Kulturministerium wirbt mit KI-Bildern: Respektlos

von | 17.09.2026

Eine Werbekampagne des Kulturministeriums zum „Dag vun der Lëtzuebuerger Sprooch“ basiert auf KI-Bildern und -Videos. Ein Schlag ins Gesicht aller Künstler*innen Luxemburgs.

Eine kitzelige Zeichnung eines Eichhörnchens, um das herum Luxemburgische Wörter geschrieben sind.

Gekritzel statt Generative KI: So lassen sich ohne hohen Energie- und Wasserverbrauch in Sekundenschnelle Bilder generieren. (Illustration: woxx/ja)

Das Kulturministerium beauftragt lieber Computer als Künstler*innen. Diesen Eindruck kann man auf jeden Fall bekommen, wenn man sich die aktuelle Werbekampagne zum Tag der Luxemburger Sprache ansieht. Ein Video, fünf Motive für Plakate und fünf Social-Media-Posts wurden so laut dem Kulturministerium erstellt. Das „Kampagnen-Toolkit“ und ein Blick auf die Website verraten jedoch, dass viel mehr Bilder KI-generiert wurden. Neben dem Eichhörnchen, das als Maskottchen für die Kampagne benutzt wird, wurden auch synthetische Bilder generiert, um einzelne Führungen und Workshops zu bewerben.

Auf die Frage der woxx, warum keine Luxemburger Künstler*innen für diese Kampagne engagiert wurden, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums, die Kampagne habe eine Agentur ausgearbeitet, die sich „dafür entschieden hat, künstliche Intelligenz in ihrem Produktionsprozess zu benutzen“. Es handelt es sich um die Agentur „Neon Internet“, die das Produkt „Letz.ai“ vertreibt. In der Regel gibt es für Kampagnen auch Lastenhefte und Feedbackschleifen – die Entscheidung für KI und gegen Künstler*innen lag also klar beim Kulturministerium.

„Der Mensch ist und bleibt im Mittelpunkt des kreativen Prozesses. Die KI kann, wenn gewollt, als Instrument eingesetzt werden, um diesen Prozess zu unterstützen und die Kultur zugänglicher zu machen. Gleichzeitig stellt sie uns vor wichtige Fragen zu Autorenrechten, zur Bezahlung und zur Zukunft kreativer Berufe“, so ein Statement von Kulturminister Eric Thill (DP) zu der Vorgehensweise. Das mag schön klingen, entspricht aber überhaupt nicht dem, was passiert ist. Dadurch, dass das Eichhörnchen von einem Computer generiert wurde, stand kein Mensch im Mittelpunkt. Beim „Training“ dieser Bildgeneratoren wurde auf urheberrechtlich geschütztes Bildmaterial zurückgegriffen, ohne dass die Fotograf*innen, Illustrator*innen oder Maler*innen je auch nur einen Cent dafür gesehen hätten.

Es gibt keinen neutralen Einsatz von KI.

Über den enorm hohen Energie- und Ressourcenverbrauch, der mit dem Gebrauch von KI einhergeht, hat sich das Kulturministerium keinerlei Gedanken gemacht. In der Ausschreibung zur Kampagne habe man sich auch nicht spezifisch für oder gegen KI ausgesprochen, so das Ministerium gegenüber der woxx. Sowohl die Sprecherin als auch Thill verweisen auf das Weißbuch „Kultur und KI“, das Anfang des Jahres vorgestellt wurde und vor allem Plattitüden anstelle konkreter Maßnahmen und Leitlinien enthält.

Dabei gibt es keinen neutralen Einsatz von KI. Abgesehen von der daraus resultierenden Umweltzerstörung beruht der Gebrauch von KI immer auf der Ausbeutung von Künstler*innen, deren Erzeugnisse gestohlen wurden, und von Menschen im Globalen Süden, die das Training überwachen und dabei unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten.

Außerdem ist es absurd, KI zur Förderung des Luxemburgischen einzusetzen. Die wenigsten großen Sprachmodelle können richtig in diese Sprache übersetzen. Scammer und Spammer versuchen dies natürlich dennoch, weil sie hoffen, so ihre Zielgruppe besser zu erreichen. Damit füllt sich das Internet mehr und mehr mit einer Kunstsprache, die ein nach „Luxemburgisch“ klingender Wortsalat ist.

Es gibt genügend Gründe, keine KI zu verwenden. Gerade das Generieren von synthetischen Bildern sollte schlichtweg tabu sein, weil sich hier besonders deutlich zeigt, wie Kunstschaffende von KI verdrängt werden. Wer die menschliche Kreativität schützen und fördern möchte, muss sie angemessen bezahlen und sie immer an erste Stelle setzen. Von einem Kulturministerium sollte man sich das auf jeden Fall erwarten dürfen.

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