Partizipative Baustelle Äerdschëff: Volle Kraft voraus!

Das ökologische Bauprojekt in Redingen an der Attert nimmt langsam aber sicher Form an, es bleibt jedoch noch viel zu tun. Um es voranzutreiben, ist jede*r willkommen mitanzupacken.

Das Innere des Äerdschëffs wartet darauf, belebt zu werden. (© Michelle Kleyr)

Die woxx berichtete bereits über das Bauprojekt der besonderen Art, welches vom Centre for Ecological Learning Luxembourg (Cell) 2016 initiiert wurde und seit letztem Jahr in Redingen konkret umgesetzt wird. Es handelt sich um ein „Earthship“, ein Konstruktionstyp, der auf dem Prinzip der Autarkie beruht, sowohl für die Versorgung mit Wasser und Strom als auch für die Temperaturregulierung. Der Rückgriff auf bereits bestehende Ressourcen als Baumaterial ist ein weiterer Pfeiler des aus den USA stammenden Architekturformates. Im letzten Jahr wurde das Fundament für das hiesige Projekt gelegt und die Rückwand errichtet. Diese besteht aus alten Reifen, die mit Erde gefüllt werden. Die Wiederverwendung dieses Wegwerfproduktes, das meistens als Brennstoff für die Zementindustrie endet, hat einen hohen Symbolwert für die Earthship-Community weltweit.

Nach der Winterpause und dem Lockdown ist das Äerdschëff nun wieder in einer heißen Phase. Das nicht nur wegen des Wetters. Das Gerüst bekam vor Kurzem ein Dach, Stein für Stein entsteht eine Trockenmauer, gerade kommen die Außenfenster, bald die Dämmung … Bis nächsten April muss das Gebäude funktionsfähig sein, so lange reicht das Budget.

Ein ganz besonderes Schiff

Ebenso ungewöhnlich wie die Earthships in der Architekturszene sind, so besonders ist das luxemburgische Äerdschëff auch unter seinen Verwandten. Der Bau ist nämlich kein Privatprojekt, sondern ein öffentliches Gebäude. Es entsteht auf dem Grundstück des anliegenden Gymnasiums und in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung Redingen. Das Konzept für die anschließenden Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes ist reich an Ideen. Mit pädagogischen Workshops für Schulklassen und ökologischen Fortbildungen für alle, soll es für eine Transition hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft stehen.

Die Funktion als öffentliches Gebäude legte dem Projekt zusätzliche Bürden auf. Nicht nur der theoretisch unnötige Anschluss an Strom- und Wasserleitungen musste den Regelungen entsprechend miteingeplant werden, das Dach musste zum Beispiel aufgrund fehlender Normen für die Berechnung der Tragfähigkeit der Altreifenwand auf eine hölzerne Unterkonstruktion mit Fundamenten gelegt werden. Eigentlich darf der geschützte Begriff „Earthship“ beim Redinger Projekt nicht benutzt werden, auch wegen ebendieser zahlreichen kleinen Kompromisse, durch die es vom ursprünglichen Konzept abweicht. Den langwierigen Prozess und die Kompromisse sieht das Cell-Team aber nicht negativ, das Pilotprojekt versteht sich durchaus auch als Lernprozess bei dem der Weg ebenso Ziel ist wie das Endresultat.

Das aktuelle Team des Äerdschëff vor Ort besteht aus zwei Angestellten des Cell, die gemeinsamen Projektleiterinnen sind beide ausgebildete Architektinnen. Unterstützt werden sie von zwei European Volunteers, die jeweils für ein Jahr das Projekt begleiten. Zurzeit werden ab September wieder zwei junge Europäer*innen gesucht, die im Rahmen dieses europäischen Programmes bei der Fertigstellung helfen wollen.

Gemeinsames Bauen

Das gemeinsame Bauen durch Freiwillige ist der letzte Grundpfeiler der Earthship-Idee. Durch die Organisation internationaler Freiwilliger konnte der erste Kraftakt, der Bau der Altreifenwand, letzten Sommer gemeistert werden. Das Äerdschëff-Team erhoffte sich für dieses Jahr, auf lokaler Ebene Begeisterte zu finden. Aufgrund der Pandemie mussten allerdings Gruppenaktivitäten, die ab April geplant waren, abgesagt werden.

Leider gibt es deshalb zurzeit nur wenige Anmeldungen von Leuten, die zur tatkräftigen Unterstützung vorbeikommen wollen. Da nun bald im Inneren gearbeitet werden kann, wird es in diesem Jahr keine Winterpause mehr geben. Auch fallen ab jetzt mehrere Bauaufgaben gleichzeitig an, sodass es für Neugierige und Ehrgeizige verschiedene interessante Tätigkeiten zu entdecken gibt. Neben der zeitraubenden Arbeit an der Trockenmauer, kommt nun das Einsetzen der Fenster und der Dämmung aus Hanfblöcken dazu, anschließend geht es bis hin zur Inneneinrichtung, mit Möblierung in der Endphase. Besonders wertvoll für das Projekt sind regelmäßige Helfer*innen, da sie die Zeit der Einweisung sparen und Teil des Teams werden. Um mit anzupacken, ist keinerlei Vorerfahrung nötig, es lässt sich viel Spannendes lernen und trotz Pandemie lassen sich viele internationale Kontakte knüpfen.

Über die kommenden Sommerwochen kann man das Äerdschëff montags bis donnerstags sowie jeden zweiten Samstag unterstützen. Um vorherige Anmeldung wird gebeten. Wer keine Zeit hat, kann aber auch durch Materialspenden von Gebrauchtem seinen Teil beitragen. Gesucht werden noch Dämmmaterialien, natürliche Steinplatten, Fliesen, Holzbretter, Kabelrohre, Glasbausteine und Verschiedenes für die Inneneinrichtung, nähere Informationen findet man auf der Webseite www.aerdscheff.cell.lu.


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