Lässt ein hoher Migrant*innenanteil Einheimische weniger großzügig werden?

Eine Doktorats-Kursreihe an der Universität Luxemburg widmet sich der internationalen Migration, ihren Auswirkungen auf Entsender- und Empfängerländer, und ihrem Einfluss auf die weltweite Einkommensverteilung. Das Liser veröffentlichte nun eine Zusammenfassung der Inhalte des ersten Seminars.

© Liser

Je höher der Anteil an Migrant*innen in einer bestimmter Region, desto niedriger die Befürwortung von Umverteilungsmaßnahmen innerhalb der einheimischen Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die im September anlässlich eines Doktorats-Kurses des Ökonomie-Professors Hillel Rapoport behandelt wurde. Die Untersuchung mit dem Titel „Do immigrants make us (Europeans) less supportive of redistribution?“ wurde in insgesamt 140 europäische Regionen durchgeführt.

Die Umfrage enthielt Fragen wie: „Befürworten Sie die Reduktion von Einkommensunterschieden?“, „Sollte eine Regierung für den Lebenstandard armer/alter/arbeitsloser Menschen verantwortlich sein?“ oder „Sind Sie der Meinung, dass Menschen durch Sozialhilfe faul werden?“. Anhand der Antworten analysierten die Forscher*innen regionale Unterschiede bezüglich des Verhältnisses zwischen Immigration und der Einstellung von Einheimischen gegenüber Umverteilung.

Diejenigen, die einer Umverteilung negativ gesonnen waren, ordneten sich selbst größtenteils mittig und rechts auf dem politischen Spektrum. Die Einstellungen linker Individuen werden kaum durch die Anzahl an Migrant*innen beeinflusst. Abneigung gegenüber Umverteilung ist vor allem bei solchen Individuen höher, die generell negative Einstellungen bezüglich Migrant*innen hegen oder Migrant*innen ein Recht auf Sozialhilfe absprechen. Ferner hängt die Abneigung gegenüber Umverteilung mit Herkunft, Bildungsniveau und Beschäftigungsart der Migrant*innen zusammen.

Obwohl Luxemburg im Rahmen dieser Studie nicht untersucht wurde, sind die Ergebnisse auch für das Großherzogtum relevant: Die hiesige Situation lässt sich mit Regionen vergleichen, die über einen hohen Migrant*innenanteil verfügen. In solchen Regionen überwiegt eine positive Einstellung gegenüber Umverteilung. Von den 140 untersuchten Regionen hatten nur 11 einen Migrant*innenanteil von über 20 Prozent.

In vergangenen Jahren hatten US-amerikanische Studien bereits festgestellt, dass die Befürwortung von Umverteilung abnimmt, je diverser die Bevölkerung ist. Die vorliegende Studie ist die erste ihrer Art, die dieses Phänomen in Europa untersucht hat.


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