
Sprengen keine Genre-Grenzen, weil sie ohnehin keine kennen: Tropical Fuck Storm aus Melbourne. (© Fire Records/Jamie Wdziekonksi)
Einer der positiven Aspekte des Festivalsommers ist es, dass man manchmal ganz zufällig alte Weggefährten musikalischer Entdeckungsreisen wiedertrifft. Das fügt sich umso glücklicher, wenn man dabei auf eine Band wie „Tropical Fuck Storm“ aufmerksam gemacht wird. 2017 gegründet, hat das Quartett aus dem australischen Melbourne soeben mit „Fairyland Codex“ sein viertes Album veröffentlicht. Eine verschrobene Mischung gitarrenbasierter Musik findet sich dort. Dissonanzen mit Alice-Donut-Reminiszenz treffen auf zum Arschwackeln einladende, groovende Beats, deklamierender Sprechgesang auf poppig-melancholische Choräle, komprimierte Riffs auf clean gespielte Akkorde, nervös-vorwärtstreibende Parts auf verträumte Passagen. Was soll man hier für Referenzen angeben? Namen wie „Animal Collective“ in ihrer Anfangsphase tauchen auf, um gleich wieder zu verschwinden, also lässt man es lieber sein. Statt dessen lässt man sich einfach auf das Klangspektrum ein, das Tropical Fuck Storm vor den Hörer*innen ausbreitet und wird mit einer Reise durch nahezu sämtliche menschlichen Emotionen, virtuose Reminiszenzen an die Geschichte des Pop und dessen triumphaler Wiederkehr belohnt. Post-Pop? Mag sein. Auf jeden Fall ist es Evil Shit!
Tropical Fuck Storm: Fairyland Codex. Fire Records/Cargo, Juni 2025.
Live: Am Donnerstag, dem 4. September, im „Reflektor” in Liège.

