Kulturfestival: „Wir wollen mit dem Festival Identitäten zelebrieren“

Das Kulturfestival „This Is a Human’s World“ will auf Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern sowie Genderdiversität in der luxemburgischen Musikszene hinweisen.

„Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich als Mann in der richtigen Position bin, um ein Festival zu organisieren, das die Diskriminierung von Frauen und Genderdiversität thematisiert“, sagt Pascal Useldinger, Veranstalter des Festivals „This Is a Human’s World“ der woxx, „aber mein Dasein als Mann darf mich letzten Endes nicht daran hindern, auf Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, unterschwellige Homofeindlichkeit und Rassismus in Luxemburg hinzuweisen.“ Useldinger wirkt den Missständen am Samstag mit einer Diskussionsrunde, Auftritten vorwiegend weiblicher Musiker*innen und Performances entgegen.

Die Diskussionsrunde, die das Festival um 14 Uhr eröffnet, gibt den Ton an: Akteur*innen aus Politik und Kultur treffen zusammen, um sich über Weiblichkeit, Frauen und Genderdiversität in der nationalen Musikbranche und der Gesellschaft allgemein auszutauschen. Mit am Tisch sitzen unter anderem die Musikerin Karma Catena von C’est Karma sowie die LSAP-Politikerin Joanne Goebbels. „Grundsätzlich dreht sich das Festival um Frauen und Männer: Wie steht es um die Repräsentation von Frauen in der Musikszene? Dürfen Männer Weiblichkeit ausdrücken?“, sagt Useldinger. „Doch wir wollen die Diskussion natürlich weiterführen und zum Beispiel Fragen stellen wie: Inwiefern spiegeln sich gender-neutrale Bewegungen in der luxemburgischen Musikwelt? Ich denke und hoffe, dass das Zusammentreffen unserer Gäste diverse Perspektiven auf die Themen ermöglicht.“

Useldinger selbst sieht sich nicht als Experte für Genderfragen. Er versteht das Festival als Lernprozess und Möglichkeit zu Vernetzungen inner- und außerhalb der Kulturbranche. Ungleichheiten gebe es vor und hinter der Bühne. Auch wenn sich beispielsweise die Musikszene langsam öffne und mit Künstler*innen wie C’est Karma oder Edsun diverser werde, bestehe Handlungsbedarf. „Wir können uns als Gesellschaft noch so progressiv geben: Es besteht eindeutig keine Gleichheit unter Menschen – in den unterschiedlichsten Bereichen“, sagt Useldinger. Im Falle weiterer Ausgaben des Festivals, das diesen Samstag Premiere feiert, sollen weitere Aspekte mit einfließen. „Wenn wir über Gleichstellung sprechen, geht es nicht nur um die zwischen den Geschlechtern, sondern auch um die Inklusion und Repräsentation von Menschen mit Behinderung“, erklärt Useldinger.

Das Festivalprogramm ist jedenfalls abwechslungsreich – musikalisch und inhaltlich. „C’est Karma“ spielt eine Mischung aus Folk und Industrial, Edsun liefert R’n’B und Nicool luxemburgischen Hiphop. Aishinka ist ein Jazz-Ensemble mit vorwiegend weiblicher Besetzung. Claire Parsons ist eine der Stimmen der Gruppe. Francis of Delirium steht nach eigener Angabe für „homemade rock from our hearts to yours“. Neben Musik gibt es die Tanz-Performance „Life is Short: Buy that Dress“ der niederländischen Kompanie „Directie & Co“ sowie Auszüge aus dem Theaterstück „Le Courage“. Während der Tanz mit dem Klischee der modesüchtigen Frau spielt und Fast-Fashion anprangert, geht es in den Monologen aus „Le Courage“ um die strukturelle Diskriminierung von Frauen.

„Wir wollen mit dem Festival Menschen und Identitäten bestätigen und zelebrieren“, sagt Useldinger abschließend. Das Festival findet in der Schungfabrik in Kayl, in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungskommission der Gemeinde Käl-Téiteng und unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Gleichstellung von Frauen und Männern statt. Der Eintritt ist frei, eine Sitzplatzreservierung jedoch erforderlich. Karten gibt es auf schungfabrik.lu. Die Karten können einzeln für drei Zeiträume (14 bis 17 Uhr, 17 bis 20 Uhr, 20 bis 23 Uhr) gebucht werden. Ein ganztägiger sowie ein spontaner Besuch sind ebenfalls möglich.

„This Is a Human’s World“, am 12. September ab 14 Uhr in der Schungfabrik in Téiteng. Weitere Informationen zum Programm auf schungfabrik.lu und der Facebook-Seite 
des Festivals.

Cet article vous a plu ?
Nous offrons gratuitement nos articles avec leur regard résolument écologique, féministe et progressif sur le monde. Sans pub ni offre premium ou paywall. Nous avons en effet la conviction que l’accès à l’information doit rester libre. Afin de pouvoir garantir qu’à l’avenir nos articles seront accessibles à quiconque s’y intéresse, nous avons besoin de votre soutien – à travers un abonnement ou un don : woxx.lu/support.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Wir stellen unsere Artikel mit unserem einzigartigen, ökologischen, feministischen, gesellschaftskritischen und linkem Blick auf die Welt allen kostenlos zur Verfügung – ohne Werbung, ohne „Plus“-, „Premium“-Angebot oder eine Paywall. Denn wir sind der Meinung, dass der Zugang zu Informationen frei sein sollte. Um das auch in Zukunft gewährleisten zu können, benötigen wir Ihre Unterstützung; mit einem Abonnement oder einer Spende: woxx.lu/support.
Tagged .Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen.