Nomadic Island: Differdingen ist eine Insel

Auf dem Differdinger Thillebierg wird für gewöhnlich gekickt, jetzt sind unweit des Fußballstadions internationale Künstler*innen eingezogen: Das Projekt „Nomadic Island“ verbindet Nachhaltigkeit mit Kunst.

Manchmal ist der Weg zur nächsten Insel nicht weit: „Nomadic Island“ ist ein Kulturprojekt auf dem Thillenberg in Differdingen, das internationale Kunstschaffende und Bürger*innen vereint. (© Hejnjahns, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Kontrastprogramm zum Torjubel: Noch bis zum 7. August läuft auf dem Parkplatz des Fußballstadions „Stade de Thillenberg“ das Kunstprojekt „Nomadic Island“. Mit Sandstränden und Palmen hat das allerdings wenig zu tun. Das Künstler*innencamp will vor allem eins: Das Publikum für alternative Lebens- und Arbeitsweisen sensibilisieren, inmitten grüner Wälder und Ruinen der Eisenindustrie.

Initiator*innen der Insel sind Neckel Scholtus, Fotografin, und Gianfranco Celestino, Choreograf. Beide haben eine Affinität zu alternativen Kunstprojekten. Scholtus hat 2009 den „Roulot’graphe“ ins Leben gerufen: einen Wohnwagen, der eine Camera Obscura in sich birgt. Ein Ziel dieses Konzepts ist es, Menschen jeden Alters an die Fotografie heranzuführen. Celestino ist der Gründer von „Friday Island“: Die Organisation, der zahlreiche luxemburgische Künstler*innen angehören, führt soziokulturelle Veranstaltungen durch. Sie trägt das Projekt „Nomadic Island“ mit.

Höhenflüge und Tacheles

„Neckel und ich haben beide bereits an nomadischen Kulturveranstaltungen mit soziokulturellem Charakter teilgenommen und welche organisiert. Wir wollten unsere Erfahrungen zusammenbringen und dieses neue Konzept für Esch2022 kreieren“, wird Celestino in der Pressemitteilung zum Projekt zitiert. „Wir haben nach Wochen der gemeinsamen Ideensuche beschlossen, dass die Nachhaltigkeit und die Sensibilisierung des Publikums hierfür zentrale Schwerpunkte des Projekts sein sollten – neben den Aspekten Kunst und Gemeinschaft.“ Diesen Grundgedanken haben die beiden in eine Künstler*innenresidenz übersetzt: Sie wählten aus 150 Kandidaturen elf Künstler*innen aus – darunter die luxemburgische Multimediakünstlerin Cristina Picco –, die den Platz nun bespielen. Darüber hinaus können sich wöchentlich bis zu zehn Erwachsene an der Gestaltung des Raums beteiligen. Die Teilnahmegebühr beträgt zehn Euro pro Tag und bedarf einer Anmeldung. Auch Jugendliche können sich einschreiben.

© Neckel Scholtus

Wer die Insel besuchen will, ohne selbst Hand anzulegen, kann das ebenfalls tun. An diesem Freitag, dem 29. Juli, findet ab 18 Uhr eine Konferenz mit dem Titel „Direct Democracy, Degrowth & System Change“ statt. Rednerin ist die Sozialökologin Eleanor Finley – eine Aktivistin, Dozentin und Autorin, die gerade ihre Doktorarbeit an der University of Massachusetts Amherst abschließt. Übers Wochenende gibt es außerdem von 14 bis 18 Uhr geführte Touren durch das Camp. Die Sprache der Führung wird der jeweiligen Gruppe angepasst, die Plätze pro Rundgang sind auf 20 Personen begrenzt.

Auch in der ersten Augustwoche hat das Projekt einiges zu bieten: Am Mittwoch, dem 3. August, gibt es für zehn Euro Eintrittsgeld ein veganes Mittagessen sowie die Möglichkeit, sich mit den Künstler*innen und Bewohner*innen des Camps auszutauschen. Am 5. August stehen gleich zwei Programmpunkte auf dem Plan: Das unabhängige Theaterkollektiv „Resilient Revolt – Theatre of the Oppressed Munich“, das aus Umweltaktivist*innen besteht, lädt ab 17 Uhr zur Performance „High Up in the Trees – An Epic of Resistance“ und ab 18 Uhr zur „Nomadic Island Conference“ ein. Die Performance ist ein Stück über die Waldbesetzung im Dannenröder Forst im Oktober 2019, vermischt mit dem Epos von Gilgamesch.

Weiter geht es am Samstag, dem 6. August: Neben Rundgängen und einer Abschlusspräsentation der erarbeiteten Werke und gewonnenen Erkenntnisse können Interessierte ab 18 Uhr das Rundtischgespräch „Needs and Wants of Human Nature: Why Do We Need More?“ verfolgen. Die luxemburgische Philosophin Nora Schleich diskutiert dort mit Anne Franziskus vom Statec, Christopher Lilyblad vom United Nations Development Programme und Raquel Luna von Action Solidarité Tiers Monde. Das Abenteuer Nomadeninsel in Differdingen endet am Sonntag, dem 7. August mit einer Party. Für alle Veranstaltungen wird eine Anmeldung per Mail an contact@nomadic-island.com empfohlen. Weitere Informationen, auch zu den Möglichkeiten der Partizipation am Camp, gibt es unter nomadic-island.com.

Nomadic Island. Parking Stade de Thillenberg (54-74 Rue de l’Hôpital, 
4581 Differdange), bis zum 7. August.

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