„Nachhaltige“ Investitionsfonds: Neuer Deckmantel

von | 13.03.2026

Hunderte angeblich „nachhaltige“ Fonds in Luxemburg haben sich schlicht umbenannt, um neue Standards zu umgehen und weiter in fossile Brennstoffe zu investieren. Eine EU-Regelung könnte dies ändern – wenn sie nur ambitionierter wäre.

Was grün leuchtet, ist gut fürs Klima – die Greenwashing-Strategie ist auch bei Fonds mit nachhaltig klingenden Namen beliebt. (Copyright: Dirtyharry667 at English Wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons)

Der Luxemburger Finanzplatz ist noch weit davon entfernt, klima- und zukunftsgerecht zu sein. Die Regierung verweist stolz auf die Schlüsselrolle, die der Sektor spiele, und warb etwa auf der vergangenen Klimakonferenz mit seinen „grünen“ Investitionen („Auf Zehenspitzen ums Feuer“, woxx 1864). Doch wie schon beim Pensionsfonds, ist bei vielen Finanzprodukten vor allem nur der Name oder das Logo grün. Schuld daran ist der Mangel an verbindlichen Standards.

So gelten seit dem vergangenen Mai neue Richtlinien der europäischen Aufsichtsbehörde „Esma“, die darauf zielen, das Greenwashing im Finanzsektor zu verringern und für mehr Transparenz zu sorgen. Für Fonds, deren Namen mit Begriffen wie „Umwelt“, „Klima“ oder „Impakt“ Nachhaltigkeit suggerieren, heißt dies: Mindestens 80 Prozent ihres Vermögens muss in tatsächlich nachhaltige Aktivitäten fließen. Fonds, die angeben, sie seien konform mit dem internationalen Pariser Abkommen, dürfen auch nicht länger in Unternehmen investieren, deren Einnahmen überwiegend aus fossilen Brennstoffen kommen.

Wirklich wirksam waren diese Regeln aber bisher nicht, denn sie sind leicht zu umgehen. Laut einer im Februar veröffentlichten Studie der Recherche-Organisationen „Urgewald“ und „Finanzwende“ zusammen mit „Facing Finance“ haben europaweit gerade mal 293 von über 14.000 im Oktober 2025 analysierten „Nachhaltigkeitsfonds“ ihre entsprechenden Wertpapiere verkauft. In Luxemburg lag die Zahl bei 121, wie die Umweltschutz-NGO „Greenpeace“, die die nationalen Zahlen hat, der woxx gegenüber bestätigt.

Die große Mehrheit – insgesamt 604 Fonds mit einem Investitionsvermögen von 11,4 Milliarden Euro, in Luxemburg sind es deren 231 – haben sich kurzerhand einfach umbenannt. Viele der neuen Namen erwecken dabei weiterhin den Anschein von Nachhaltigkeit – etwa mit Begriffen wie „advanced“ oder „screened“ –, umgehen aber so gezielt die Esma-Vorgaben. Ganze 153 Fonds haben hierzulande die Regeln schlicht ignoriert: Weder Namen noch Investitionen in Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro wurden geändert. Die Richtlinie reguliert außerdem nur die Namen der Fonds: Auf ihren Websites oder sozialen Medien können Vermögensverwalter*innen weiterhin mit nachhaltigkeitsbezogenen Begriffen werben.

Viele Fonds werden die bestehenden Lücken weiterhin ausnutzen, um Anleger*innen mit vermeintlich nachhaltigen Investitionen anzulocken.

Das Greenwashing bleibt somit bestehen. Rund drei Viertel des Geldflusses aller analysierten Fonds gingen weiterhin in klimaschädliche Aktivitäten und an Unternehmen wie den französischen Klimasünder „TotalEnergies“. Momentan arbeitet die EU-Kommission an einer Anpassung ihrer 2021 Regulierung „Sustainable Finance Disclosure Regulation“ (SFDR), um bestimmte Investitionen in fossile Brennstoffe zu verbieten. Fonds, die nachhaltig sein wollen, sollen demnach in drei Kategorien sortiert werden, wobei eine noch viel zu lax ist: Sie nennt sich „ESG-Grundlage“. Nur in bestimmte Kohleunternehmen sollen Fonds dieser Kategorie nicht länger investieren können – Geldanlagen in Förderungsprojekte für Gas- und Erdöl sollen weiterhin erlaubt sein. „Über 100 Milliarden Euro fossile Investitionen könnten so weiterhin als ‚nachhaltig‘ vermarktet werden“, warnt Greenpeace.

Viele Fonds werden die bestehenden Lücken weiterhin ausnutzen, um Anleger*innen mit vermeintlich nachhaltigen Investitionen anzulocken. Immerhin hat die Vergangenheit gezeigt, dass es beim „grünen“ Finanzplatz vor allem um Marketing geht. Die Nachfrage steigt jedenfalls; immerhin verzeichnen Fonds, die mit den nachhaltigen ESG-Kriterien werben, fast 60 Prozent der Investitionen auf dem europäischen Markt, wie Urgewald angibt. Für Privatanleger*innen ist jedoch schwer nachzuvollziehen, inwiefern ein „nachhaltiger“ Fonds tatsächlich zukunftsgerecht investiert.

Konkrete Risiken birgt dies nicht nur für Klima, Umwelt und Artenvielfalt. Auch die Glaubwürdigkeit von Aufsichtsbehörden, wie der hiesigen CSSF, die eigentlich mitgeteilt hatte, die Emsa-Leitlinien in ihre Prüfprozesse einbinden zu wollen, steht auf dem Spiel. Will die Regierung glaubhaft um einen „grünen“ Finanzplatz werben, täte sie gut, sich auf EU-Ebene für einen strikteren SFDR-Vorschlag einzusetzen. Ansonsten entsteht ein neues Schlupfloch für Greenwash-Akteure.

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