„The Family of Man“: Kulturpolitischer Problemfall

von | 02.04.2026

Die weiterhin ungeklärte Frage um mögliche Feuchtigkeitsschäden am Unesco-Erbe „The Family of Man“ in Clerf hat jüngst Politik und Presse beschäftigt. Wäre im Worst Case das Unesco-Label des Dokumentenschatzes gefährdet?

Sicht auf einen Ausstellungsraum im Schloss Clerf, in dem Fotos aus der Sammlung „The Family of Man“ hängen.

„The Family of Man“ ist eine Fotoausstellung, die der Fotograf Edward Steichen ab 1951 für das New Yorker Museum of Modern Art zusammengestellt hat. („The Family of Man“, im Schloss Clerf © CNA/Romain Girtgen, 2013)

Ob die Exponate der Fotoausstellung „The Family of Man“ im Schloss Clerf Schäden durch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit davongetragen haben, ist noch unklar. In einer Sitzung der parlamentarischen Kulturkommission Mitte März mussten Gilles Zeimet, umstrittener Direktor des Centre national de l’audiovisuel (CNA), und Kulturminister Eric Thill (DP) Stellung beziehen zu der Vielzahl an Problemen, mit denen das CNA seit geraumer Zeit konfrontiert ist (woxx 1874 und 1876). Konkret ging es um gegen Zeimet gerichtete Sexismusvorwürfe, Managementprobleme, die abgebrochene Teutloff-Schau und eine Panne der Klimaanlage in der weltweit bekannten Fotoausstellung „The Family of Man“ im Schloss Clerf im vergangenen Jahr.

Zeimet gab zu, dass es derzeit keine*n CNA-Mitarbeiter*in gebe, der*die die Fotos auf Schäden untersuchen und sie gegebenenfalls restaurieren könnte. Auf Nachfrage der woxx, ob ein*e externe*r Experte*in kontaktiert wurde, um diese Aufgabe zu übernehmen, schrieb das CNA am 23. März: „Die Betreuung der Sammlung basiert auf einer Kombination von ständigem internem Management und, wenn nötig, spezialisierter externer Expertise. Eine detaillierte Monitoring-Kampagne ist im Rahmen der nächsten jährlichen Schließung vorgesehen.“

Und wenn die wertvollen Fotografien Schaden genommen haben? Ist dann vielleicht sogar ihr Eintrag ins Unesco-Register „Memory of the World“ in Gefahr? Hier gibt Simone Beck, Vorsitzende der luxemburgischen Kommission für die Unesco, gegenüber der woxx Entwarnung. „Es gibt keinen nachgewiesenen Fall, in dem ein Dokument oder eine Dokumentensammlung wieder aus dem Register gestrichen wurde“, erklärt die Expertin. Während das Unesco-Programm, das dem Schutz und dem Erhalt natürlicher sowie kultureller Welterbestätten dient, bei Verstößen gegen seine Konventionen explizit eine „Delisting“-Prozedur vorsehe, gebe es keine entsprechende Regelung hinsichtlich des Weltdokumentenerbes. Ohnehin würde es sich im Falle von „The Family of Man“ nicht um mutwillige Zerstörung, sondern um eine technische Panne handeln, ergänzt sie.

„Ziel des Unesco-Programms ist es, Dokumente ins Register aufzunehmen und so zu ihrer weltweiten Verbreitung beizutragen“, sagt Beck. Es handle sich um eine internationale Datenbank, die für jeden Menschen frei einsehbar sei. Wie die Staaten oder verantwortlichen Institutionen mit den eigentlichen Dokumenten umgingen, kontrolliere die Unesco kaum; selbst im Falle einer absichtlichen Vernichtung könne sie nicht eingreifen.

Die Schau, die 2003 als einziges luxemburgisches Dokumentenwerk ins Unesco-Register aufgenommen wurde, wird also in jedem Fall weiterhin Teil des Weltgedächtnisses bleiben. Ob die Fotografien den Feuchtigkeitsvorfall in Clerf unbeschadet überstanden haben, wird sich indes noch zeigen müssen. Die zeitweilige Fehlfunktion der Klimaanlage hat seit Ende Februar die Luxemburger Kulturpolitik beschäftigt: Die CSV-Abgeordnete Stéphanie Weydert hatte sich in einer parlamentarischen Anfrage bei Kulturminister Eric Thill (DP) nach dem Zustand der Fotos erkundigt und auf eine Klimaanlagenpanne im vergangenen Sommer verwiesen. Thill beschwichtigte: „Es gab keine dauerhafte Überschreitung der konservatorisch relevanten Grenzwerte, und die klimatischen Bedingungen blieben zu jedem Moment unter Kontrolle.“

Bei der Wartung der Klimaanlage im Juli 2025 sei aber bestätigt worden, dass einer der zwei Kompressoren der HVAC-Anlage defekt und nicht reparabel sei. Aus den Dokumenten, die auch der woxx vorliegen, wird ersichtlich, dass die Luftfeuchtigkeit an insgesamt acht Tagen über die Normalwerte von zwischen 45 und 55 Prozent auf zum Teil fast 70 Prozent gestiegen war. Präventive Maßnahmen seien laut Thill sofort ergriffen worden: Der noch funktionierende Kompressor habe unter voller Auslastung den Ausfall des anderen ausgeglichen. Am 25. Juli seien zusätzlich vier Entfeuchter installiert worden. Unter anderem hatte ein „Tageblatt“-Artikel darauf aufmerksam gemacht, dass an einem Tag, nämlich dem 21. Juli, nicht bloß einer, sondern beide Kompressoren kurzzeitig ausgefallen waren. Die Installierung zweier neuer Kompressoren wurde allerdings erst am 2. Dezember letzten Jahres abgeschlossen.

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