Schon gestreamt? Sharp Objects

Qualitativ hochwertige Serien liefen einst nur in den Monaten zwischen September und Mai an. Dank dem verstärkten Aufkommen von Streaming-Plattformen gibt es mittlerweile aber auch in den Sommermonaten einige Perlen zu entdecken. Eine davon ist die achtteilige HBO-Serie „Sharp Objects“.

© whats-on-netflix.com

Wie so viele Filme und Serien, beginnt „Sharp Objects“ mit der Ermordung eines Teenagers. Schauplatz ist die Kleinstadt Wind Gap, Missouri. Ein weiteres Mädchen wird vermisst. Ob wohl ein Zusammenhang besteht? Das soll Reporterin Camille Preaker (Amy Adams) herausfinden. Jahre zuvor hatte sie ihren Heimatort verlassen – nun kehrt sie aus professionellen Gründen zurück und zieht vorübergehend wieder bei ihrer Familie ein, die aus ihrer Mutter Adora (Patrica Clarkson), ihrem Stiefvater Alan (Henry Czerny) und ihrer Halbschwester Amma (Eliza Scanlen) besteht. Plötzlich kommen bei Camille alte Erinnerungen hoch, die den Zuschauer*innen mit teils längeren Flashbacks, teils sekundenlangen Einblendungen vermittelt werden. Schnell wird klar: In „Sharp Objects“ geht es weniger um die Aufklärung eines Mordfalls als um das Innenleben der Protagonistin.

In Wind Gap wird Camille keineswegs mit offenen Armen empfangen. Nicht nur die Stadtbewohner*innen stören sich an ihren Fragen, auch ihrer Mutter ist die unangepasste Camille ein Dorn im Auge. Schon rein äußerlich wird sie als Außenseiterin gezeichnet: Während Adora und Amma meist pastellfarbene Sommerkleider tragen, zieht Camille dunkle Hosen und langarmige Shirts vor. Scheint es sich bei der Kleiderwahl zunächst um ein reines Statement gegen Weiblichkeitsnormen zu handeln, zeigt sich irgendwann, dass mehr dahintersteckt.

Nach „Gone Girl“ (2014) und „Dark Places“ (2015) ist „Sharp Objects“  die dritte Verfilmung eines Romans der US-amerikanischen Autorin Gillian Flynn. Während die Schafferin der Serie, Marti Noxon, für ihren Netflix-Film „To the Bone“ viel Kritik einstecken musste, wird selbstverletzendes Verhalten in „Sharp Objects“ auf nuanciertere Weise dargestellt. Ohne in billigen Voyeurismus oder Effekthascherei zu verfallen, erforscht die Serie psychologische Ursachen solcher Verhaltensmuster. In vielerlei Hinsicht erinnert die Serie an die erste Staffel von Jane Campions „Top of the Lake“ (2013). Regie führte bei den insgesamt acht Folgen Jean-Marc Vallé, der sein Händchen für die Darstellung toxischer Beziehungen und komplexer weiblicher Figuren bereits mit der Serie „Big Little Lies“ (2017) unter Beweis stellen konnte.

Trotz der vielen Details, die ein höchst wachsames Auge erfordern, bedient „Sharp Objects“ im Laufe der Folgen immer wieder Konventionen von Krimi- und Mysterieserien, sodass die Serie für viele Geschmäcker etwas bereit hält. Der hervorragende Cast steigert den Sehgenuss um ein Vielfaches.

Auf  iTunes und Sky Go.


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