Mobilität: Atlas der Baustellen

von | 05.02.2021

Nicht nur in Luxemburg ist Mobilität ein Dauerthema. Der „European Mobility Atlas“ zeigt die Baustellen auf, die nachhaltigem Transport in Europa noch im Weg stehen.

Die Zahl der Arbeitsplätze in der Fahrrad-industrie steigt kontinuierlich. (Grafik: Böckmann, Duwe-Schrinner, Kurzhöfer (M), CC BY 4.0)

2021 ist das europäische Jahr der Schiene. Ziel ist es, den Eisenbahnverkehr sowohl für Güter als auch für Personen wieder attraktiver zu gestalten. Diese Initiative ist Teil des Green Deals, mit dem die EU bis 2050 klimaneutral werden will. Dazu gehört selbstverständlich auch die Dekarbonisierung der Transportsysteme. Der European Mobility Atlas, der am 3. Februar von der deutschen, grünennahen Heinrich-Böll-Stiftung präsentiert wurde, gibt einen Überblick über Chancen und Probleme bei der europäischen Mobilität.

Der Billigflug-Trend hat Fernreisen mit dem Zug beinahe komplett ersetzt. Doch das könnte sich ändern, denn durch die Covid-19-Krise ist der Flugverkehr beinahe komplett zusammengebrochen. Fast überall in Europa haben die Staaten millionenschwere Hilfspakete für diese klimaschädliche Industrie geschnürt. Lediglich in zwei Ländern wurden verbindliche Klimaziele festgelegt, nämlich in Österreich und Frankreich. Der entsprechende Artikel im Atlas zeigt, dass der Traum vom „grünen“ Fliegen noch weit entfernt ist.

Allerdings gilt das auch für ein europäisches Zugnetz, in dem Reisen unkompliziert und billig zu buchen sind. Der Atlas zeigt nicht nur, dass viele der Nacht- und Reisezüge, die früher quer über den Kontinent führten, nicht mehr existieren, sondern auch die immer noch existierenden Lücken und Hürden. Eine davon ist die unterschiedliche Netzspannung der Oberleitungen, von denen es mindestens fünf Varianten gibt – und die unterschiedlichen Spurweiten der Schienen wurden noch gar nicht erwähnt. Zum Atlas gehört auch ein Poster, das neue, aber auch leider stillgelegte Zugverbindungen in Europa zeigt und deutlich macht, wie viele Möglichkeiten es eigentlich noch gäbe.

Hoffnung auf zwei Rädern

Manche Artikel des Atlas geben jedoch auch Grund zur Hoffnung. Eine Überblickskarte über das europäischen Radwegenetz stimmt optimistisch. 17 Radrouten führen über insgesamt 90.000 Kilometer durch 42 Länder. Überhaupt scheint die Zukunft auf zwei Rädern zu liegen: Während die Zahl der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie sinkt, steigt ihre Zahl in der Fahrradindus- trie, und das nicht nur seit Beginn der Pandemie. Vor allem der Verkauf von Elektrofahrrädern ist ein Treiber dieser Entwicklung. In Deutschland sind die Autoverkäufe 2020 um 18 Prozent gesunken, der Verkauf von Fahrrädern und Sportausrüstung jedoch um beinahe 7 Prozent gestiegen.

Daneben werden in dem Band Themen wie die Rohstoffförderung für Akkus, der ungelöste Dieselgate-Skandal, Änderungen im Mobilitätsverhalten durch die Pandemie und die Kosten des Verkehrssystems behandelt. So zeigt eine Karte, in welchen europäischen Ländern die Benutzer*innen von Straßentransport diesen auch bezahlen. Während in Dänemark durch eine hohe Autosteuer 99 Prozent der Kosten für Straßen gedeckt sind, ist Luxemburg Schlusslicht: Lediglich 17 Prozent der Kosten werden durch Steuern und Abgaben gedeckt.

Der Atlas kann kostenlos auf der Website der Böll-Stiftung, eu.boell.org, herunter-geladen oder in gedruckter Form bestellt werden.

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