Piratepartei: Der Boulevard-Pirat

von | 18.05.2019

Eine Website zeigt die Verbindungen zwischen Pirat Daniel Frères und „Lëtzebuerg Privat“ auf.

Kaum eine Wahlwerbung für Daniel Frères kommt ohne Hund aus. (Foto: Piratepartei)

Josée Lorsché und François Benoy (beide Déi Gréng) sind besorgt. Ein Kandidat für die Europawahlen einer anderen Partei, der auch Präsident eines Tierschutzvereins ist, hat in den letzten Wochen einige Schulen besucht, um dort Werbung für diesen Verein zu machen. Die Schüler*innen seien unter anderem aufgefordert worden, Geld für den Verein zu spenden oder Mitglied zu werden. Lorsché hat eine parlamentarische Anfrage gestellt, Benoy eine im hauptstädtischen Gemeinderat. Beide nennen den Namen nicht, aber es ist klar, dass es sich bei dem Kandidaten um Daniel Frères (Piratepartei) und bei dem Verein um „Give Us a Voice“ handelt.

Frères ist nicht die erste Person auf einer Wahlliste, die mit mehr oder minder gutem Grund kurz vor einer Wahl in einer Schule auftritt, aber gerade die Verknüpfung mit dem Tierschutzverein ist pikant. Wer für diesen spendet – etwa, weil ein Tierschützer das bei einem Schulbesuch nahegelegt hat –, rechnet damit, dass sein Geld für Tierfutter oder Veterinär*innenkosten verwendet wird. Doch „Give Us a Voice“ schaltet auch Werbeanzeigen auf Facebook. Mindestens zwei von diesen Anzeigen, die in den letzten Wochen aktiv waren, führten auf danielfreres.lu.

Die Website, im Piratepartei-Farbschema gehalten und mit dem Parteilogo versehen, wirbt für den Kandidaten Frères und stellt seine politischen Ansichten, vor allem zum Thema Tierschutz, vor. Auch ist zu erfahren, mit wie vielen Eseln und Ponys Frères zusammenlebt (jeweils drei). Ein Verweis auf die Europawahlen findet sich nicht, die letzten Fotos sind vom Sommer 2018. Die Domain wurde allerdings weder von Daniel Frères noch von der Piratepartei registriert, sondern von der „Boulevardpresse Sàrl“. Jene Firma, die neben der Boulevardzeitung „Lëtzebuerg Privat“ auch ein Tiermagazin namens „Wow“ herausgibt, in dem Frères und „Give Us a Voice“ stets prominent vorkommen.

Transparenz sieht anders aus

In der Parteizentrale will man nichts davon wissen. „Ich bin selbst überrascht über danielfreres.lu, da muss ich intern nachfragen, wie es zu so einer Situation kam“, schrieb Marc Goergen, Abgeordneter und Koordinator der Piratepartei, als die woxx ihn mit diesen Tatsachen konfrontierte. Wenig später lauteten die Resultate dieser Nachforschungen: Es gäbe keine Verbindungen zwischen der Piratepartei und Boulevardpresse, manche Kandidat*innen würden halt von „Lëtzebuerg Privat“ gelobt und andere nicht.

Die Website von Daniel Frères sei für den Gemeindewahlkampf 2017 erstellt worden, ohne dass die Partei selbst beteiligt gewesen sei, „wie man auch am Layout erkennt.“ Die Site ist bei dem Dienst wix.com erstellt worden, der sich an Nutzer*innen wendet, die nicht über technische Kenntnisse verfügen. Es mag nachvollziehbar sein, dass ein Kandidat im Gemeindewahlkampf schnell eine Website erstellen will und dabei nicht auf Parteiressourcen zurückgreift. Warum er zur Registrierung der Domain allerdings die Firma Boulevardpresse braucht, mit der seine Partei angeblich keine Verbindungen hat, ist schleierhaft.

Entweder hat außer Frères innerhalb der Piratepartei niemand den Überblick über das Geflecht zwischen ihm, Give Us a Voice und Boulevardpresse. Oder aber die Partei weiß davon und duldet es stillschweigend. Dafür sprechen auch die Recherchen, die Reporter.lu diese Woche veröffentlichte. Ein sauberer Wahlkampf, der auch den Transparenzforderungen, mit denen die Piraten einmal gegründet wurden, genügte, sähe vermutlich anders aus.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

Weibliche Genitalverstümmelung in Luxemburg

Im Nachgang einer UNICEF-Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) in Luxemburg, die im April 2026 veröffentlicht wurde, hatten die LSAP-Abgeordneten Claire Delcourt und Mars Di Bartolomeo eine parlamentarische Anfrage zum Thema gestellt. Vergangenen Montag erfolgte die Antwort, der sich neben den drei adressierten Minister*innen der...

NEWS

Wenn „ChatGPT“ parlamentarische Fragen beantwortet

Am vergangenen Montag veröffentlichte die Chamber die Antwort des Außenministers Xavier Bettel (DP) auf eine parlamentarische Frage der beiden LSAP-Abgeordneten Mars Di Bartolomeo und Yves Cruchten. Thema war der „Luxemburgplan“, den die saarländische Regierung Anfang Mai veröffentlichte. Die Antworten sind relativ nichtssagend und unkonkret –...

POLITIK

Tripartite : État providence !

L’accord tripartite conclu le 4 juin contente tout le monde : les salarié·es, les entreprises, les fonctionnaires, les agriculteurs et Luc Frieden. Face à la hausse des coûts de l’énergie, le premier ministre CSV a trouvé le chemin du dialogue social à grand renfort d’argent public.

NEWS

Foot, fric et répression

Le coup d’envoi de la Coupe du monde de foot 2026 a été donné ce 11 juin au stade Azteca de Mexico, pour une édition « qui s’annonce la plus lucrative jamais vue », selon Amnesty International. La FIFA prévoit de réaliser 11 milliards de dollars de recettes au fil des 104 matchs qui se joueront pendant six semaines aux États-Unis, au Mexique...