Serien Empfehlung: Killing Eve

Am Sonntag kam die dritte Staffel dieser von Phoebe Waller-Brigde geschaffenen BBC-Serie zu Ende – die bisher beste.

Villanelle und Eve können nicht mit- und nicht ohne einander. Bild: BBC America.

Es beginnt als Katz-und-Maus-Spiel zwischen einer Kriminellen und einer Geheimagentin. Eve (Sandra Oh) ist ohne Zweifel fasziniert von dieser weiblichen Psychopatin, doch besteht kein Zweifel daran, dass sie Villanelle (Jodie Comer) hinter Gitter bringen will. Diese ist ihrerseits mindestens genau so fasziniert von Eve.

In den ersten beiden Staffeln lebte die Serie von der Extravaganz der Figur Villanelle und der sie vorzüglich verkörpernden britischen Schauspielerin Jodie Comer. Gleichzeitig wurde es zunehmend absurder, dass sie für ihre Taten nie zur Rechenschaft gezogen wurde. Als das Ende der zweiten Staffel dann auch noch fast identisch war mit dem der ersten, schien die Luft gänzlich raus aus dieser Serie, die doch so vielversprechend begonnen hatte. Fast wirkte es so, als wären sich die Macher*innen selbst im Unklaren gewesen, was sie nach der ersten Staffel noch erzählen wollten, und hätten in ihrer Not das ursprüngliche Erfolgskonzept einfach in neuem Gewand präsentiert.

Umso erfreulicher, dass die dritte Staffel neue Dynamiken ins Spiel bringt, die auf dem Etablierten aufbauen und es konsequent weiterführen. Nach außen hin sind die Figuren zwar am Ende der Staffel mehr oder weniger da, wo sie zu Beginn waren, doch die inneren Entwicklungen sind enorm. Eve verabschiedet sich von ihrem alten Leben und nimmt sich immer weniger als moralisches Pendant zu Villanelle wahr. Diese hat ihr bisheriges Dasein ebenfalls satt. In einer Folge, in der sie ihrer Mutter einen Besuch abstattet, erfahren wir erstmals etwas über ihre Kindheit und den Grund für ihre antisoziale Persönlichkeit.

Die Erfahrung bringt für Villanelle einen Stein ins Rollen. Zum ersten Mal reicht ihr aufregender, luxuriöser Lebensstil ihr nicht mehr, sie sehnt sich nach Normalität und Geborgenheit. In dem Sinne unterscheidet sie sich stark von anderen Bösewichten und Antiheld*innen wie etwa Claire in „House of Cards“, Joe in „YOU“ oder Selina in „Veep“: Sie ist sich nicht nur bewusst, dass sie böse und empathielos ist: Sie leidet darunter und äußert das Bedürfnis, sich zu ändern.

In der dritten Staffel ist Villanelle weit mehr als nur Antagonistin für Eve: Sie ist eine ausgereifte Figur mit einem komplexen Innenleben. Es lässt sich sogar argumentieren, dass wir am Ende der dritten Staffel mehr über Villanelles Handlungsmotive wissen als über Eves. Dabei bedient die Figur durchaus Stereotype. Was sie jedoch so besonders und interessant macht, ist die Art und Weise, wie diese miteinander kombiniert werden. Sie ist zugleich kindlich und gefährlich, kompromisslos und humorvoll, gewaltbereit und charmant, Femme fatale und queer. All das macht sie zum Inbegriff von Freiheit: Die Welt ist ihre Spielwiese.

Ihr Verhältnis mit Eve hat starke Ähnlichkeiten mit dem zwischen Piper und Alex in „Orange Is the New Black“. Während in letzterem Fall der Fokus jedoch stärkerer darauf lag, dass Alex nicht gut für Piper ist, geht es in „Killing Eve“ zunehmend um etwas anderes: Eve erkennt in Villanelle etwas von sich selbst, dem sie nicht widerstehen kann. Die Frage ist weniger, wann sie sich von Villanelle distanzieren wird, sondern vielmehr, wann sie sich ihr – und damit ihrer dunklen Seite – hingibt. Als Zuschauer*innen fiebern wir nicht dafür, dass Villanelle zur Rechenschaft gezogen wird, sondern dafür, dass sie und Eve gemeinsam durchbrennen.

Das Team hinter der Serie will indes glauben machen, dass zwischen den beiden Protagonistinnen keinerlei romantische Anziehung besteht. Noch vor einem Jahr behaupteten sich Schauspielerinnen Sandra Oh und Jodie Comer in Interviews darauf, dass Eve und Villanelle lediglich befreundet sind. In Anbetracht dessen, dass die beiden mittlerweile Telefonsex miteinander hatten und sich geküsst haben, stellt sich die Frage: Wird hier eine sexuelle Attraktion vorgegaukelt, um ein LGBTQIA-Publikum bei der Stange zu halten?

In einer zweigeschlechtlichen Konstellation wäre es ohne Zweifel bereits zu einer Affäre gekommen, wie etwa in „Homeland“. Zum Glück handelt es sich bei Villanelle allerdings nicht um einen Mann, denn gerade ihre Queerness, ihre Outfits und die Art, wie sie ihre Weiblichkeit und ihre Sexualität zu ihren Zwecken einzusetzen weiß, machen sie zu einer der interessantesten Figuren der Seriengeschichte.

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