Schon gestreamt? Stage Mother

von | 30.06.2021

Eine Chorleiterin aus Texas übernimmt eine Gay-Bar in San Francisco und wird zur Ersatzmutter für die Drag Queens vor Ort. Mehr als Glitzer und Schönfärberei gibt der Film „Stage Mother“ nicht her.

Bildquelle: Screenshot/Imdb

Fehlen hier und da ein paar Fotos von Rickey (Eldon Thiele) als Erwachsener? Hängen auf Maybelline Metcalfs (Jacki Weaver) Kühlschrank keine Postkarten aus San Francisco? Der Film „Stage Mother“ legt nahe, dass Maybelline seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn Rickey hat. Ausführlich thematisiert wird dieser Konflikt allerdings nicht. Ähnlich verhält es sich mit anderen Aspekten des Films von Thom Fitzgerald, der 2020 Premiere feierte.

Eines Tages erfährt die Texanerin Maybelline, dass ihr Sohn Rickey, den sie wohl vor Jahren aufgrund seiner Homosexualität verstoßen hat, an einer Überdosis gestorben ist. Fest entschlossen sich von ihm zu verabschieden, widersetzt sich Maybelline scheinbar zum ersten Mal ihrem homophoben Ehemann und fliegt kurzerhand nach San Francisco.

Auf dem Begräbnis ist sie schockiert: Singende Drag Queens verabschieden den Leichnam ihres Sohnes. Maybellines Verwunderung hält nur kurz an. Gefühlt zwei Minuten braucht sie, um sich in der Drag-Szene wohl zu fühlen und den Entschluss zu fassen, die Gay-Bar ihres Sohnes zu übernehmen. Sehr zum Missfallen von Rickeys ehemaligen Partner Nathan (Adrian Grenier), der ihr zunächst bloß Vorwürfe macht und Beleidigungen an den Kopf wirft. Doch sie lässt sich nicht beirren.

Wenn Fitzgerald in „Stage Mother“ das Gefühl vermitteln will, dass hier zwei gegensätzliche Welten aufeinanderprallen und am Ende zusammenfinden, ist ihm das misslungen. Vielmehr erzählt er die Geschichte einer vorerst zurückhaltenden Frau, die Fehler aus der Vergangenheit wiedergutmachen will. Dabei kommt es ihr gelegen, dass Rickeys Kolleg*innen und Freund*innen alle Probleme haben, die Maybelline mit aufmunternden Wörtern zu lösen weiß.

Wie durch Zauberhand führt sie in ein paar Nächten alleinerziehende Mütter in Not, ehemalige Drogenabhängige, Überlebende sexualisierter Gewalt oder Menschen aus schwierigen Familienverhältnissen liebevoll auf den rechten Weg. „Stage Mother“ schenkt denen, die an der bedingungslosen Liebe elterlicher Figuren zweifeln, Hoffnung. Die oberflächlichen Charaktere wirken dabei oft hilflos und handlungsunfähig, sind von Maybelline – einer Außenstehenden – abhängig statt sich gegenseitig zu unterstützen. Auch die Tatsache, dass Suchterkrankungen und gewalttätige Sexbeziehungen im Film recht unkompliziert und schnell bewältigt werden, ist problematisch.

Ungeachtet des eigentlichen Potenzials der Geschichte, gibt sich „Stage Mother“ nicht genug Zeit, um mit Stereotypen zu brechen und Beziehungen zu entfalten. Der Film ist somit weder eine gelungene Ode an Drag Queens noch ein Tribut an die Figur Rickey, die das Publikum nicht kennenlernt. Wer sich allerdings mit frechen Dialogen und guten schauspielerischen Leistungen begnügt, wird auf seine Kosten kommen. Ein nuancierter Blick hinter die Kulissen der Drag-Szene bleibt dem Publikum letztendlich jedoch verwehrt.

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