„Mäin éischt Null Offallbuch“: Individualisierung für die Kleinsten

Mit einem Bilderbuch richtet sich die Ëmweltberodung an Kinder. Durch die Geschichte von Betti und Litti sollen sie lernen, wie man Abfall richtig trennt. Dabei fällt die Botschaft hinter das zurück, was in den 1990er-Jahren vermittelt wurde.

Betti und Litti sind zwei Fantasiewesen, die ein wenig wie Maulwürfe mit Hörnern aussehen. An Bettis Hörnern sind schöne Blätter, weil sie sich um die Umwelt kümmert. Litti hingegen verschmutzt seinen Garten und die Natur, deswegen hat er all seine Blätter verloren. Das ist die – bereits ziemlich fragwürdige – Ausgangssituation von „Mäin éischt Null Offallbuch“, das vom Verein Ëmweltberodung Lëtzebuerg herausgegeben wurde.

Im weiteren Verlauf des Bilderbuches zeigt Betti Litti, wie man Abfall richtig trennt, wiederverwertet und entsorgt. Auf ihrer Reise kommen die Beiden zuerst bei einem Repair-Café vorbei und alles, was sie dort nicht loswerden, kommt in ein Ressourcenzentrum. Nach und nach lernt Litti, wie leere Spraydosen, alte Glasflaschen, Metall- und Holzabfälle, Elektroschrott und Plastikflaschen zu neuen Rohstoffen verwertet werden. Und an jeder Station wächst Litti ein neues Blatt an seinen Hörnern. Am Ende bauen die Fantasiewesen aus Littis altem kaputten Schuppen neue Gartenmöbel, legen einen Komposthaufen an und gehen in den Unverpackt-Laden einkaufen.

Die Illustrationen von Medakovic Drazen sind liebevoll, detailliert und werden Kinder sicherlich ansprechen. Auch die Informationen, aus welchen Abfallmaterialien und mit welchen Methoden neue Ressourcen gewonnen werden können, sind gut für die Zielgruppe aufgearbeitet. Allerdings bleibt die Botschaft fragwürdig: Einerseits legt die Metapher von Littis verschwundenen Blättern nahe, dass Umweltsünder*innen am Aussehen erkannt werden können und andererseits gibt es in der Welt von Betti und Litti nur individuelle Verantwortung für Abfall. Die Möglichkeit, dass es kollektive, politische Maßnahmen braucht, um beispielsweise die Reparierbarkeit von Elektrogeräten sicherzustellen oder unnötige Plastikverpackungen einzudämmen, wird gar nicht erst erwähnt.

Eigentlich waren wir da schon einmal weiter: In den 1990er-Jahren wurden Umweltbotschaften mittels Hörspielen auf Kassette an Kinder vermittelt, so zum Beispiel durch „Déierchen a Gefor“ der Superdréckskëscht oder durch „Mam Yuppi op der Yupiter“ von Jang Linster (und der Supermarktkette Cactus). In beiden Hörspielen wurde zwar durchaus auch an die individuelle Verantwortung appelliert, es traten jedoch auch böse Geschäftsleute auf, die von Umweltverschmutzung profitierten.

„Mäin éischt Null Offallbuch“ kann von privaten Haushalten bei der Ëmweltberodung Lëtzebuerg für fünf Euro plus Versandkosten bestellt werden. Schulen werden über ihre Gemeinden damit beliefert. Auf der Website emweltbuch.lu finden sich neben der Bestellmöglichkeit auch pädagogische Materialien, um das Abfallthema weiter zu vertiefen.


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