Serien-Empfehlung: #heuldoch – Therapie wie noch nie

Sexualisierte Gewalt, aber lustig und nicht moralisierend, aber doch irgendwie mit dem nötigen Ernst – die Macherinnen von „#heuldoch“ haben sich ein eigenartiges Ziel gesteckt. Das Resultat ist eine Satireserie, die außer leichter Unterhaltung nichts zur MeToo-Debatte beizutragen hat.

Lin und Glorias Cover als Therapeutinnen droht jeden Moment aufzufliegen. (Foto: obs/ZDF/Robert Schittko)

„Die politisch unkorrekte Antwort auf #MeToo“, so die Tagline der deutschen Miniserie „#heuldoch“. Die Regisseurinnen Isabell Šuba und Lilli Tautfest scheinen hier ein Manko ausgemacht zu haben: Ihnen fehlt es offenbar an witzigen Serien über sexualisierte Gewalt, die Täter nicht allzu negativ darstellen. Quasi MeToo zum Wohlfühlen. Fast bekommt man den Eindruck, man hätte hier Männern mal eine kleine Pause von dieser lästigen Aufforderung zur Selbsthinterfragung bieten wollen.

Im Zentrum der fünfteiligen Serie stehen zunächst keine Belästiger oder Vergewaltiger, sondern zwei Frauen, Lin (Karin Hanczewski) und Gloria (Bärbel Schwarz), die gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen sind. Auf der Suche nach einem Versteck landen sie auf einem riesigen Anwesen, sie brechen ein und übernehmen für ein paar Tage die Identität der Besitzerin, Dr. Charlotte Scharf, in der Hoffnung, sich an deren Patienten bereichern zu können. Genau genommen gibt Gloria sich für die Verhaltenstherapeutin aus, Lin für deren Assistentin. Was die beiden erst nach und nach herausfinden: Die vier Patienten, die sie zu therapieren vorgeben, sind allesamt überführte Sexualstraftäter. Völlig freiwillig sind die nicht da: Sie erhoffen sich von der Therapie mildere Urteile vor Gericht.

In der deutschen Presse erntete die Serie einhelliges Lob. „Eine Comedyserie über sexualisierte Gewalt – geht das? Es geht sogar ganz hervorragend, zeigt ‘#heuldoch – Therapie wie noch nie’“, heißt es auf Deutschlandfunk Kultur. Dass Comedy und MeToo gut zusammengehen, dürfte mittlerweile dank einiger beeindruckender Produktionen keine Überraschung mehr sein. So etwa „GLOW“, „Tuca and Bertie“ oder „The Bold Type“. Auch in Stand-up-Specials wurde das Thema sexualisierte Gewalt immer wieder humorvoll aufgegriffen. Man denke da etwa an Hannah Gadsbys „Nanette“ oder Cameron Espositos „Rape Jokes“.

Nur ist in diesen Fällen das Zielpublikum ein ganz anderes als bei „#heuldoch“. Letztere ist die Sorte Serie, die sich Männer mit ihren Partnerinnen anschauen können, ohne fürchten zu müssen, dass eine ungemütliche Diskussion aufkommt. Es ist auch die Sorte Serie, die nicht riskiert, irgendjemandem den Spiegel vorzuhalten. Dafür sind die Männer zu karikativ monströs dargestellt. Sie sagen plakative Dinge wie „Ist ja nicht das erste Mal, dass eine sagt so ‘bla ich bin eigentlich jünger’. Dann schieb ich da 50.000 rüber und dann ist das Ding durch so“.

Sieht man darüber hinweg, dass „#heuldoch“ absolut nichts zur MeToo-Debatte beizusteuern hat, vermag sie es durchaus, eine vergnügliche Zeit zu bescheren. Trotz politischer Unkorrektheit als proklamiertem Ziel ist die Serie dann doch eher harmloser Spaß, der zwar nicht hilft, dafür aber auch keinen Schaden anrichtet. Schneller Rhythmus und teils sehr gelungene Situationskomik lassen keine Langeweile aufkommen, die Schauspieler*innen sind in Höchstform. Im Grunde ist „#heuldoch“ ein 90-minütiger Film, der in fünf geteilt wurde: Die Formel eignet sich perfekt für einen kleinen Happen Unterhaltung zwischendurch.

Dennoch kann man angesichts der Prämisse der Serie nur die Stirn runzeln. MeToo humorvoll aufgreifen, ohne erhobenen Zeigefinger – gar nicht so einfach. Wieso sich überhaupt ein solches Ziel setzen, kann man sich da nur fragen. Wieso nicht einfach eine leichte Komödie über ein leichtes Thema machen?

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