Inklusion: Ohne Kritik keine Kultur

von | 22.04.2026

Ein Aktionsplan soll den Zugang zur Kultur in Luxemburg stärken; dazu zählt auch eine bessere Kommunikation über das kulturelle Angebot. Dass das Ministerium den Kulturjournalismus dabei völlig außer Acht lässt, ist frustrierend.

Ein Zeitungsstapel ragt von links ins Bild.

Ob digital oder eben im Print: Medien informieren auf fundierte Weise über das aktuelle kulturelle Angebot. (Foto: CC-BY Images Money/flickr)

Der durchaus ambitiöse nationale Aktionsplan „Accès à la culture“, den Kulturminister Eric Thill (DP) am Dienstag vorstellte, soll der kulturellen Inklusion Auftrieb geben. 33 Ziele will der Minister bis 2030 erreichen. Gesamtkostenpunkt: 13,5 Millionen Euro.

Viele der angedachten Maßnahmen sollen Hürden rund um die Teilnahme und den Konsum von Kultur abbauen. Denn nach wie vor gilt: Bildungsgrad, finanzielle Situation, Wohnort, Herkunft und das (Nicht-)Vorhandensein von körperlichen Beeinträchtigungen entscheiden darüber, inwiefern man am kulturellen Leben in Luxemburg teilhaben kann. Die Kulturpass-Initiative für einkommensschwache Personen soll deswegen weiterentwickelt werden (siehe woxx 1842). Ebenfalls auf dem Programm stehen: die Schaffung barrierefreier Infrastrukturen, die Förderung des ehrenamtlichen Engagements und der regionalen Kulturangebote sowie die Einführung von Projekten zu Kultur und Gesundheit.

Das alles ist richtig und wichtig. Dass es neben der Beseitigung von Barrieren aber auch eine bessere Sichtbarmachung der vielfältigen kulturellen Aktivitäten und Veranstaltungen hier im Land braucht, ist klar. Denn nur, wenn Menschen wissen, was das hiesige kulturelle Buffet überhaupt zu bieten hat und welche Speisen wohl besonders schmecken dürften, lohnen sich die anderen Anstrengungen; sonst finden kulturelle Produktion und Publikum einfach nicht zueinander. Das Kulturministerium ist sich dessen bewusst und räumt der Sichtbarkeit und Kommunikation des luxemburgischen Kulturangebots einen ganzen Schwerpunkt ein. Leider fällt die Unterstützung des lokalen Kulturjournalismus schlichtweg unter den Tisch.

Leider aber ist die verstärkte Förderung des Kulturjournalismus derzeit Wunschdenken.

Die Maßnahmen des Aktionsplans zielen darauf ab, zu informieren und Hemmungen gegenüber Kulturorten abzubauen. So relevant diese Anstrengungen auch sind, so notwendig wäre es, die Förderung eines qualitativ hochwertigen Kulturjournalismus ebenfalls zu priorisieren. Denn die kulturjournalistische Arbeit ist viel mehr als reine Informationsvermittlung. Ausgebildete Journalist*innen nehmen Kontextualisierungen vor, liefern Hintergründe, fertigen Analysen an und bieten damit dem Publikum eine unverzichtbare Orientierungshilfe.

Sie schaffen mit ihrer Tätigkeit einen lebendigen Diskursraum, der, wenn man möchte, dass sich der Kultursektor weiter professionalisiert, unentbehrlich ist. Denn auch für die Künstler*innen ist das, was Kulturjournalist*innen leisten, von eminenter Wichtigkeit. Kreativschaffende erhalten nämlich fundiertes Feedback zu ihrem künstlerischen Output, können – was für Bewerbungen zentral ist – ihr Portfolio mit Kritiken vervollständigen und sich auf dem Wege ihrer Etablierung auf die Stimmen von Rezensent*innen berufen.

Dabei kann man den klassischen Kulturjournalismus als ergänzend zu Informationsangeboten in einfacher Sprache begreifen, oder, warum nicht, auch zusammendenken. Entsprechende Fortbildungen für Kulturjournalist*innen wären ein erster Ansatzpunkt.

Leider aber ist die verstärkte Förderung des Kulturjournalismus derzeit Wunschdenken: Der chronisch unterfinanzierte Mediensektor in Luxemburg darbt; die oft knapp besetzten Kulturredaktionen leiden mit am meisten darunter, weil ihre Beiträge meist weniger Klicks generieren als jene aus anderen Ressorts. Je nach Medium ist der damit einhergehende Rechtfertigungsdruck größer oder kleiner, schließlich sind Medien, wenn es mit der Pressehilfe eng wird, direkter abhängig vom Gusto der Leser*innen oder Hörer*innen.

Die in der Medienbranche herrschenden finanziellen und personellen Engpässe lassen sich nicht durch eine zentralisierte Informationsplattform, staatliche Sensibilisierungskampagnen oder auch durch die vom Kulturministerium bereitgestellten neuen Fördermöglichkeiten für Blogs, Vlogs und Podcasts ausgleichen. Es braucht daneben eine langfristige und angemessene Unterstützung des (Kultur-)Journalismus. Nur wenn Journalist*in- nen die nötigen Mittel erhalten und eine personelle Aufstockung möglich wird, können sie neue Formate entwickeln, die andere Menschen als die oft bereits gut informierte bildungsbürgerliche Leser*innen- und Hörer*innenschaft ansprechen.

 

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