Geschlechtsneutrale Klos: Verkackt

von | 05.02.2026

Die Regierung hat schlecht kommuniziert, manche Medien haben versagt – und Rechtsextreme freuen sich: Sie können wieder gegen die LGBTIQA-Gemeinschaft hetzen.

So ungefähr stellt sich die ADR ein ideales Schulklo vor – leider sind die Graffiti nicht auf Luxemburgisch. (Foto: timbo/Pixabay)

Vergangene Woche beglückwünschte der Autor dieser Zeilen die CSV-DP-Koalition dafür, sich nicht von der patriotischen Pissoirverteidigung der ADR beirren zu lassen. Die Tinte war noch nicht trocken, da knickte die CSV bereits ein. Niemand sollte auf die Idee kommen, die Partei der christlichen Bankenliebe, schon gar nicht ihr Präsident Luc Frieden, könnte etwas mit Nächstenliebe, Mitgefühl oder dem Schutz von Minderheiten zu tun haben. Also mit dem, was die ADR als „woke“ bezeichnet, obwohl dieser Begriff historisch eine andere Bedeutung hat. Das, obwohl die CSV-Abgeordneten in der entsprechenden Kommissionssitzung letzte Woche keinerlei Unmut äußerten. Im Gegenteil: Der Abgeordnete Jean-Paul Schaaf regte sogar an, die Klos mit Anti-Diskriminierungsbotschaften zu versehen.

Die Art und Weise, wie das Projekt präsentiert wurde, war fahrlässig. Es ist kaum zu glauben, dass Claude Meisch und Yuriko Backes (beide DP) nicht mitbekommen zu haben scheinen, wie brutal die Diskussionen über trans Menschen und ihrem Zugang zu Klos im Ausland geführt werden und wurden. Dabei kann Meisch eigentlich stolz auf sein Projekt sein: Es wurde gemeinsam mit der LGBTIQA-Gemeinschaft ausgearbeitet und entspricht weitgehend den wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie Toiletten und Umkleiden gestaltet werden sollten, damit sie für alle sicher und hygienisch sind.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Es gibt Forschung dazu. Der Verein „Intersex & Transgender Luxembourg“ hat sie in einem achtseitigen Dokument zusammengefasst. Diese Argumente wurden in der Kommissionssitzung jedoch nicht vorgetragen, das Konzept wurde nicht ausreichend erklärt, und die vorhersehbare Gegenreaktion von Rechtsextremen nicht antizipiert.

Zusätzlich zu dieser schlechten Kommunikation verschickt der mit Millionen geförderte Privatsender „RTL“ eine detail- und nuancenlose Push-Benachrichtigung mit dem Begriff „Unisex-Toiletten“ an die Nutzer*innen seiner App. Die ADR kann nun ihren Hass in das fruchtbare, von CSV und RTL gepflügte Feld säen. Selbstverständlich verzichtet sie dabei auf Argumente und setzt stattdessen darauf, dass die ablehnende Haltung schon verstanden wird. So können alle möglichen Ängste und Unsicherheiten auf das Thema projiziert werden. Am Ende wird eine relativ banale Sache zum Kulturkampf hochstilisiert. Auf „Facebook“ reihen sich rechte Influencer hinzu, die mit falschen Zahlen über vermeintliche Übergriffe auf geschlechtsneutralen Toiletten die Stimmung anheizen.

Die ADR kann ihren Hass nun in ein fruchtbares, von CSV und RTL gepflügtes Feld säen.

Die CSV kippt schließlich um und fährt eine social-media-Kampagne, die sie mit einer uralten Umkleidekabine illustriert. Auch hier gibt es keine Argumente, sondern nur diffuse Bauchgefühle. In einem RTL-Interview behauptete die LSAP-Abgeordnete Liz Braz, niemand habe nach geschlechtsneutralen Toiletten gefragt. Das ist eine falsche Behauptung, mit der sie zudem der LGBTIQA-Gemeinschaft einen Bärendienst erweist. Von zwei Parteien, die regelmäßig Regierungspersonal stellen, hätte man mehr erwarten dürfen.

Dass dann auch noch ehemalige Prestigemedien wie die „Süddeutsche Zeitung“ und die „NZZ“ in der ewigen Suche nach Clickbait über eine vermeintliche Regierungskrise „wegen Unisex-Toiletten“ berichten, hilft der Sache ebenfalls nicht. Schlussendlich rudert Claude Meisch zurück: Nun soll es eine schlechtere Lösung geben, die wirklich niemand wollte: ein drittes, separates, „geschlechterneutrales“ Klo. Eine solche Lösung begünstigt Mobbing – was auch in Luxemburg bereits dokumentiert ist, wie „Intersex & Transgender“ in ihrem Dokument betont.

Bei der Frage, wie Schultoiletten gestaltet werden sollen, geht es tatsächlich um Mitgefühl und den Schutz von Minderheiten – was man auch „Nächstenliebe“ nennen kann. Auch wer die Erfahrungen von trans Menschen nicht nachvollziehen kann und sich selbst im binären Geschlechtersystem wohlfühlt, kann dennoch empathisch reagieren. Besonders dann, wenn es um Kinder und Jugendliche geht, die Teil einer Minderheit sind. Sie sind es, die in den kommenden Jahren die Folgen schlechter Kommunikation und medialen Versagens ausbaden müssen.

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