Luxemburgische Sprache : Vom Aussterben bedroht?

von | 02.05.2016

Wie steht es um die Mehrsprachigkeit in Luxemburg? Und was hat es mit dem angeblichen Rückgang des Luxemburgischen auf sich? Zwei Forscher sind diesen und anderen Fragen nachgegangen.

1369NewsSpracheLuxemburg im Jahr 2056: Über eine Million EinwohnerInnen zählt nun der einstige Kleinststaat. Über 80 Prozent von ihnen sind Nicht-LuxemburgerInnen. Die Umgangssprache ist Französisch, „la langue des Luxembourgeois est le français“ steht in der Verfassung. Die luxemburgische, aber auch die deutsche Sprache sind aus dem öffentlichen Sprachgebrauch verbannt worden. In der Hauptstadt steht ein „Musée de la langue luxembourgeoise“.

Ein wahrscheinliches Szenario? Nein, sagen die Forscher Fernand Fehlen und Andreas Heinz. Sie haben, im Auftrag der Forschungseinheit Inside der Universität Luxemburg, vom Statec bei der Volkszählung 2011 erhobene Daten zum Sprachgebrauch in Luxemburg ausgewertet. „Die Luxemburger Mehrsprachigkeit“ heißt das Buch, in dem die Ergebnisse ihrer Arbeiten zusammengestellt sind.

56 Prozent der EinwohnerInnen Luxemburgs geben Luxemburgisch als Hauptsprache an – die Sprache, in der sie denken und die sie laut eigener Einschätzung am besten beherrschen. Fernand Fehlen zufolge sprechen sogar über 400.000 Menschen im Land – mehr oder weniger gut – Luxemburgisch.

Geht die massive Einwanderung nach Luxemburg auf Kosten der Sprache? Nicht wirklich. Je länger MigrantInnen in Luxemburg leben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Luxemburgisch sprechen. So nutzen Nicht-LuxemburgerInnen, die seit 50 Jahren im Land sind, zu fast 60 Prozent Luxemburgisch als Umgangssprache. Die Hälfte gibt an, auf Luxemburgisch zu denken. Bei einigen AusländerInnen kann man sogar sagen, dass sie irgendwann „ihre Muttersprache wechseln“, so Fehlen.

Am meisten wird die luxemburgische Sprache wohl in der Schule benutzt, auch das geht aus der Studie hervor. 65 Prozent geben an, zuhause Luxemburgisch zu sprechen. Am Arbeitsplatz hingegen dominiert das Französische.

Vor allem bei den Streitkräften, unter Staatsbeamten und unter Landwirten wird „Lëtzebuergesch“ benutzt. Keine wirkliche Überraschung. Bei den eher wenig gebildeten Arbeitern und Hilfskräften dominiert zum Teil die portugiesische, im Dienstleistungsbereich die französische Sprache.

Auch geografisch lassen sich Unterschiede zwischen dem Gebrauch der einzelnen Sprachen ausmachen. Je weiter man sich von Luxemburg-Stadt entfernt, umso mehr wird Luxemburgisch gesprochen. Französisch ist hingegen vor allem im Zentrum und Süden des Landes in Gebrauch, Englisch fast ausschließlich im Zentrum.

Französisch vs. Englisch

Es gibt eine Sprache, deren Gebrauch sich in Luxemburg im Rückgang befindet. Die luxemburgische? Falsch. „Das Französische steht in direkter Konkurrenz zum Englischen“, erläutert Fehlen. Unter Führungskräften und AkademikerInnen ist die englische schon jetzt die am meisten verwendete Sprache. Das Französische hingegen verliert an Prestige und an internationaler Bedeutung. Oben und unten in der sozialen Hierarchie werde Französisch gesprochen, hieß es noch Anfang der Neunzigerjahre. Mittlerweile wird „oben“ zunehmend Englisch gesprochen.

Ist die luxemburgische Sprache nicht aber doch bedroht? Nur für diejenigen, „die Diversität als Bedrohung sehen“, erklärt Fernand Fehlen. „Eine Sprache lebt, wenn sie genutzt wird.“ Das sei beim Luxemburgischen der Fall. „Luxemburgisch ist aber eine ‘kleine’ Sprache, damit muss man sich abfinden.“ Klein, aber keineswegs am Aussterben.

Fernand Fehlen, Andreas Heinz: Die Luxemburger Mehrsprachigkeit. Ergebnisse einer Volkszählung. transcript Verlag, 193 S.

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