Thers Bodé (1954-1989)

Am 3. Juli 1989 verstarb die GréngeSpoun-Mitarbeiterin Thers Bodé.

Unerschrocken – der Begriff kommt mir als erstes in den Sinn. Thers Bodé war unerschrocken. In einer Parlamentsrede zur Prostitution, die sie für einen grün-alternativen Abgeordneten geschrieben hatte, meinte die engagierte Feministin 1984: „Et geet schliisslech dorëm, dass mer musse léieren anescht d’Léift ze maachen, net nëmmen, well et da wierklech Loscht versprécht amplaz pervers Befriddegung, mee och well et en Deel vun engem Liewen ass ouni Haass a Gewalt.“

Solche Aussagen wirkten in den Parlamentsdebatten der 1980er schockierend – vielleicht täten sie es heute noch? Als Thers Bodé Ende 1988 zum Team des GréngeSpoun stieß – dem Vorläufer der heutigen woxx -, hieß ihr erster Beitrag „100 Jahre Frau auf der Kühlerhaube“, eine deutliche Kritik an der traditionellen Darstellung von Frauen auch in der Frauenzeitschrift „Carrière“. Eine Ausgabe später druckte der „GréngeSpoun“ eine andere Parlamentsrede ab. In: „Wann et keng Prënze méi géif ginn“, meinte sie: „Eng Fra, déi onbedéngt wëll wéi e Mann liewen, gefält kengem Mann. An dat ass jo wuel Strof genuch. Well wéi Frae musse sinn, fir eis ze gefalen, dat bestëmme nach ëmmer mir. An de Bicher, de Filmer, der TV, den Zeitungen, de Reklammen… – alles Porno! Porno heescht: Duerstellung vun Houeren (Dat kënnt aus dem Gricheschen.) An esou ginn d’Fraen eben duergestallt. ‚Ech sinn esou gezeechent‘ seet esou guer d’Fra vum Roger Rabbit. Oder mer stëllen d’Fraen als Mammen duer. Si hun eben Houer oder Mamm ze sinn.“

Thers Bodé wollte, wie ihre Artikel im „GréngeSpoun“ und anderswo bezeugen, aber auch „die Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern aufheben“, einen sozio-kulturellen Rundfunksender, „der diesen Namen verdient“, schrieb über das „Dilemma einer ökologiebewussten Gewerkschaftsbewegung“, argumentierte gegen Ökosteuern und für Gebote und Verbote in der Umweltpolitik, kritisierte eine unternehmens-orientierte Schulpolitik oder eine rechtsradikale Vereinnahmung der Umweltbewegung. Als sie im Juni 1989 als erste grün-alternative Frau ins Parlament gewählt wurde, konnte sie ihr Mandat nicht mehr antreten. Thers Bodé ist heute vor 30 Jahren gestorben, ihre Texte bleiben aktuell.


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