The Breeders: Häkelnadel und Gitarrenriffs

Sie wollen es nochmal wissen: 
Nach zehn Jahren Sendepause hauen „The Breeders“ um die Frontsängerinnen Kim und Kelley Deal ein neues Studioalbum raus – und sind damit zum ersten Mal zu Gast in Luxemburg.

Mit Musik von „The Breeders“ auf den Ohren riecht die Welt nach Bier, feuchtem Tabak und Kellerklub. Sie dreht sich verkehrt herum, zurück in die frühen 1990er. Live und in Farbe gibt sich die amerikanische Alternativ-Rock-Band seit jeher unbeeindruckt von aufwendigen Lichtshows und minutiös durchdachten Bühnenauftritten. Ein paar Seifenblasen mussten im Juli 2018 beim Konzert im „O2 Ritz“ in Manchester reichen. Ähnlich unaufgeregt wie die Bühnenaufmachung ist das Hobby der Sängerin und Gitarristin Kelley Deal, die 2008 ein Häkel- und Strickbuch herausbrachte: „Bags That Rock“. Absurd? Ansichtssache. Umso mitreißender und derb ist dafür der Sound der Band. Ob Deal dazu ihre gehäkelten Einzelstücke am Merch-Stand anbietet, wird sich heute Abend im Atelier zeigen. Hier feiert die Band ihr Debüt in Luxemburg – und das nach dreißig Jahren Bandgeschichte.

„The Breeders“ wurden Ende der 1980er-Jahre aus der Unzufriedenheit zweier Musikerinnen heraus geboren. Verbittert darüber, dass sie in ihrer Band nur eine untergeordnete Rolle spielen durfte, widmete sich Kim Deal – Zwillingsschwester von Kelley und damals Bassistin der Erfolgsband „Pixies“ um Sänger und Songwriter Frank Black – einem eigenen Nebenprojekt. Damals tourten die „Pixies“ mit den „Throwing Muses“. Deren Sängerin und Gitarristin, Tanya Donelly, fristete ein ähnlich unbefriedigendes Dasein. Sie zog mit. Zusammen mit der Violinistin Carrie Bradley nahmen sie ein erstes Demotape auf. Das Independent-Label 4AD biss kurz später an. Kim hatte den Bandnamen ursprünglich für ein Projekt mit Kelley verwendet, die erst später zu „The Breeders“ stieß.

Für das Debütalbum „Pod“ rekrutierte das Duo Donelly-Deal die Bassistin Josephine Wiggs und den Schlagzeuger Britt Walford. „Pod“ wurde während einer Großbritannien-Tour der „Pixies“ in Edinburgh aufgenommen. Deren Stil färbte auf die „Breeders“ ab: laute Gitarren, starke Melodien und gnadenlose Texte. Gnadenlos, weil anders und aneckend. In „Hellbound“ heißt es zum Beispiel: „It lives, despite the knives internal.“ Ein Satz, der die Interpretation der Kritiker*innen fütterte, Kim Deal besinge das Schicksal eines abgetriebenen Fötus. Im „The Talkhouse Music Podcast“ kürte Deal die Textzeile 2015 zur unangenehmsten Zeile, die sie je geschrieben habe. Ihren Fans riet sie von einer entsprechenden Tätowierung ab.

Nach dem ersten Album widmeten sich die Musiker*innen anderen Projekten, bevor sie 1992 erstmals zusammen mit Deals Zwillingsschwester Kelley an neuen Stücken arbeiteten. Heraus kamen vier Lieder, die als EP unter dem Namen „Safari“ veröffentlicht wurden. Im selben Jahr wechselte auch die Besetzung: Jim Macpherson löste Walford am Schlagzeug ab, Donelly stieg aus und Kelley blieb. In der Konstellation tourte die Band durch Europa – und zwar als Vorband von „Nirvana“.

Einen Nummer-Eins-Hit landete sie noch nicht. Dafür reichte es 1993 aber immerhin für Platz fünf der UK-Albumcharts. Das Studioalbum „Last Splash“ hielt sich fünf Wochen in den Charts und wurde von der „British Phonographic Industry“ mit Silber ausgezeichnet. In den USA sahnte es nach 36 Wochen Chartplatzierung Platin ab. Mit der Singleauskopplung „Cannonball“ schaffte es die Band zwischenzeitlich sogar auf Rang zwei der „U.S. Billboard Hot Modern Rock Tracks“-Wochencharts. „Last Splash“ gilt bis heute als ihr kommerziell erfolgreichstes Album.

Auf den mittleren Durchbruch folgten Touren, wechselnde Bandmitglieder, ein weiteres Album und Soloprojekte. 2012 fand die Besetzung von „Last Splash“ wieder zusammen, um am 2. März 2018 schließlich das erste Studioalbum seit zehn Jahren zu veröffentlichen. Die Platte nennt sich „All Nerve“ und knüpft an die harten Riffs und den Sound von damals an. Zwar fließen hier und da neue musikalische Impulse ein, doch bleibt das Grundgerüst unverändert. Genauso die Wahl des Labels – denn wie die vorangehenden Alben erschien auch „All Nerve“ bei 4AD.

Wer also Lust hat sich in die 1990er-
Jahre zurück katapultieren zu lassen, weiß wo an diesem Freitag die Zeitkapsel steht.

Am 23. November im Atelier.

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