die Begrünung von Innen- und Hinterhöfen. Auch öffentliche Grünräume wie Parks oder Straßenbäume kühlen die Luft durch Verdunstung ab und spenden Schatten. Außerdem verbessern sie die Luftqualität. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Neugestaltung der Place de Paris doch eher peinlich, da hier wesentlich mehr Maßnahmen für die künftig dringend nötige Abkühlung hätten getroffen werden können.

Zudem beschreibt der Bericht, wie klimaangepasst gebaut werden kann: Das reicht von Dach- und Fassadenbegrünung über die Verwendung angepasster Baumaterialien bis hin zur Ausrichtung der Gebäude. Werden alle vorgeschlagenen Maßnahmen kombiniert, kann die Außentemperatur an heißen Tagen um bis zu 7 Grad gesenkt werden.

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