Ulrike Bail und Nathalie Jacoby: Literatur als Gegensprache

Das Jahr steckte für Nathalie Jacoby, seit Oktober neue Direktorin des Centre national de littérature, und Ulrike Bail, freiberufliche Autorin, voller Überraschungen. Im Gespräch mit der woxx schauen sie zurück und nach vorne, denken laut über digitale Kulturangebote, Frauen in der Literaturwelt und die nationale Szene nach.

Nathalie Jacoby (1969) war seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Centre national de littérature. Im Oktober 2020 wurde sie zur Direktorin des CNL ernannt, davor war sie Lehrerin am Lycée Ermesinde in Mersch. Jacoby lehrte außerdem als Gastdozentin an der Universität von KwaZulu-Natal im südafrikanischen Pietermaritzburg (1996) und promovierte im Fachbereich Germanistik (2000). Sie veröffentlichte bereits mehrere Publikationen zu Literaturdidaktik und Literatur aus Luxemburg. (Foto: Miikka Heinonen)

woxx: Ulrike Bail und Nathalie Jacoby, 2020 muss für Sie ein aufregendes Jahr gewesen sein: Ulrike, Sie wurden von der deutschen Autorinnenvereinigung zur Autorin des Jahres gekürt und haben den Concours littéraire national gewonnen. Nathalie, Sie mussten unerwartet als neue Direktorin des Centre national de littérature (CNL) in die Fußstapfen von Claude Conter treten.


Ulrike Bail: Es war interessant und erstaunlich. Das erste Halbjahr war still und intensiv, weil ich an meinem Manuskript (Anm. d. R.: „statt einer ankunft“) für den Literaturpreis geschrieben habe. In der zweiten Jahreshälfte kam dann einiges zusammen, viel Öffentlichkeit: die Preise, die Veröffentlichung meines Gedichtbandes „wie viele faden tief“, ein Fernsehfeature vom Saarländischen Rundfunk. Ich habe Gedichte zum Thema Glück im Düsseldorfer Literaturmagazin „Wortschau“ als Hauptautorin der Ausgabe publiziert. Das Jahr war aufregend und spannend, sehr inspirierend und beflügelnd. Schön.

Bei dem einen Preis wurden Sie, Frau Bail, explizit als Autorin ausgezeichnet. Der Concours littéraire national ist nicht nach Geschlecht aufgeteilt. Macht das für Sie einen Unterschied?


Ulrike Bail: Der Preis der Autorinnenvereinigung fühlt sich anders an. Die Autorin des Jahres wird unter den Mitgliedern ausgewählt. Ich bin seit zehn Jahren, seit ich publiziere, Teil der Vereinigung. Es fühlt sich persönlicher an. Beide Auszeichnungen sind eine schöne Ermutigung, die ich sehr schätze. Die Preise bedeuten mir gleich viel.

Frau Jacoby, was sagen Sie zu 2020?


Nathalie Jacoby: Das Jahr war sehr aufregend, völlig anders als erwartet. Damit meine ich nicht nur, dass niemand mit der sanitären Krise gerechnet hat. Ich dachte beim ersten Lockdown: „Das wird eine ruhige Zeit. Eine Zeit, um Dinge anzugehen, die sonst liegen bleiben.“ Aber dem war nicht so. Zum einen war ich bis Ende September noch als Lehrerin tätig und die Umstellung auf den Fernunterricht hat mich vor neue Herausforderungen gestellt – das war sehr arbeitsintensiv, wenn auch schön, weil sich neue Perspektiven der didaktischen Vermittlung eröffnet haben. Zum anderen kam im Frühjahr der Schock: Claude Conter verlässt das CNL. Das war für uns im CNL eine schlimme Nachricht. Die plötzliche Frage, ob ich mir vorstellen könnte, den Posten zu übernehmen, hat mich in innerliche Unruhe versetzt, die ich so eigentlich nicht von mir kenne. Ich war nicht sicher, ob ich das will und kann. Seit ich den Posten angetreten habe, läuft die Zeit schneller. Und ich versuche, die Arbeit am CNL nicht zu bremsen.

Momentan ist wegen der Entwicklung der Pandemie vieles ungewiss. Verfolgen Sie dennoch eine gewisse Agenda, Frau Jacoby?


Nathalie Jacoby: Ich habe das Glück, dass ich viele schöne Projekte geerbt habe, wie beispielsweise das überarbeitete Autorenlexikon, das wir Ende November präsentiert haben, oder Buchpublikationen. Gerade eben sind eine Auswahl der Werke Léopold Hoffmanns und die „Fundstücke“ des CNL erschienen. Viele Projekte möchte ich auch weiterführen, besonders die Reihen „Rede zur Literatur“ und „Rede vom Theater“. Ich habe bereits einige Arbeiten in Auftrag gegeben. Einer meiner Schwerpunkte wird die didaktische Arbeit, die Literaturvermittlung sein, wie beispielsweise das Zusammenstellen von Unterrichtsmappen oder Weiterbildungskursen für das Lehrpersonal, unter anderem am IFEN (Institut de formation de l’éducation nationale).

Wie schaut es mit neuen Konzepten aus?


Nathalie Jacoby: Der Hörspielbereich ist ein Aspekt, der sich eventuell ausbauen ließe. Da kommt einer meiner beruflichen Backgrounds ins Spiel: Ich habe zehn Jahre als Audioguide-Produzentin und -Autorin gearbeitet. „Lieskamelle“ war ein erster kleiner Schritt in diese Richtung: Autoren haben in kurzen Audiobeiträgen aus ihren Publikationen vorgelesen. Die Vorträge wurden per Mail verschickt. Doch auch außerhalb des CNL gibt es Entwicklungen, die uns neue Ansatzpunkte bieten. Das CNL steht für die Mehrsprachigkeit der luxemburgischen Literaturszene – und in dem Kontext passiert sehr viel, sowohl in der englischsprachigen als auch in anderen fremdsprachigen Literaturen. Das CNL soll ein Ort bleiben, an dem sich Sprachen jeder Art begegnen. Pierre Joris sagt, Literatur sei selbst schon eine Fremdsprache. Literatur ist eine eigene Sprache.

Ulrike Bail: Das brauchen wir zurzeit – eine vielschichtige Sprache. Sie ist ein Mittel gegen propagandistische, vereinfachende Sprache. Wenn verschiedene Sprachen zusammentreffen, entstehen Resonanzräume und Institutionen wie das CNL sind Multiplikatoren, die das nach außen tragen.

Sprache und Literatur nach außen zu tragen, Menschen zusammenzubringen ist derzeit schwer umzusetzen. Fehlt Ihnen das?


Nathalie Jacoby: Uns fehlt es, Menschen bei Veranstaltungen im CNL begrüßen zu dürfen, auch wenn Literaturwissenschaftler unseren Leseraum nach Vereinbarung weiterhin zur Recherche nutzen können. Ulrike hat von den Resonanzräumen gesprochen, die entstehen, wenn Sprachen aufeinandertreffen: Es ist in dem Kontext wichtig, aus Publikationen vorzutragen.

Die Preisverleihung des Concours littéraire national fand digital statt. Es war ein Zusammenschnitt aus Filmaufnahmen der einzelnen Akteur*innen. Sind digitale Konzepte Fluch oder Segen?


Nathalie Jacoby: Digitale Veranstaltungen dürfen kein Trostpflaster sein. Nora Si Abderrahmane vom Kulturministerium hatte die schöne Idee, ein neues Format auszuprobieren. Preisübergaben sind an sich ein performativer Akt, dem wir mit dem Filmen eine zweite Ebene beigefügt haben.

Ulrike Bail: Das Schöne daran ist, dass einige meiner Familienangehörigen aus Deutschland bei der Preisverleihung zuschauen konnten. Sie wohnen zu weit weg, um nur für einen Abend nach Luxemburg zu reisen. Ich schaue mir selbst digitale Lesungen oder Ballett und Konzerte im Fernsehen an, wenn auch nicht jeden Tag. Es kam vor der Pandemie schon mal vor, dass ich gerne eine Lyriklesung in Berlin besucht hätte, mir das aber nicht möglich war. Jetzt steht es mir offen. Ich finde, es kommt auf die Qualität der Aufzeichnungen an. In der Berliner Lyrikszene wurden schon gleich zu Beginn des Lockdowns im Frühling Lesungen übertragen, am Anfang noch mit wackelnder Handykamera. Hochwertige Übertragungen sind da etwas anderes. Trotzdem fehlt der leibliche Aspekt. Etwas „mitzuteilen“ heißt auch es „miteinander zu teilen“. Auch bei der Preisverleihung fehlte es mir, am Ende mit einem Glas Wein, Sekt oder Wasser anzustoßen.

Nathalie Jacoby: Die Spontaneität geht verloren. Wir haben das bei den Arbeiten zur Preisverleihung gemerkt: ‚Wann filmen wir was und wo?’ Die digitale Übertragung nimmt einem Freiheiten.

Die Tatsache, dass Veranstaltungen aus aller Welt zum Teil kostenlos übertragen werden, öffnet aber auch den unkomplizierten, internationalen Kulturaustausch.


Nathalie Jacoby: Das sind zwei Dinge, die parallel geschehen: Einerseits gibt es die Möglichkeit, Veranstaltungen aus aller Welt beizuwohnen, und andererseits ist da dieses Fehlen des physischen Aspekts. Die Distanz zwischen den Menschen ist trotzdem aufgehoben. Wir können, ohne groß über die Planung nachzudenken, Meetings aus aller Welt besuchen und uns Wissen aneignen. Ein Stück von dem, was wir in den letzten Monaten gelernt haben, können wir in Zukunft sicherlich beibehalten.

Ulrike Bail: Es ist eine Chance und ein Verlust. Ich finde es schade, dass keine physischen Lesungen stattfinden können. Ich vermisse den Geruch der Räume, in denen man vorliest, der Bibliotheken, Buchhandlungen und Archive.

Nathalie Jacoby: Das Zusammenkommen als Gemeinschaft fehlt einfach. Ich will das Buch wieder feiern können. Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr die eine oder andere Gelegenheit haben werden, dies zu tun. Bei gutem Wetter im Freien, im wunderschönen Park des CNL.

Ulrike Bail: „statt einer ankunft“ erscheint im ersten Halbjahr 2021 im Conte Verlag – vielleicht kann es dazu eine Feier geben. (lacht)

Frau Bail, Sie haben die literarische Sprache vorhin als Mittel gegen propagandistische Sprache bezeichnet. Im Zuge des US-Wahlkampfs formierte sich der internationale Schriftsteller*innenverbund „Writers Against Trump“, um ein Zeichen gegen Donald Trumps Politik zu setzen. Wie schätzen Sie die politische Aktivität von Autor*innen aus Luxemburg ein?


Ulrike Bail: Es gibt in der luxemburgischen Literaturgeschichte einen Bezug zu tagespolitischen Inhalten. Viele Publikationen setzen sich mit Grundfragen der Politik auseinander. Es müssen keine großen Worte sein, damit ein Text Stellung bezieht. Eines meiner Gedichte thematisiert die Bushaltestelle Place de l’Europe und mit wenigen Andeutungen die Asylpolitik Europas. So wird ein kleines Gedicht hochpolitisch.

Nathalie Jacoby: Der Batty-Weber-Preisträger Pierre Joris ist Mitglied von Writers Against Trump. Ich denke, in den USA besteht ein ganz anderer Leidensdruck als hier. Doch auch in Luxemburg sind die Schriftsteller engagiert, vor allem in kulturpolitischen Fragen. Man merkt das vielleicht nicht immer sofort, weil es nicht auf eine plakative Art und Weise geschieht. Guy Helminger verweist in seinen Texten über den Jemen beispielsweise auf Aspekte, die in journalistischen Publikationen manchmal ignoriert werden. Man erkennt das Engagement aber auch an der Gründung der neuen Schriftstellervereinigung (Anm. d. R.: Associatioun: Lëtzebuerger Literatur/A:LL Schrëftsteller*innen asbl) Luxemburgs.

Zur Person:
Ulrike Bail (1960) ist freiberufliche Autorin und Lyrikerin und lebt seit 2006 in Luxemburg. Für ihre Werke „sterbezettel“ (2011) und „die empfindlichkeit der libelle“ (2015) erhielt sie den zweiten Preis beim Concours littéraire national. Ihr Manuskript „statt einer ankunft“ wurde 2020 mit dem ersten Preis des nationalen Literaturwettbewerbs ausgezeichnet. Die Lyrikerin wurde zudem von der deutschen Autorinnenvereinigung zur Autorin des Jahres gekürt. 2020 erschien darüber hinaus Bails Gedichtband „wie viele faden tief“ im Conte Verlag. Sie promovierte in evangelischer Theologie (Altes Testament) an der Universität Bochum (1997), wo sie sich 2003 habilitierte. (Foto: Dirk Skiba)

Wenn wir schon bei Literatur aus Luxemburg sind: Wie erleben Sie die Geschlechterverhältnisse in der nationalen Szene?


Ulrike Bail: Ich habe keine konkreten Zahlen aus Luxemburg, deswegen halte ich mich mit einem Urteil zurück. Die Gründungsmitglieder der A:LL Schrëftsteller*innen asbl bestehen aus fast gleich vielen Frauen wie Männern. Das sind alles Schriftsteller*innen, die es ernst meinen, die beruflich als Autor*in arbeiten oder arbeiten wollen. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen.

Nathalie Jacoby: Wir sind ein kleines Land und haben daher auch vergleichsweise weniger Autoren. Zwei Menschen machen prozentual dementsprechend viel aus. Zahlen zu nennen ist schwer. Ich habe jedoch das Gefühl, dass bei A:LL viele schreibende Frauen vertreten sind. Auch in der Literaturwissenschaft an der Universität tut sich sehr viel. Am CNL waren ohnehin schon immer viele Frauen vertreten (lacht).

Forderungen nach mehr Autorinnen auf den Lehrplänen, wie sie die Organisation „Voix de jeunes femmes“ letztes Jahr aussprachen, deuten darauf hin, dass die Verhältnisse in der Literaturvermittlung dennoch unausgewogen sind.


Nathalie Jacoby: Ich denke, dass die Rezeption sich langsam verändert. Es wurden lange mehr Männer als Frauen gelesen. In meiner Schulzeit haben wir fast ausschließlich Literatur von Männern gelesen. Die Frage, die sich immer und schon lange stellt, ist: Gab es wirklich keine wichtigen Frauen in der Literaturgeschichte oder wurden sie vergessen?

Ulrike Bail: In Deutschland gingen in diesem Jahr die wichtigsten Literaturauszeichnungen an Frauen, vor allem an gestandene Schriftstellerinnen, die schon lange schreiben und veröffentlichen, so zum Beispiel ging der Ingeborg-Bachmann-Preis an die 80-jährige Helga Schubert oder der Georg-Büchner-Preis an die 82-jährige Lyrikerin Elke Erb. Da hat sich etwas verändert. Auch in Luxemburg lässt sich das beobachten. Der Servaispreis wurde seit 1992 sechs Schriftstellerinnen verliehen, zweien davon in den letzten drei Jahren. Dennoch hat in Deutschland 2020 der Buchladen „She said“ eröffnet, der ausschließlich Literatur von Frauen verkauft, weil ihre Bücher in gewöhnlichen Läden oft schwer zu finden sind. Wo auch immer es herkommt: Es gibt immer noch ein Problem.

Sie hatten beide Lehraufträge an Universitäten: Frau Bail in der Theologie, Frau Jacoby in der Germanistik. Wie präsent ist dort, fernab der Gender Studiengänge, die feministische Perspektive?


Ulrike Bail: Ich lehre seit mehreren Jahren nicht mehr. Wie es zurzeit aussieht, mag ich deswegen nicht beurteilen. In der Theologie gehörte zu der Zeit, in der ich promovierte, ein Thema wie Gewalt gegen Frauen aber beispielsweise nicht zum wissenschaftlichen Kanon. Meine männlichen Kollegen taten sich schwer damit. Sexualisierte Gewalt wird inzwischen mehr thematisiert, auch in der Literatur, wie in „Monster wie wir“ von Ulrike Almut Sandig – ein Buch, das ich allen empfehle. Warum das so ist, ist schwer zu sagen. Es ist ein vielschichtiges Gemenge. Man muss diese Komplexität wahrnehmen. Für den Band „Not the girl you’re looking for – Melusina rediscovered“ des CID Fraen an Gender habe ich den Beitrag „Von Sirenengesang, freien Samstagen und einem Schrei. Schriftstellerinnen Luxemburgs als intertextuelle Gefährtinnen Melusinas“ geschrieben. In einer Version des Mythos ist es Melusina, die schreit, wenn der Graf sie entdeckt. Der Schrei und damit die Möglichkeit die eigene Stimme zu erheben, kann zusammen mit dem melusinischen Freiraum weitergedacht werden als Raum schriftstellerisch tätig zu werden.

Literatur aus Luxemburg wird seit einiger Zeit durch Plattformen wie Reading Luxembourg stark gefördert. Fehlt es ihr trotzdem noch an Sichtbarkeit?


Nathalie Jacoby: Es ist komplex, wie die nationale Literaturszene in Luxemburg wahrgenommen wird. Bei vielen fehlt das Bewusstsein, dass es überhaupt eine Szene mit Schriftstellern und Verlagshäusern gibt. Es scheint oft so, als würden sich die Menschen denken „Im Ausland gibt es das, aber doch nicht hier“. Reading Luxembourg trägt entscheidend dazu bei, das zu verändern.

Markus Winkler/Pexels

Hat es ein Genre wie Lyrik in dem Sinne doppelt schwer?


Ulrike Bail: Das ist eine schwierige Frage. In Deutschland gibt es eine große und lebhafte Lyrikszene. Berlin, Leipzig, Bielefeld vor allem sind die Hauptadern. Man kann mit Lyrik kaum Geld verdienen, was ich auch als Chance bewerte. Lyrik ist nicht für ein kapitalistisches Modell gemacht. Lyrik ist ein Gegenentwurf zur Sprache als reines Informationsmedium.

Nathalie Jacoby: Die kurze Zeit, in der ich im Verlagswesen aktiv war (Anm. d. R.: Black Fountain Press) habe ich beobachtet, dass Lyrik für viele der Einstieg in das Schreiben ist: Es ist oft die erste Form, in der man sich mit dem literarischen Schreiben auseinandersetzt. Das ist eine sonderbare Dichotomie: Lyrik wird wohl weniger verkauft und gelesen, aber, wenn auch oft hinter verschlossenen Türen, sehr viel mehr geschrieben.

Frau Bail, wurden Ihre Erstversuche gleich veröffentlicht?


Ulrike Bail: Ich habe im Gymnasium erste Texte geschrieben. Ein paar Gedichte habe ich damals an einen Verlag geschickt. Es kam ein Brief zurück, dass meine Wiedergabe eigener Erlebniswelten nicht genug sei. Ich war enttäuscht, aber es waren auch ermutigende Worte.

Heute bedarf es an sich keinem Verlag mehr, um Werke zu veröffentlichen.


Nathalie Jacoby: Durch Books on demand ist es heute leichter zu publizieren. Hat sich deswegen etwas an der Qualität der Publikationen verändert? Ich denke, dass mit jeder Professionalisierung immer auch eine gesunde Arbeitsteilung einhergeht. Es gibt Experten für bestimmte Dinge. Nun muss ich aber dazu sagen, dass auch der Selbstverlag in Luxemburg schon immer wichtig war. In den 1970er- und 1980er-Jahren haben sich einige renommierte Autoren nur dadurch über Wasser gehalten, dass sie ihre Werke selbst verlegt haben. Ohne diese Möglichkeit würden uns heute wichtige Stimmen luxemburgischer Literatur fehlen. Doch nicht immer eignet sich der Selbstverlag zum Einstieg in die Branche.

Ulrike Bail: Manchmal ist der Einstieg aber auch schwer. Viele Verlage schreiben auf ihren Websites, dass sie keine Manuskripte mehr annehmen. Es bleiben einem Zeitschriften und Magazine.


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