Pflegeversicherung: „Eine Flickarbeit“

von | 29.01.2018

Seit Anfang Januar ist die reformierte „assurance dépendance“ in Kraft. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Kritik daran berechtigt war, meint der Dachverband der Pflegedienstleister.

(Foto: Pixabay)

Eine definitive Evaluation könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht liefern, aber: „Was wir befürchtet haben, wird wohl auch eintreten: ein starker Rückgang der Leistungen im Vergleich zum Jahr 2017 und stärker noch im Vergleich zu 2016“. Gegenüber der woxx liefert Marc Fischbach, der Präsident des Dachverbands der Pflegedienstleister (Copas), zur Anfang Januar in Kraft getretenen Reform der Pflegeversicherung kein zuversichtliches erstes Resümee.

Von Anfang an hatten Copas, Patientevertriedung und auch die Chambre des salariés die geplante Reform mit massiver Kritik überzogen. Besonderen Anstoß fand bei allen das nun eingeführte Modell der Pflegestufen, das eine standardisierte Abrechnung erlaubt, wo früher die jeweils erbrachten Leistungen Punkt für Punkt aus den individuellen Pflegeplänen entnommen und abgerechnet werden mussten. Der für die Sozialversicherung zuständige Minister Romain Schneider hatte betont, das Stufenmodell erlaube es, die tatsächlich erbrachten Leistungen genauer zu überprüfen. Seine Kritiker behaupteten stets das Gegenteil.

Die Copas hatte zudem immer vor einer mit der Pauschalisierung einhergehenden Reduktion der spezialisierten Förderungsaktivitäten gewarnt, die sich nun laut Präsident Marc Fischbach tatsächlich beobachten lässt. Das gehe bereits aus den Zahlen hervor, die einzelne Einrichtungen bislang vermeldet hätten und betreffe vor allem Menschen, die einen höheren Pflegebedarf haben, so Fischbach: „etwa Leute mit einer fortgeschrittenen Demenz“. Zudem sei beispielsweise noch nicht klar, welche Personengruppen künftig überhaupt noch in den Genuss der „Hilfe zur Autonomie“ kommen werden.

Angst vor Stellenabbau

Die Vielzahl offener Fragen resultiert auch daraus, dass die für die Arbeit der Pflegeeinrichtungen entscheidenden Ausführungsbestimmungen der Reform teils erst kurz vor knapp veröffentlicht worden sind – das letzte règlement grand-ducal hierzu liegt gerade mal seit Mitte Dezember auf dem Tisch. „Wir kannten natürlich den Inhalt der Entwürfe, aber wir waren über die abschließende Form der Règlements im Ungewissen, was natürlich die Arbeit der Einrichtungen und Dienstleister weiter erschwert hat“, sagt Fischbach. Ein Jahr Vorlauf hatte sich die Copas für die Umstellung erbeten. „Dem wurde nicht Rechnung getragen, weshalb wir manche Probleme bekommen und Pannen erleben werden, die nicht notwendig gewesen wären, wenn man sich die nötige Zeit genommen hätte“, so Fischbach gegenüber der woxx.

Wie massiv der befürchtete Stellenabbau ausfallen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Allein durch die Streichung der sogenannten „courses-sorties“, also dem assistierten Einkaufengehen oder Verwaltungsgang falle jedoch laut Fischbach die Beschäftigung für 140 bis 160 gering qualifizierte Personen weg.

Anfang Februar will die Copas eine verbindliche Evaluation des ersten Monats nach Inkrafttreten der Assurance dépendance liefern. Für Marc Fischbach ist aber bereits jetzt klar: „Das war Flickarbeit, aber keine grundlegende Reform.“

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