„Saudade, I Spoke Your Language“: Wo die Liebe Brücken baut

von | 16.10.2026

Der bulgarisch-luxemburgische Autor Flame Darinov beschreibt in seinem Lyrikband „Saudade, I Spoke Your Language“ eine Sprachgrenzen überschreitende Liebesgeschichte zwischen zwei Männern.

Flame Darinovs Debüt „Loose-Leaf Poetry“ erschien 2023. In diesem Jahr legte er mit „Saudade, I Spoke Your Language“ nach. (© Pit Reding)

30 Texte brauchte es, um dieser Liebe, über die Flame Darinov schreibt, eine angemessene literarische Form zu geben. Teils auf Englisch, teils auf Portugiesisch verfasst sind die Gedichte, die, wie der Autor der woxx verrät, größtenteils auf wahren Begebenheiten beruhen.

Der Band „Saudade, I Spoke Your Language“ erzählt nämlich von der Zeit, in der Darinov sich in einen brasilianischen Mann verliebte und sich dadurch vertieft mit der portugiesischen Sprache auseinandersetzte. Dem jungen Autor ist wichtig, dass seine Werke inklusiv und für alle zugänglich sind, wie er im Gespräch mit der woxx unterstreicht. Seine eigenen Erfahrungen dienen in dieser Erzählung als Spiegel der Realität, und die Sprache ist laut ihm das Licht, das reflektiert wird. „Es sind ganz private, ganz intime Erfahrungen, die ich versuche, hier in ein Erlebnis zu verwandeln, das für jeden zugänglich und nachvollziehbar ist“, erklärt Darinov.

Bei seinen Gedichten sei auch nicht alles notgedrungen wortwörtlich zu verstehen: „Poesie kann beängstigend sein. Die Leute glauben, sie müssten die Mechanismen dahinter verstehen und bei jedem Gedicht die richtige Antwort kennen. Sie befürchten, sich zu blamieren.“ Als Linguist und Dichter versucht Darinov, sich gegen die veraltete Wahrnehmung von Poesie zu wehren, und experimentiert in diesem Band mit nicht-offiziellen, aber dennoch gut vertretenen Sprachen in Luxemburg. „Mehrsprachigkeit in Luxemburg bezieht auch die Sprachen mit ein, die man selbst nicht beherrscht“, sagt Darinov.

Der in Bulgarien geborene Poet und Spoken-Word-Künstler ist mit 18 Jahren nach Luxemburg gezogen und hat 2025 die luxemburgische Staatsbürgerschaft erlangt. In seinen Gedichten spielt diese Entwicklung seiner Identität eine wichtige Rolle. Sein Gedicht „Eis Kleng“ bezieht sich auf die Zugehörigkeit, die er Luxemburg gegenüber empfindet. Es handelt von der Schueberfouer und drückt aus, dass Daroniv nicht nur einen neuen Wohnort gefunden, sondern auch die lokale Kultur als Teil seines Lebens angenommen hat.

Flame Darinov: „Saudade, I Spoke Your Language“, poems, Blackfountain Press, 2026

Zum Gedichtband im Allgemeinen merkt er an: „Dieses Werk habe ich verfasst, um darauf hinzuweisen, dass wir hier in Luxemburg zwei Sprachen haben, die eine große Rolle spielen, doch nicht öffentlich anerkannt werden. Seltsamerweise suchen wir die Verbindung zwischen den beiden nicht. Das wollte ich mit meinen Gedichten erreichen: Verbindungen dort finden, wo sie andere nicht suchen.“

Seiner Meinung nach solle man neugierig bleiben und bereit sein, etwas Neues dazuzulernen. Das war auch der Grund dafür, dass Darinov die auf Portugiesisch verfassten Teile anfänglich nicht zu übersetzen beabsichtigte. Für ihn sei die Freude am Lernen ein Gefühl, das er seinen Leser*innen gerne mitgeben wolle.

„Meine Idee war es, didaktische Gedichte zu schreiben, bei denen man die Sätze auch dann verstehen kann, wenn man nicht jedes einzelne Wort kennt. Wir leben in einer Zeit, in der man alles problemlos googeln kann. […] Selbstverständlich findet der Veröffentlichungsprozess zwischen mehreren Parteien statt. Schlussendlich haben wir uns dazu entschlossen, Übersetzungen hinzuzufügen.“

Man solle dennoch die Augen offen halten, betont Darinov. Sprachen seien chaotisch, und nicht alles passe in eine Schublade. „Saudade, I Spoke Your Language“ handelt davon, wie sich Liebe über Kulturen und Sprachen hinwegsetzt.

Flame Darinov: „Saudade, I Spoke Your Language“, poems, Blackfountain Press, 2026

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPPLITERATUR

Roman : Léa ou la théorie des systèmes complexes

La forme du texte – des colonnes de phrases courtes, mais denses en informations – peut d’abord dérouter. C’est pourtant à ce rythme saccadé que Ian De Toffoli nous entraîne dans deux histoires qui s’entrecroisent : celle de Léa, jeune femme née à Luxembourg qui, prenant soudainement conscience de l’urgence écologique, en vient à se radicaliser contre Koch Industries, et celle de l’entreprise, dont la naissance et l’expansion nous sont contées en parallèle.

NEWS

EU-Kommission: Kohle für den Warlord

Die Europäische Union wird von nun an nicht nur die international anerkannte libysche Übergangsregierung in Tripolis, sondern auch den Warlord Khalifa Haftar unterstützen, dessen Parallelregierung in Bengasi sitzt. Das geht aus einem Brief hervor, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Vorabend des EU-Gipfels in Brüssel an die...

NEWS

Der Computer kennt nichtbinäre Geschlechteridentität

Das Luxemburger Personenstandsregister hat neben „männlich“ und „weiblich“ eine dritte Möglichkeit für einen Geschlechtseintrag. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Frage von Claire Delcourt (LSAP) hervor. Darin erklärt Digitalisierungsministerin Stéphanie Obertin (DP), dass das nationale Register der natürlichen Personen (RNPP)...

NEWS

Droit de vote à 16 ans : Déi Gréng relancent le débat

Les jeunes de 16 et 17 ans pourront-iels voter aux élections communales de 2029 ? C’est ce que défendent Déi Gréng dans une proposition de loi déposée le 13 octobre par Sam Tanson et Djuna Bernard. L’inscription automatique resterait néanmoins fixée à 18 ans, et l’âge minimal pour se porter candidat·e ne changerait pas. Mieux vaut y aller...